Quo vadis Ökotrophologie?

24. November 2017

Aktuelle Studien- und Ausbildungslandschaft in der Ernährungswissenschaft

Eine Dipl.-Ökotrophologin (Univ.), eine Dipl.-Ökotrophologin (FH), drei Ökotrophologinnen B. Sc. (Bachelor of Science) sowie zwei Ernährungswissenschaftlerinnen M. Sc. (Master of Science) mit vorher abgeschlossenem Ökotrophologie B. Sc. Sieben Kolleginnen mit ernährungswissenschaftlichem Hintergrund, die in unterschiedlichen Jahrgängen an fünf verschiedenen Standorten studiert haben und drei leicht variierende Titel tragen. Allein ein Querschnitt durch unsere Agentur zeigt die Vielfalt der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaften in Deutschland.

Die Ökotrophologie hat eine lange Tradition

1951 wurde das erste Institut für Ernährungswissenschaften in Gießen gegründet und in den 1960er-Jahren der erste Studiengang „Haushalts- und Ernährungswissenschaften“ in Deutschland eingerichtet. Das Magazin Der Spiegel berichtete in der Ausgabe 44/1968 von dem Studiengang Ökotrophologie, den zu diesem Zeitpunkt 133 Studentinnen und zehn Studenten absolvierten, um sich nach dem Abschluss Diplom-Ökotrophologe zu nennen. Die damalige Professorin Helga Schmucker gab an, dass die Diplomanden vor allem an Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen, aber auch in Ministerien, Betrieben und Forschungsstätten eine bunte Vielfalt von Aufgaben und Möglichkeiten erwarte, die nur aufgegriffen werden müssten.

Dr. Elvira Krebs, Geschäftsführerin des BerufsVerbands der Ökotrophologie e.V. (VDOE)

Foto: VDOE/ lichtblick-bonn.de,

Recht sollte sie behalten. Für Ökotrophologen und Ernährungswissenschaftler gibt es immer mehr zu tun. „Das Angebot und die Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren vervielfältigt. Es sind viele neue Arbeitsgebiete hinzugekommen“, berichtet Dr. Elvira Krebs, Geschäftsführerin des BerufsVerbands der Ökotrophologie e.V. (VDOE). „Haben Ökotrophologen in der Anfangsphase vor allem im öffentlichen Dienst, an Hochschulen, bei Krankenkassen oder der Landwirtschaftsverwaltung gearbeitet, sind diese Bereiche heute nicht mehr ihre primären Tätigkeitsbereiche. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben in der Lebensmittelbranche, sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa, ist unser Berufsbild interessant für Unternehmen geworden. Die Bereiche Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung werden immer dominanter, und so erschließen sich für uns unzählige neue Arbeitsfelder. Viele Unternehmen stellen bevorzugt Ökotrophologen für diese Positionen ein, da sie breit aufgestellt und vielseitig einsetzbar sind.“ Das ist es, was Ökotrophologen auszeichnet: Neben ihrem Wissen im Bereich Lebensmittelrecht bringen sie wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen im Marketing und Personalmanagement mit.

Helga Keil, Praxisreferentin im Fachbereich Ökotrophologie der Hochschule Fulda

Foto: HS-Fulda/Nicole Dietzel

Dies bestätigt auch Helga Keil, Praxisreferentin im Fachbereich Ökotrophologie der Hochschule Fulda: „Ökotrophologen sind vielfältig interessiert, kommunikativ und besitzen durch ihr umfassendes Wissen das hohe Gut, in vielen Bereichen handeln zu können. Dadurch können sie an verschiedenen Schnittstellen agieren und kommunizieren.“ Dies haben laut Keil mittlerweile auch die Unternehmen, vor allem kleine und mittelständische, entdeckt. Sie schätzen diese Vielseitigkeit und setzen Ökotrophologen gerne an Schnittstellen wie im Qualitätsmanagement in Verbindung mit den angrenzenden Bereichen Qualitätssicherung und Produktentwicklung ein. Auch im Produktmanagement, bei dem es wichtig ist, mit anderen Fachabteilungen zu kommunizieren und verschiedene Blickwinkel einnehmen zu können, arbeiten immer mehr Ökotrophologen. „Nachhaltigkeit ist und bleibt dabei nach wie vor ein wichtiges Thema, immer mit Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette, vom Acker bis zum Teller“, meint die Praxisreferentin. Sie sieht für Absolvierende der Ökotrophologie auch Wachstumsbereiche in der Sensorik sowie in der Dienstleistungs- und Versorgungsbranche.

Das Thema Ernährung steht im Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit. Ob Superfoods, Diäten, TV-Kochshows, neue Ernährungsformen oder vegane Produktinnovationen, die Welt der Ernährung ist vielfältig und scheinbar unendlich. Da ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren neben dem klassischen Studium der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaft viele weitere Studiengänge mit unterschiedlichen Spezialisierungen entstanden sind. Sie greifen Trends auf und sind aufgefordert, den schnellen Schritt der Gesellschaft mitzuhalten und am Puls der Zeit zu bleiben. Wer nach einem ernährungswissenschaftlichen Studiengang sucht, stößt heute auf unterschiedliche Bezeichnungen wie Food Science, Public Health Nutrition, International Food Business and Consumer Studies oder Vegan Food Management.

