Pack ma’s: Warum für uns als Agentur Verbände zum Netzwerk dazugehören

2. November 2017

Jeder Deutsche ist Mitglied in durchschnittlich drei Verbänden.  Kein Wunder, denn Deutschland ist bekannt für seine „Vereinsmeierei“, und auch wir als Food-PR-Agentur machen da keine Ausnahme und sind Mitglied in unterschiedlichen Verbänden. Mit 15.749 Verbänden in Deutschland, die vom Deutschen Verbände Forum in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement e.V. (DGVM) gezählt werden, erreicht die Anzahl 2017 einen neuen Höchststand.  1990 waren es erst 10.148. Die DGVM teilt die Verbände in fünf Handlungsfelder ein. Ungefähr die Hälfte aller Verbände widmet sich den Themen Arbeit und Wirtschaft, gefolgt von Gesundheit und Soziales mit 20 Prozent, danach kommen die Bereiche Gesellschaft und Politik mit ca. elf Prozent und Bildung und Wissenschaft mit ca. zehn Prozent. Das Schlusslicht bildet das Handlungsfeld Freizeit und Kultur, obwohl Deutschlands größter Verein hierzu zählt. Mit 27.000.000 Mitgliedern (in 90.000 Turn- und Sportvereinen der 95 Mitgliedsorganisationen) ist der Deutsche Olympische Sportbund Spitzenreiter. Gewerkschaften, Kirchen und Parteien sind bei diesem Ranking nicht aufgeführt.

Portrait von Sebastian B. Priller mit Zitat

Foto: Fotowerbung Bernhard, Manfred Bernhard

Von den Gilden zu den Verbänden

Doch woher kommt der Verbandshype, und wo liegen die Ursprünge dessen, dass sich Personen mit gemeinsamen Interessen zur Verfolgung gemeinsamer Ziele zusammenschließen, wie es in der Definition des Begriffs „Verband“ heißt? Spulen wir einige Jahre in der Geschichte zurück, genauer gesagt bis ins Mittelalter.
Zünfte, Gilden und Stände gelten als Vorreiter der Verbände, jedoch waren es Zwangsverbände mit geborenen Mitgliedern, die neue Mitglieder nur nach strengen Aufnahme- und Auswahlkriterien zuließen. Sie machten Bewohner erst zu Stadtbürgern mit eigenständigen Rechten. „Unstandesgemäß“ zu sein, bedeutete einen Ausschluss vom Bürgerrecht.   Die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft ist auch heute noch ein großes Alleinstellungsmerkmal von Verbänden. Bei Kammern für Gewerbe und Freie Berufe besteht zum Beispiel eine gesetzliche Pflichtmitgliedschaft. Ein besonderer Meilenstein in der Geschichte ist die Zeit nach 1800. Damals schwappte eine Welle von Vereinsgründungen von England nach Westeuropa. Die Palette der Vereine reichte von Bildungsvereinen, Sittlichkeitsvereinen und Sparvereinen bis zu Schützen- und Feuerwehrvereinen.

Portrait von Jürgen Reimannmit Zitat

Foto: backaldrin

Die Interessen, einen Verband zu gründen, waren eher privater Natur. Die damaligen Polizeigesetze unterdrückten die Gründung öffentlicher und politischer Vereine. 1848 bildeten sich Vorläufer der Berufsverbände beziehungsweise Gewerkschaften. Die Zigarrenarbeiter und Buchdrucker begannen, sich zu organisieren. Bis 1890 wurden die Gewerkschaften unterdrückt. Erst danach konnten sie auch überregional aktiv werden. Industrielle aus den Bereichen Eisen, Stahl und Textil gründeten schon früh Fachgruppen und Verbände, um ihre berufspolitischen Interessen durchzusetzen. Mit dem Erlass des bis heute bestehenden Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) haben die Verbände eine feste rechtliche Basis. Ein Beispiel für einen traditionsreichen Verband aus dieser Zeit ist die Caritas, die 1897 gegründet wurde, heute mehr als 600.000 Menschen beschäftigt und von rund einer halben Million Freiwilliger und Ehrenamtlicher unterstützt wird. Die zahlreichen, tief greifenden politischen Begebenheiten in Deutschland während des gesamten 20. Jahrhunderts wie die beiden Weltkriege, die Gründung der DDR und der Fall der Mauer beeinflussten auch maßgeblich das Vereinsgeschehen. In der ehemaligen DDR beispielsweise war es den Menschen durch die Kontrolle der SED nicht möglich, spontan eigene Vereine, Bürgerinitiativen oder Bürgerrechtsgruppen zu gründen. Ein Tatbestand, der nach der Wiedervereinigung nicht mehr haltbar war und mit der zuvor erwähnten Popularität der Verbände seit 1990 einhergeht.

Portrait von Uwe Bischiff mit Zitat

Foto: Foto Meffert

Sichtbar dank Verbandsarbeit

Verbände stehen in Deutschland für Vielfalt, und es gibt wohl nichts, wofür es nicht eine organisierte Gruppe gibt – und ich möchte jetzt hier keine Klischees von Hasenzucht aufbringen (der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter vertritt übrigens 160.000 Züchter). Die ersten Berührungspunkte mit einem Verein und Verband gab es bei uns klassischerweise beim Sport und im Bereich Soziales. Ob Turnen, Leichtathletik und Trampolin oder Engagement in Form von Zeltlagerbetreuung – wir waren und sind im Verein. Später kamen dann die beruflichen Interessen dazu – ganz klar bei uns der Fokus auf Lebensmittel und Getränke.

