Ein Motto, zwei Städte: Craft Bier Fest München und Wien, Mai 2017

11. Mai 2017

Collab-Text von Sandra Ganzenmüller und Lisbeth Kreitmayr

Wo geht man hin, wenn man bitteschön sein Bier vom Brauer höchstpersönlich gezapft haben möchte? Aber nicht nur von einem Brauer – nein, es sollen schon so an die 30 verschiedene sein, mindestens. Klarer Fall: zu einem der Bierfestivals, die europaweit beachtlich Fahrt aufnehmen. Es gibt Wochenenden, an denen man sich als Bierbegeisterter kaum entscheiden kann, welche Veranstaltung man besuchen soll. Eigentlich müsste man sich zweiteilen. So war es heuer auch am ersten Maiwochenende. In München fand das Craft Bier Fest  mit 2.700 Besuchern statt, und in Wien  lockten die Veranstalter unter der gleichen Headline schon am Freitag 3.800 bieraffine Genussmenschen in die Marx-Halle im dritten Bezirk. Der identische Name bedeutet jedoch nicht, dass ein organisatorischer Kopf dahintersteckt. Es ist lediglich eine naheliegende Namenswahl, wenn man ein Festival im Auftrag des Biergenusses macht, haben wir vermutet. Stimmt aber doch nicht so ganz, denn einen Link gibt es schon. Der Organisator von München hat sich vorab in Wien umgeschaut und sich kollegiale Tipps geholt. Also, zwei Städte, zwei Konzepte, zwei Länder, ein Motto: (Craft-)Bier. Ein guter Grund, uns als bieraffine Food-PR-Agentur auf beiden Festivals umzuschauen und ein eigenes Urteil zu bilden. Dafür mussten wir uns nicht mal zweiteilen, sondern eben nur aufteilen.

Einfach nur gutes Bier ohne Show in München

Wenn man sich die scheinbar nicht enden wollende Besucherschlange vor dem Eingang zum Craft Bier Fest München anschaute, so wurde schnell klar: Craftbier kommt hier im Moment ziemlich gut an. Ausgerechnet in der historisch so eng mit Bier verknüpften Stadt München schien das Craftbier für einige Zeit nur langsam Fuß zu fassen. Doch die Craftbier-Szene in der bayerischen Landeshauptstadt hat in den letzten Jahren ordentlich aufgeholt, ebenso wie in Österreichs Hauptstadt. Die Szene verbucht Neuzugänge, sowohl was die Zahl der Liebhaber der Craftbier-Kultur angeht als auch seitens der Bieraussteller. Bierkultur ist hier das Stichwort.

Stichwort Bierkultur

Für den Veranstalter heißt das: Ziel erreicht, wollte er doch in den Münchnern das Bewusstsein für ausgefallene Biere wachkitzeln. Das Motto war schlicht: „Gutes Bier braucht keine Show.“ Und so gab es beim Craft Bier Fest in München auch wirklich nur (Craft-)Bier; Klassiker wie IPA, aber auch Ausgefallenes wie ein Blueberry Cheesecake Beer – kein Wunder, dass die ersten Sude schon nach wenigen Stunden ausverkauft waren. In den beiden Tagen der Veranstaltung waren mehr als 2.700 Besucher in die weiträumige Halle in Münchens östliches Zentrum gekommen, rund 1.000 mehr als im Vorjahr, in dem das Fest zum ersten Mal stattfand. Und das, obwohl der Veranstalter im Vorfeld relativ wenig Werbung gemacht hatte.
Craft-Bier scheint endgültig in Wien angekommen
Micky Klemsch, zusammen mit seinen Partnern geistiger Vater des Wiener Craft Bier Fests, zog für uns ein Resümee. Das jetzige Festival ist das zehnte in Folge in Wien und Linz, bei dem sie als Orgateam die Fäden in der Hand hatten. In Wien gibt es eine Art Frühjahrs- und eine Winteredition. Dabei ist die Mai-Veranstaltung bisher immer ein wenig kleiner ausgefallen als die im November; sowohl was die Anzahl der Aussteller als auch der Besucher betraf. Die Zielsetzung ist es, gut 8.000 Besucher anzulocken. Micky war mit dem Start am Freitag mehr als zufrieden: 3.800 Besucher sorgten für beste Stimmung. Sein Credo: „Jeder, vom Aussteller über den Brauer bis zum Besucher, soll hier am Ende rausgehen und glücklich sein.“ Das ist ihm sicherlich wieder gelungen.

