Ziemlich cool: European Joint Doctorate Food Science

8. November 2017

For the young, ambitious and brave: Dr. habil. Aleksander Poreda über die neue, internationale PhD Schule für Brauwesen und Mälzereitechnologie.

Dr. habil. Aleksander Poreda und Jonas Trummer im Interview mit Vanessa Starck zu dem neuen Studiengang European Joint Doctorate Food Science Dr. habil. Aleksander Poreda von der University of Agriculture in Krakau (Polen) hat ein völlig neuartiges Projekt ins Leben gerufen, einen internationalen PhD-Studiengang für Brauwesen und Mälzereitechnologie: European Joint Doctorate Food Science. Der globale Aspekt ist nur eine der Besonderheiten; so ist auch eine weitere Anforderung an die Doktoranden, sich und das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen. Wir haben ihn und einen seiner Doktoranden der ersten Stunde, Jonas Trummer, zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Dabei haben sie uns verraten, was die Wünsche, Ziele und Herausforderungen an European Joint Doctorate Food Science sind.

Können Sie uns einen kurzen Überblick über European Joint Doctorate Food Science geben? Warum eine internationale PhD Schule für Brauwesen und Mälzereitechnologie? Was macht das Projekt so besonders?

Jonas Trummer: Die PhD Schule entstand in Zusammenarbeit mit sechs verschiedenen Universitäten: University of Copenhagen, University of Nottingham, University of Ghent, KU LeuvenTechnische Universität Berlin und University of Agriculture in Krakau. Außerdem haben wir vier verschiedene, globale Industriepartner, Carlsberg, Boortmalt, FlavorActiv und die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB).

Insgesamt sind wir acht verschiedene Studenten, die in den sechs Universitäten angesiedelt sind. Der Kern unseres PhD-Programms sind die unterschiedlichen Ausbildungseinheiten, die wir immer wieder gemeinsam alle zwei bis drei Monate im ersten Jahr haben. Angefangen hatte es mit einem dreiwöchigen Kurs in Krakau, der zweite war an der VLB, der dritte an der TU Berlin und der vierte findet im November in Kopenhagen statt. Das neue Jahr startet im Januar mit einem Kurs in Gent.

Sollen noch mehr Universitäten, Länder, Firmen oder PhD-Studenten hinzukommen?

Jonas Trummer: Vorerst bleibt es bei den sechs Universitäten. Das nächste Programm wird auch erst mit dem Ende des diesigen beginnen, das wäre dann 2020. Dann werden die Universitäten sehen, ob sie weiterhin dabeibleiben wollen.

Dr. Aleksander Poreda: Die PhD Schule für Brauwesen und Mälzereitechnologie ist ein EU-subventioniertes Projekt. Darüber werden die drei Jahre über die Gehälter der Doktoranden, die Treffen, Kurse und vieles mehr finanziert. Abhängig davon, ob die Unterstützung aufrechterhalten bleibt, wird sich auch die Zukunft des Programms gestalten. Bei Wegfall der Gelder könnten es beispielsweise auch mehr Doktoranden werden, die von Unternehmen finanziert werden. Somit sind hier noch viele Wege offen. Die Doktoranden haben jetzt einen vollen Terminplan mit Kursen, neuen Erfahrungen und neuen Leuten. Das ist intensiv, anstrengend und fordert Ehrgeiz, aber dafür erhalten die PhD-Studenten ein nützliches Paket für ihre weitere Karriere.

Studiengang European Joint Doctorate Food Science

Foto: European Joint Doctorate in Food Science

Mir als Naturwissenschaftlerin, die in der Food-PR tätig ist, fiel sofort auf, dass die PhD-Studenten auch auf Social-Media-Kanälen wie Twitter und Facebook aktiv sind und ihren eigenen Blog betreiben. Geschieht das, um neue Industriepartner zu finden?

Dr. Aleksander Poreda: Nein, darum geht es uns nicht. Wir legen großen Wert darauf, das Projekt nach außen zu kommunizieren, und das eben nicht nur an Naturwissenschaftler. Auch die EU-Kommission wünscht sich, dass die breite Öffentlichkeit erfährt, was die Wissenschaftler machen, welche aktuellen Projekte ablaufen und worum es in der Forschung grundsätzlich geht. Wir nehmen das sehr ernst; so haben die Doktoranden auch extra Kurse über Kommunikation, wie man sich auf Facebook und Twitter präsentiert oder auch wie man einen Blog betreibt. Wir haben sogar einen eigenen wissenschaftlichen Blog auf unserer Webseite, der gerade anläuft.

Studiengang European Joint Doctorate Food Science

Foto: European Joint Doctorate in Food Science

Momentan ist der Blog noch leer, was soll hier präsentiert werden?

Dr. Aleksander Poreda: Der Blog ist wieder eine zusätzliche Aufgabe, aber auch hiermit soll gezeigt werden, wie wichtig es für Wissenschaftler ist über die eigene Arbeit zu sprechen. Hier soll der Alltag an den Universitäten beschrieben werden. Die Leute sollen nicht denken, die Wissenschaftler sitzen in ihren verschlossenen Burgen, machen witzige Sachen, bekommen dafür eine Menge Geld und niemand weiß, warum sie das machen. Daher müssen unsere Doktoranden nicht nur lernen wissenschaftliche Paper zu schreiben, sondern sie müssen es auch in normale Worte fassen können, dass es auch ein außenstehender Bierliebhaber verstehen kann. Das sind auch die Gründe für unsere Social-Media-Aktivitäten. Mit fortschreitendem Projektstatus wird es auch noch mehr geben, worüber geschrieben werden kann.

