Quo vadis Ökotrophologie? Die aktuelle Ausbildungslandschaft in der Ernährungswissenschaft

Was bedeutet Ökotrophologie? An welchen Hochschulen kann man Ökotrophologie studieren? Und was hat das mit uns als Agentur zu tun? All diesen Fragen sind wir in unserem Beitrag nachgegangen.

03.06.2026

| Lesezeit: 5 Min.

In unserer Agentur weisen einige Kolleginnen einen ernährungswissenschaftlichen Abschluss auf. Der genaue Titel und die Standorte variieren jedoch. Allein ein Querschnitt durch unsere Agentur zeigt die Vielfalt der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaften in Deutschland.

Was bedeutet Ökotrophologie?

Der Begriff Ökotrophologie stammt aus dem Altgriechischen (oikos „Haus“, trophe „Ernährung“) und bedeutet so viel wie Lehre der Haushalts- und Ernährungswissenschaften. Übrigens ist die Schreibweise des Begriffs nicht einheitlich, sodass auch oftmals von Oecotrophologie zu lesen ist.

Die Ökotrophologie hat eine lange Tradition

1951 wurde das erste Institut für Ernährungswissenschaften in Gießen gegründet und in den 1960er-Jahren der erste Studiengang „Haushalts- und Ernährungswissenschaften“ in Deutschland eingerichtet. Das Magazin Der Spiegel berichtete in der Ausgabe 44/1968 von dem Studiengang Ökotrophologie, den zu diesem Zeitpunkt 133 Studentinnen und zehn Studenten absolvierten, um sich nach dem Abschluss Diplom-Ökotrophologe zu nennen. Die damalige Professorin Helga Schmucker gab an, dass die Diplomanden vor allem an Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen, aber auch in Ministerien, Betrieben und Forschungsstätten eine bunte Vielfalt von Aufgaben und Möglichkeiten erwarte, die nur aufgegriffen werden müssten.

Recht sollte sie behalten. Für Ökotrophologen und Ernährungswissenschaftler gibt es immer mehr zu tun. Aufgrund der Vielfältigkeit des Studiums sind Ökotrophologen in vielen Berufsfeldern und Unternehmen sehr gefragt. Mögliche Arbeitsfelder können sein: Hochschulen, Krankenkassen, lebensmittelproduzierende Unternehmen (z. B. in den Bereichen Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung, Marketing, Produktentwicklung und -management, Sensorik…), Großhaushaltsküchen, Hauswirtschaftsmanagement, Verbraucherberatung, Ernährungsberatung oder -therapie, Pharmaindustrie oder Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Überblick der Ausbildungslandschaft 

Das Thema Ernährung steht im Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit. Ob Superfoods, Diäten, TV-Kochshows, neue Ernährungsformen oder vegane Produktinnovationen: Die Welt der Ernährung ist vielfältig und scheinbar unendlich. Da ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren neben dem klassischen Studium der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaft, egal ob an Universität, Fachhochschule oder im Fernstudium, viele weitere Studiengänge mit unterschiedlichen Spezialisierungen entstanden sind. Sie greifen Trends auf und sind aufgefordert, mit dem schnellen Schritt der Gesellschaft mitzuhalten und am Puls der Zeit zu bleiben. Wer nach einem ernährungswissenschaftlichen Studiengang sucht, stößt heute auf unterschiedliche Bezeichnungen wie Food Quality and Safety, Ernährung und Verbraucherbildung, Nachhaltige Ernährungswirtschaft, Life Sciences Ernährungswissenschaft, Ernährungsmedizin und Diätetik, Bewegung und Gesundheit, Nachhaltige Ernährungswirtschaft, Food Chain Environments, Diätetik oder Public Health Nutrition.

Ökotrophologie: Studierende beim Lernen
© unsplash

Studiengänge im Bereich der Ökotrophologie und Ernährungswissenschaften sind über gesamt Deutschland und nahezu in jedem Bundesland vertreten – von Kiel im Norden bis München-Freising im Süden. Die grundlegenden Module der unterschiedlichen Studiengänge sind in den meisten Fällen ähnlich. Hier werden zunächst Grundlagen in den Naturwissenschaften und je nach Ausrichtung des Studiengangs ebenso Kenntnisse in den Wirtschafts- sowie Sozialwissenschaften vermittelt. Die Studierenden haben häufig im Vertiefungsstudium die Möglichkeit, aus zahlreichen Modulen zu wählen und so ihre eigenen Schwerpunkte, beispielsweise im Bereich Lebensmittelrecht oder Ernährungsmedizin, zu setzen. Insbesondere die angebotenen Master-Studiengänge bieten Studierenden nach ihrem Bachelor-Abschluss die Möglichkeit, sich weiter und individueller zu spezialisieren. Darüber hinaus zeichnet die Studiengänge häufig eine praxisnahe Ausbildung durch Laborarbeiten, Praktika sowie Projektarbeiten aus. Ebenso wie die Ausbildung sind auch die möglichen Tätigkeitsfelder von Absolvierenden im Anschluss an das Studium breit gefächert.

Das Studienangebot wächst zudem weiter und wird, angepasst an die Bedürfnisse des Marktes, spezifischer. So gibt es einen Studiengang, der sich auf die vegane Lebensmittelbranche spezialisiert, sowie Studiengänge mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit wie Sustainable Food Systems oder Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft. Am „Life Sciences Campus Kulmbach – Food & Health“ (Universität Bayreuth) beschäftigt man sich mit Zukunftsfeldern wie Urban Farming, Gesundheitsaspekten von sozialen Medien und Big Data sowie Ökobilanzierungen und Nachhaltigkeit von Lebensmittelproduktion bis Konsum.

Das wachsende Studienangebot, die Zunahme von ernährungsabhängigen Krankheiten sowie der Fokus auf Ernährung und Gesundheit in der Öffentlichkeit und vor allem auf Social-Media-Kanälen zeigen, wie gefragt ein solches Ökotrophologie-Studium ist und wie bunt der Strauß an Berufsmöglichkeiten ist.


Eine der bekanntesten Ernährungswissenschaftlerinnen Deutschlands ist wohl Dr. Alexa Iwan. Die studierte Ökotrophologin ist aufgrund ihres Wissens als Expertin im TV, als Moderatorin sowie als Fürsprecherin für Unternehmen viel gefragt. Wer mehr über ihren Werdegang lesen möchte, kann dies hier nachlesen.


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