Sag mir, wie das Brötchen heißt, und ich sage dir, wo du bist

26. März 2018

Als ich, gebürtige Schwäbin aus Baden-Württemberg, das erste Mal in der oberbayerischen Kleinstadt Freising, in der ich mein Studium antrat, an der Bäckertheke stand, um „ein Weckle und eine Brätzl“ zum Frühstück zu kaufen, staunte ich nicht schlecht. Mir wurde ohne Zögern ein 750 Gramm schwerer, länglicher Brotlaib über die Theke geschoben, ein Wecken halt. Beim zweiten Gebäckstück war die durchaus bemühte Dame in der Bäckerei dann aber am Ende ihres (ober-)bayerischen Bäckerlateins.

Bei dieser Begegnung habe ich erstmals wahrgenommen, dass ein Brötchen nicht überall in Deutschland ein Brötchen und ein Weckle auch nur in Schwaben ein gängiger Begriff für die Gattung (Weizen-/Roggen-)Kleingebäck ist. Hört man sich in den verschiedenen Regionen in Deutschland um, kommt eine ordentliche Liste an Bezeichnungen zusammen, die alle dasselbe bedeuten. Wer für sein Frühstück ein frisches Brötchen – diese Bezeichnung zumindest ist in ganz Deutschland verständlich – beim Bäcker kaufen möchte, sollte sich am Dialekt in der Region orientieren.

Das Brötchen von Nord nach Süd

Im hohen Norden in der Hansestadt Hamburg ordert man ein Rundstück und in der Hauptstadt Berlin besser eine Schrippe, wenn man auf Anhieb verstanden werden möchte. Wobei die Schrippe eine kleine Ausnahme bildet, da sie auf besondere Weise hergestellt wird: Der Teig wird nämlich nicht nur rundgewirkt, sondern dann auch noch eingeschlagen. Begibt man sich von Berlin aus in die nahe gelegenen Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, bewegt man sich mit der hochdeutschen Version auf sicherem Terrain. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hingegen heißt das Kleingebäck je nach Region Weck, Wecken oder Weckle, in der badisch-alemannischen Grenzregion des Bundeslandes südlich von Freiburg zur Schweiz hin gar Weggli. Auch ist in Bayern die Semmel nicht immer eine Semmel. Der Oberpfälzer und der Nordfranke bestreicht sein Laabla zum Frühstück mit Butter, in den restlichen Teilen von Franken verkaufen die Bäcker ein Kipfl oder Kipfle. Und ich bin mir sicher, dass ich mit diesen unterschiedlichen Begrifflichkeiten nur an der sprachlichen Oberfläche gekratzt habe und es noch viele weitere regionale Angewohnheiten gibt.

Nach fast 30 Jahren in meiner Wahlheimat Bayern habe ich übrigens auch eine gewisse Sturheit entwickelt und bestelle in der schwäbischen Heimat mit stoischer Ruhe stets eine Brezn, eine Breznsemmel (Laugenbrötchen) oder eben eine schlichte Semmel. Mittlerweile versteht mein Gegenüber in der Regel, was ich will, lässt es sich aber in den meisten Fällen nicht nehmen, mich mit der Rückgabe meines Wechselgeldes ein wenig tadelnd zu korrigieren: „Do hendse ezat ihr Weckle ond ihre Brätzl.“  Und irgendwie haben sie damit ja auch recht, denn Dialekt gehört gepflegt.

Wer Appetit bekommen hat auf die regionalen Sprachunterschiede für Brot und Kleingebäck und mehr über die deutsche Brotkultur wissen möchte, kann sich auch auf dem Brotblog vom Brotexperten Bernd Kütscher umschauen oder sich beim Lesen von Interviews mit Brotsommeliers zu verschiedenen Brotaspekten inspirieren lassen.

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