Jonas Trummer: Auf dem Blog wird alle zwei bis drei Monate ein neuer Eintrag erscheinen, dabei wollen wir die Leute einfach über den Fortschritt unserer Arbeit up to date halten. Vielleicht werden wir auch schreiben, was in den verschiedenen Städten so vor sich geht und auch ein paar persönliche Sachen, allerdings nicht so viel wie auf Facebook, aber so wollen wir es lesbar und ansprechend gestalten.

Dr. Aleksander Poreda: Die ersten Einträge werden sich mit dem Start des Projekts befassen. Die Studenten haben ihre gewohnte Umgebung verlassen, sind in neue Städte gezogen, manchmal auch in neue Länder, mit neuen Wohnungen, neuen Professoren – das sind sehr viele neue Eindrücke, die auf unserem Blog geteilt werden können. Nicht alle haben die Möglichkeit, solche Erfahrungen zu machen, und unsere Doktoranden können das alles hier reinpacken. Vielleicht ist einer der Leser doch in ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation, dann kann er zum Beispiel mit unseren Teilnehmern Kontakt aufnehmen und ihnen Fragen stellen. So etwas gab es bisher noch in keiner PhD Schule und zeigt die Innovationskraft unseres Projekts. Die Neuartigkeit hat auch die EU erkannt und daher hat sie uns die Subventionen zugesichert.

Studiengang European Joint Doctorate Food Science

Foto: European Joint Doctorate in Food Science

Können Sie uns etwas über Ihre aktuellen Forschungsfelder erzählen?

Jonas Trummer: Alle acht von uns haben unterschiedliche Themen. Ich beschäftige mich mit der Beurteilung innovativer Rohstoffe, die sich zur Herstellung von qualitativ hochwertigem Malz und Bier eignen. Das bietet sehr viele Möglichkeiten, auf die man sich fokussieren kann.

Dr. Aleksander Poreda: Vielleicht zwei kurze Sätze vorweg. Der Leitgedanke, der über allem steht, ist: Wie erhöhe ich Bierstabilität? Bierstabilität ist aktuell ein ganz heißes Thema in der Bierwelt. Das haben wir auf die acht Teilnehmer zu verteilen versucht. Jonas ist auf der ersten Stufe und untersucht Rohstoffe an sich. Der Nächste untersucht die Produktion von Malz, und so geht es schrittweise immer mehr ins Detail. Ein weiteres großes Aufgabengebiet ist die Fermentation und wie mithilfe der Hefen die Bierstabilität gesteigert werden kann. Der andere Teil der Doktoranden untersucht, wie die Bierstabilität gemessen werden kann. Im Großen und Ganzen kann es in zwei Gruppen unterteilt werden: Die eine Hälfte untersucht, wie mit neuartigen Rohstoffen und Hefen die Bierstabilität gesteigert werden kann, die andere Hälfte untersucht, welche Vorgänge ablaufen und wie diese festgehalten werden können. Aber das ist alles nur ein sehr allgemein gehaltener Überblick, damit wollte ich Ihnen nur zeigen, wie die Forschung aufgeteilt ist.

Nun zum Abschluss, Herr Dr. Aleksander Poreda: Was war Ihr persönlicher Weg zum Bier?

Dr. Aleksander Poreda: Ich denke, wie bei allen von uns. Eines Tages ist es passiert, es war Liebe auf den ersten Blick. Spaß beiseite, ich habe mit Lebensmitteltechnologie begonnen, da war ich jedoch noch nicht in dem Bereich Brauwesen unterwegs, sondern beschäftigte mich mit Kohlenhydraten. Aber meine Praktika während des Studiums hatte ich bereits in verschiedenen Brauereien absolviert, und die speziellen Technologien haben mich von Anfang an fasziniert, auch ohne dass ich mich darauf spezialisiert hatte. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, habe ich in der Industrie für ein Jahr in einem Fleischzulieferbetrieb gearbeitet. Danach hatte ich beschlossen, wieder zurück an die Universität zu gehen, und bin in der Abteilung für Fermentation gelandet. Nach meiner Promotion 2006 habe ich mich dann ausschließlich auf Brauwesen und Biertechnologie in der Lehre und Forschung beschränkt. Durch meine Tätigkeiten im Ausland wurde ich auch Teil der Brewers of Europe. Schon recht bald darauf folgend habe ich mich dann um dieses Projekt bemüht.

Sie haben also das Brauwesen an die University of Agriculture in Krakau gebracht?

Dr. Aleksander Poreda: Ja, in dieser Form bestimmt. Aber es gab schon länger Kurse und Potenzial.

Vielen Dank, Dr. Aleksander Poreda und Jonas Trummer für die spannenden Einblicke in diese neue PhD Schule für Brauwesen und Mälzereitechnologie. Wir werden auf dem Blog verfolgen, wie es weiter verlaufen wird. Wir wünschen viel Erfolg für die Zukunft!

Wie läuft die Brauausbildung in Deutschland? Prof. Martin Krottenthaler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gibt Auskunft.

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