Ein Überblick der Ausbildungslandschaft

Studiengänge im Bereich der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaften sind über gesamt Deutschland und nahezu in jedem Bundesland vertreten – von Kiel im Norden bis München-Freising im Süden. Die Grundlagenmodule der unterschiedlichen Studiengänge sind in den meisten Fällen ähnlich. Hier werden zunächst Grundlagen in den Naturwissenschaften und je nach Ausrichtung des Studiengangs ebenso Kenntnisse in den Wirtschafts- sowie Sozialwissenschaften vermittelt. Die Studierenden haben häufig im Vertiefungsstudium die Möglichkeit, aus zahlreichen Modulen zu wählen und so ihre eigenen Schwerpunkte, beispielsweise im Bereich Lebensmittelrecht oder Ernährungsmedizin, zu setzen. Insbesondere die angebotenen Master-Studiengänge bieten Studierenden nach ihrem Bachelor-Abschluss die Möglichkeit, sich weiter und individueller zu spezialisieren. Darüber hinaus zeichnet die Studiengänge häufig eine praxisnahe Ausbildung durch Laborarbeiten, Praktika sowie Projektarbeiten aus. Ebenso wie die Ausbildung sind auch die möglichen Tätigkeitsfelder von Absolvierenden im Anschluss an das Studium breit gefächert.

Bücherstapel mit ernährungswissenschaftlichen Themen für Ökotrophologie

Das Studienangebot wächst zudem weiter und wird, angepasst an die Bedürfnisse des Marktes, spezifischer. So gibt es einen Studiengang, der sich auf die vegane Lebensmittelbranche spezialisiert, sowie Studiengänge mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit wie Sustainable Food Systems oder Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft. In Kulmbach wird außerdem voraussichtlich ab dem Wintersemester 2019 der neue „Life Sciences Campus Kulmbach – Food & Health“ (Universität Bayreuth) an den Start gehen. Zukunftsfelder werden dort unter anderem Urban Farming, Gesundheitsaspekte von sozialen Medien und Big Data sowie Ökobilanzierungen und Nachhaltigkeit von Lebensmittelproduktion bis Konsum sein.

Machen diese neuen Studiengänge den Klassikern Konkurrenz? Dr. Elvira Krebs sieht das nicht so: „Wir sehen die Studiengänge als Ganzes, da die Inhalte ähnlich sind. Natürlich gibt es Abweichungen bei den verschiedenen Schwerpunkten, aber bei der Wahl der Arbeitsplätze gibt es kaum Unterschiede.“ Der Erhalt des Begriffs „Ökotrophologie“ ist ihr jedoch wichtig, da er nicht nur den Bereich Ernährung, sondern auch Verpflegung, Versorgung und die Haushaltswissenschaften umfasst. Die Zukunft der Ökotrophologen sieht Krebs positiv, unabhängig davon, mit welchem Schwerpunkt das Studium abgeschlossen wird: „Ich bin mir sicher, dass der Arbeitsmarkt für uns weiter wachsen wird. Ernährungsmitbedingte Erkrankungen nehmen weiter zu und das Thema Ernährung steht im Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit. Der Bereich der Außer-Haus-Verpflegung wächst, und gerade in Kindertagesstätten, Schulen oder Seniorenheimen entwickeln sich zunehmend weitere Arbeitsfelder, die von Ökotrophologen besetzt werden können. Immer mehr Krankenhäuser und Kliniken beschäftigen Ökotrophologen in der Ernährungstherapie oder auch als Leiter ganzer Ernährungsteams. Unikliniken bieten ein ideales Arbeitsumfeld: Hier lassen sich wissenschaftliches Arbeiten und der alltägliche Klinikbetrieb verknüpfen. Aber auch der Bereich PR mit spezialisierten Fachpersonen gewinnt zunehmend an Bedeutung.“

Bücherstapel mit ernährungswissenschaftlichen Themen für Ökotrophologie

Dass sich der Markt positiv entwickelt, sieht der VDOE auch in den Stellenangeboten. Die Zahl der Stellenangebote, in denen explizit nach Ökotrophologen bzw. Ernährungswissenschaftlern gesucht wird, ist von 2015 auf 2016 um 40 Prozent gestiegen. Eine Spezialisierung der verschiedenen Studiengänge ist also durchaus berechtigt, und es ist sinnvoll, dass sich mit dem veränderten Bewusstsein unserer Gesellschaft auch die Studiengänge weiterentwickeln und Experten auf den Weg bringen, die auf die Herausforderungen der Ernährungslandschaft der Zukunft vorbereitet sind.

Hier finden Sie eine Auswahl der Bachelor- und Master-Studiengänge mit ernährungswissenschaftlichem Hintergrund, ihren inhaltlichen Schwerpunkten und den möglichen Berufsfeldern sowie eine Deutschlandkarte, auf der die Studienorte eingetragen sind.

Wie sieht eigentlich die Ausbildungslandschaft der Ernährungswissenschaften in anderen Ländern aus? Beim PR-Netzwerk Treffen 2017 in Amsterdam haben wir uns angeschaut, wie bei unseren Nachbarn so abläuft.

 

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