Sie rockt den Sudkessel

6. April 2017

„Wenn man bedenkt: Ich bin 36, Ami und eine Frau. Und ich kann sagen: Ich habe es in die bayerische Bierbranche geschafft.“ Kirsten Rhein ist eine ziemlich mutige Powerfrau, die längst in der Bierbranche angekommen ist. Man kennt sie dort, die Frau mit dem markanten amerikanischen Akzent, die so gerne gutes Bier trinkt. Jetzt macht sie bei Doemens eine traditionelle Brauerausbildung. Wir haben sie an ihrer Arbeitsstätte, einer Tölzer Brauerei, besucht, denn wir fragten uns: Was hat sie vor?

Warum zur Hölle willst du Brauerin werden, Kirsten?

Kirste2017-04_xx_reportagepur_kirsten_kellern war 19, als sie lernte, dass Bier gut schmeckt. Damals arbeitete sie in ihrer Heimat, den USA, als Studentin in einer Bar mit 2.000 verschiedenen Sorten Bier. „Das war illegal, denn ich war in den USA minderjährig.“ Das klingt nach einem ziemlich spannenden Erstkontakt zu Bier. Kirsten war auch direkt vom Bierfieber angesteckt. 2006 kam sie nach Deutschland, machte Karriere als Export-Consultant für die Bierbranche und arbeitete für namhafte Brauereien wie Schneider Weisse. Doch sie will mehr, näher an das Bier heran. „Alles, was ich immer wollte: mich auf Bier fixieren.“ Daher macht sie seit August bei Doemens den Brau- und Malzmeister. Parallel arbeitet sie bei der Tölzer Mühlfeldbrauerei und organisierte schon einen Collaboration Brew mit einer Brauerei aus den USA – für die Tölzer Brauerei eine ziemlich coole Sache.

Verliebt in Bad Tölz

Nur wenn man Kirsten kennt, kann man sich erklären, was sie dazu bewegt, als 36-Jährige noch einmal die Schulbank zu drücken. Ihr Trumpf ist ihr enormes, disziplinübergreifendes Wissen um die Zukunft der Branche. Denn während ihrer Zeit als Consultant hat sie die Bierbranche aus der Vogelperspektive gesehen. Sie hat ein ziemlich gutes Gefühl entwickelt, was funktionieren wird, und sie hat das Aufkommen des Craftbieres mitbekommen, hier und in Amerika. Die Unterschiede kann sie benennen, denn sie kennt beide Biermärkte. In Summe verschafft dies Kirsten eine enorme Expertise – und das weiß sie; darin sieht sie ihre Zukunft. Und außerdem will sie endlich selber brauen lernen.

 

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Und wieso ausgerechnet good old Bayern?

Zugegeben, Bayern hat immer etwas von einem „Stammtisch-Ruf“. Irgendwie klebt das Reinheitsgebot noch sehr an den Zapfhähnen, nirgends wurde Selbiges im letzten Jahr so eisern verteidigt wie hierzulande. Kirsten aber weiß: Bayerisches Bier ist im Ausland beliebt wie nie. Außerdem hat sie auch persönliche Gründe, Bayern zu mögen: „In Bayern, in München, habe ich volle Unterstützung erfahren. Menschen wie Georg Schneider habe ich viel zu verdanken und ich konnte viele gute Erfahrungen machen.“ Und wie leicht ist es, sich an Bayerns Braukesseln durchsetzen? Leicht ist das überhaupt nicht, gibt Kirsten zu. Vorurteile, Sexismus, Zweifel schlagen ihr regelmäßig entgegen. Für sie ist es „hardcore“, noch einmal eine Brauerausbildung zu machen, denn sie weiß: In der Praxis läuft vieles anders als in der Lehre. Dass sie sich mit voller Leidenschaft ihrer Ausbildung widmet, zeigt auch die Tatsache, dass sie sich diese komplett selbst finanziert, denn als Ausländerin bekommt sie, anders als ihre Kommilitonen, vom Staat keinen Zuschuss.

 

Bier macht Spaß

Kirsten hat Erfahrung. Kirsten hat einen Plan. Kirsten hat Kontakte. Kirsten hat einen starken Willen. Und nicht zuletzt: Kirsten ist ziemlich gut aussehend. „Bier soll Spaß machen“, ist ihr Credo. Momentan macht ihr das Bier in Bad Tölz ziemlich viel Spaß. Was soll da denn bitte schiefgehen? Wir sind uns sicher: You will rock that Sudkessel, Kirsten!

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