Doch warum engagieren wir uns in Verbänden, was treibt uns an? Zum Beispiel damit sich folgende Erlebnisse von Sandra Ganzenmüller nicht wiederholen: „Oecotrophologie? Was ist das bitte, eine Ausbildung zum Bioexperten?“ Solche und ähnliche Fragen habe ich mir in meiner Bewerbungsphase direkt nach Beendigung meines Studiums an der TU München-Weihenstephan sehr oft anhören müssen. Einmal wurde ich sogar nur deshalb zum Vorstellungsgespräch eingeladen, weil die Ansprechpartner neugierig waren, was man im Studium an Inhalten vermittelt bekommt und wo man danach einsetzbar ist. Explizite Stellenausschreibungen gab es in den 1990er-Jahren für uns Oecotrophologen kaum. Das war für mich der wichtigste Grund, dem BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE) beizutreten. Nur wenn dieser eine gewisse Größe hat, kann er schlagkräftig berufspolitisch agieren und damit den Bekanntheitsgrad eines Berufsbildes steigern. Und das war und ist mir bis heute sehr wichtig. Der Verband hat in den letzten 20 Jahren Großartiges geleistet. Heute stutzt fast keiner mehr, wenn man sich vorstellt, und Oecotrophologen werden von den Medien als Experten in Ernährungsfragen geschätzt. Darauf bin ich stolz. Eine ähnliche Entwicklung begleite ich bei den Biersommeliers derzeit. Als Mitglied des Präsidiums in der Funktion der Pressesprecherin habe ich das feste Ziel im Blick, dass wir in ein paar Jahren ein Berufsverband sind, und erste Stellenanzeigen in jüngster Zeit mit Begeisterung gelesen, in denen Unternehmen nach Biersommeliers gesucht haben.“

Portrait von Gabi Freitag-Ziegler mit Zitat

Foto: Claudia Feichtner, Fotoatelier Herff

Einsatz mit Herzblut

Bekanntheitsgrad und Sichtbarkeit in der öffentlichen Wahrnehmung liegen uns als PRlern natürlich besonders am Herzen. Im Verband wird unsere Kernkompetenz sehr geschätzt. So ist Candy Sierks aktives Mitglied im PR-Netzwerk des VDOs und organisiert das jährliche Treffen, zuletzt in München, mit. „Im Verband schließen sich die zusammen, die gemeinsame Interessen und Ziele haben. Beste Voraussetzung für ein starkes Netzwerk, in dem man Gleichgesinnte trifft. Ob im PR-Netzwerk des VDOE, wo wir uns gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen und uns wertvolle Tipps geben, oder beim Verband der Biersommeliers, wo alle nach dem gleichen streben: Bierkultur und –vielfalt fördern und sich stetig weiterbilden. Für mich sind Verbände wie ein riesengroßer Freundeskreis, in dem man sich um ein ganz bestimmtes Thema kümmert und dabei gegenseitig unterstützt.“

Portrait von Christoph Kämpf mit Zitat

Foto: Fotowerbung Bernhard, Manfred Bernhard

Für den Verband der Diätassistenten (VDD) bin ich in der Fachgruppe Marketing aktiv – wo auch sonst?! Eine Facebookkampagne zur Bewerbung des 60. Verbandsjubiläums sowie eine Adventsaktion mit einem Blog – Schritt für Schritt gehen wir mehr in die Öffentlichkeit. Es macht mir persönlich große Freude, mit anzupacken, meine Expertise einzusetzen und gemeinsam etwas für den Berufsstand zu erreichen. Was Verbandsarbeit bedeutet, bringt meine Fachgruppenkollegin Katharina Stapel auf den Punkt: „Ein Verband schafft eine Plattform für Menschen, die nicht nur Visionen haben, sondern sie auch umsetzen wollen. Die Dinge nicht einfach hinnehmen wollen, sondern die Realität aktiv mit gestalten wollen. Ehrenamt nutzt aber nicht nur dem Verband in seinen Zielen, sondern eben auch der Allgemeinheit. Dafür machen wir das.“ Besser hätten wir es nicht ausdrücken können, daher unser Appell – den Status von Mitglied zum aktiven Mitglied zu verschieben.

Portrait von Katharina Stapel mit Zitat

Foto: Katharina Stapel

Im Netzwerk aktiv

„Wenn schon, denn schon“ ist unser Motto bei unseren Verbandstätigkeiten, denn wir sehen klare Vorteile in diesem Tun. Ob es um die qualifizierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten geht, um die Sicherung des Berufsfeldes, die aktuelle Informationsvermittlung oder berufspolitische Anliegen, hier sind die Verbände die richtigen Ansprechpartner. Zudem sind es der Austausch mit Kollegen, das Netzwerken und auch die Förderung des Nachwuchses, für die sich Verbände stark machen. Als branchenprägende Agentur ist es für uns ein Muss, durch gemeinsames Engagement unser Berufsbild zu gestalten, uns einzusetzen und damit auch einen kleinen Beitrag zur Gesamtwahrnehmung des Bereichs Essen und Trinken zu leisten. Natürlich trinken wir, wie das so klischeemäßig beim Thema Vereine und Verbände dazugehört, auch mal ein Bier zusammen und stoßen auf eine glänzende Zukunft der Verbandsarbeit in Deutschland an.

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