Starke Szene

„Ich freue mich, dass die Szene zusammenwächst und wir für ein solches Festival bekannte Unterstützer aus Wien wie beispielsweise das Team von BeerLovers  gefunden haben. Sie sorgen unter anderem dafür, dass internationale Brauer ihre Biere persönlich am Stand ausschenken und laden am Vorabend zu diversen Tap-Take-Over-Terminen in die Wiener Gastronomie ein, um auf das Thema Bier einzustimmen. Solche Aktionen und auch spezielle Sude, die nur zur Veranstaltung eingebraut werden, bringen Stimmung und Emotion. Das war nicht von Beginn an der Fall“, denkt er an die Anfänge zurück. Seine Vorbilder waren zumindest vom Umfang andere Festivals wie das in Berlin oder Budapest, bei denen stets eine ganze Straße im Namen des Bieres gesperrt wird und sich Stände mit unterschiedlichen Bierspezialitäten aus der ganzen Welt aneinanderreihen. Ein gutes Stück auf diesem Weg ist geschafft. Eine der nächsten Ideen ist es, ein Open-Air-Event zu machen. Wir können gespannt sein. Im November geht es jedoch nochmal in die Marx-Halle, eine nahezu perfekte Location für das Festival. „Ja, für uns Organisatoren und auch die Aussteller ist es natürlich ideal, wenn wir auf den Erfahrungen der letzten Veranstaltung in der gleichen Location aufbauen können“, erklärt ein im Vergleich zu sonst wohl sehr entspannter Micky.

Klassische Bierfreaks versus Party People

Das Publikum unterscheidet sich laut Micky an den beiden Tagen doch deutlich. Am Freitag kommen eher klassische Bierfreaks, die die Ersten sein wollen, um Sondereditionen, die die Brauereien speziell zum Fest einbrauen, zu testen. Deren Standardfrage lautet: „Was gibt es Neues?“ Am Samstag hingegen setzt sich der Besucherpool aus jungen, bierbegeisterten Leuten zusammen, die feiern und Spaß haben wollen, eher also Party People sind. Und das Ganze ist übrigens nicht nur so ein Wiener Ding. Micky freut sich, dass das Festival besonders auch in den osteuropäischen Ländern wie Ungarn und Tschechien einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat und von dort ganze Busse anreisen. Dies ist natürlich eng mit der Tatsache verknüpft, dass sich auch unter den Ausstellern der letzten Jahre Braumeister aus diesen Längen getummelt haben.
Nicht nur für Micky, auch für Karl Schwarz, Geschäftsführer der Privatbrauerei Zwettl, die ihre Bierspezialitäten am Gemeinschaftsstand der Culturbrauer  ausgeschenkt hat, ist Craftbier endlich in Österreich angekommen. Ein Beweis dafür sind die Besucherzahlen und die Begeisterung, die er auf dem Fest gespürt hat.

Wir bleiben dran!

Wir sind natürlich gespannt, wie sich die Bierfestivals weiterentwickeln. Eines liegt auf der Hand: Bierfestivals wie in München und Wien sprießen gerade nur so aus dem Boden – in größeren und kleineren Städten. Gleichzeitig sind die Brauer immer weniger bereit, eine lange Reise ohne zusätzlichen Anreiz auf sich zu nehmen, ist es zum nächsten Bierfestival doch gar nicht mehr so weit. Außerdem gibt es in den Städten immer mehr Brauereien, die ihr Bier präsentieren wollen: Beim Craft Bier Fest München war fast jede fünfte Brauerei ein Neuzugang, einige stellten sogar zum ersten Mal überhaupt aus. Daraus ergibt sich ein Phänomen: Die Bierfestivals werden in ihrer Ausstellerstruktur immer regionaler – was gut ist, aber wohin wird sich das Thema Abwechslung und Vielfalt auf den Festivals entwickeln?

Tags: , ,
kalender.pur
Letzte Beiträge
23. Juni 2017

Aufguss gefällig? Infused Cocktails erobern die Bars






Ein langer, dunkler Tresen aus edlem Holz säumt den kleinen

19. Juni 2017

Cold Brew – der neueste Kaffeetrend






Als ich mir letztens in einer sonnigen Mittagspause einen Eiskaffee

9. Juni 2017

Family Man: Bobo Widmann vom Südtiroler Batzen Bräu






Bobo Widmann, Brauereichef und amtierender Meister der italienischen Biersommeliers, führt

Veröffentlicht unter beverages.pur, reportage.pur Getagged mit: , ,

kalender.pur

Mrz0 Termine
Apr0 Termine
Mai0 Termine
Jun0 Termine
Jul0 Termine
Aug0 Termine
Sep0 Termine
Okt0 Termine
Nov0 Termine
Dez0 Termine
Jan0 Termine
Feb0 Termine
Mrz0 Termine
Apr0 Termine
Mai0 Termine
Jun0 Termine
Jul0 Termine
Aug0 Termine
Sep0 Termine
Dez0 Termine