Zusammen am Tisch: Im Gespräch mit Biersommelière Nicola Buchner

2024 habe ich meine Ausbildung zur Biersommelière bei der Doemens Akademie abgeschlossen und bin in den Verband der Biersommeliers eingetreten. Schon während des Kurses spürte ich: Hinter jedem Bier steckt eine Geschichte und oft eine Person, die diese Leidenschaft lebt. Deshalb wollte ich unbedingt mit Nicola Buchner sprechen, der Geschäftsführerin des Verbands der Biersommeliers, um mehr über die Menschen in der Szene, ihre Motivation und ihre Vision für die Bierkultur zu erfahren.

20.03.2026

| Lesezeit: 8 Min.

Der Verband vernetzt Biersommelièren und Biersommeliers, fördert ihre fachliche und persönliche Entwicklung und setzt sich dafür ein, Bier als hochwertiges Genussmittel zu positionieren. In einer Branche, die sich ständig wandelt, ist der Verband zugleich Netzwerk, Impulsgeber und Bewahrer der Leidenschaft für Bier.

Im Gespräch erzählt Nicola Buchner von ihrem Weg, ihrer Begeisterung für Bier und davon, wie der Funke dieser Leidenschaft auf viele andere überspringen kann.

Wie bist du zum Bier und zur Biersommelier-Szene gekommen?

Nicola Buchner: Eigentlich durch pure Überzeugung. Ich habe Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan studiert. Eines Tages hatte ich einfach diese Idee, und die hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe mich gar nicht groß informiert, sondern einfach gemacht. Mit jedem Semester wurde ich sicherer, dass es genau das Richtige ist. Nach dem Studium bin ich zu Doemens gegangen, wo ich vorher schon Praktika gemacht hatte. Dort wurde ein Referent für die Biersommelier-Ausbildung gesucht und das war für mich ein echter No-Brainer. Rückblickend habe ich verstanden, warum mich dieses Studium so überzeugt hatte: Diese Verbindung aus Wissenschaft, Sensorik und Kommunikation. Das war genau mein Ding.

Was hat dich dazu bewegt, Verantwortung im Verband der Biersommeliers zu übernehmen?

Nicola Buchner: Die Stelle wurde damals neu geschaffen, weil der Verband stark gewachsen ist. Es gab es viele neue Absolventinnen und Absolventen, viele neue Mitglieder, da brauchte es mehr Struktur. Ich war damals schon sieben Jahre bei Doemens tätig und fand die Idee großartig, für den Verband zu arbeiten. Einerseits, weil man die Absolventen wiedertrifft, man verbringt zwei intensive Wochen im Kurs miteinander und sagt dann: „Wir sehen uns bei der Jahreshauptversammlung.“ Und plötzlich wird daraus ein echtes Netzwerk. Andererseits hat mich gereizt, für die Gesamtheit zu arbeiten. Nicht nur für eine Marke oder eine Brauerei, sondern für das gesamte Spielfeld. Für einen Verein etwas aufzubauen, gemeinsam mit der Branche etwas zu bewegen, das begeistert mich bis heute.

Wie würdest du die Mission und Vision des Verbands zusammenfassen?

Nicola Buchner: Im Kern geht es darum einen Funken weiterzutragen – die Begeisterung für Bier. Und darum, dass die Gemeinschaft des Verbandes jedes Mitglied dabei unterstützt, Bier erlebbar zu machen und Biergenussmomente schaffen zu können. Was uns verbindet, ist dieser emotionale Zugang. Jeder und jede hat seinen eigenen Weg zum Bier, den eigenen Funken. Die Vision ist, diesen Funken am Leben zu halten, immer wieder neu zu entfachen und nach außen zu tragen. Das schafft man am besten, wenn man sich dafür gemeinsam einsetzt.

Unsere Mission ist es, dafür Räume zu schaffen: durch Veranstaltungen, Netzwerkmöglichkeiten, Unterstützung im Beruflichen wie im Emotionalen. Und ganz klar auch nach außen zu kommunizieren, dass Bier ein wertiges Genussmittel ist und dass die Rolle der Biersommeliers und Biersommelièren gestärkt und sichtbar gemacht wird.

Was macht einen „guten“ Biersommelier deiner Meinung nach aus?

Nicola Buchner: Für mich sind zwei Dinge zentral. Erstens: die Auseinandersetzung mit der eigenen Sensorik. Man muss wissen, wie man wahrnimmt, das reflektieren können und es in Worte fassen. Ich nenne das gern eine Art „bieremotionale Intelligenz“. Also zu erkennen, was ein Bier ausdrücken will, was der Braumeister oder die Braumeisterin dahinter beabsichtigt hat und das verständlich weiterzugeben.

Und zweitens: Leidenschaft. Kann man ein guter Biersommelier bzw. eine gute Biersommelière ohne Begeisterung sein? Ich kann es mir kaum vorstellen. Diese innere Überzeugung ist wichtig. Und ebenso wichtig sind Respekt und Wertschätzung gegenüber jedem Bier und gegenüber den Menschen, die es brauen.

Nicola Buchner: Ein großer Trend ist natürlich alkoholfreies Bier. Für mich ist das einfach ein weiterer Bierstil. Das Wesen des Bieres hängt nicht am Alkohol. Es gibt mittlerweile großartige alkoholfreie Varianten und als Biersommelier und Biersommelière kann man hier unglaublich viel entdecken und vermitteln.

Außerdem sehe ich einen Trend zum bewussten Genuss: weniger Alltagskonsum, aber auch mehr Qualität, mehr Regionalität, mehr Wertschätzung. Menschen sind bereit, für besondere Biere mehr Geld auszugeben, wenn die Qualität stimmt.

Natürlich sind viele auch verunsichert, weil Brauereien schließen und der Absatz sinkt. Das tut weh. Aber gerade jetzt braucht es Biersommeliers und Biersommelièren, die kommunizieren, erklären und Mut machen. Bier gibt es seit Tausenden von Jahren. Ich glaube nicht, dass es plötzlich verschwindet. Unsere Aufgabe ist es, zu zeigen, warum Bier begeistert und warum es wert ist, geschätzt zu werden.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen für den Verband?

Nicola Buchner: Die größte Herausforderung ist, den Mitgliedern klarzumachen: Nur weil der Bierabsatz sinkt, heißt das nicht, dass die Zeit für Bier vorbei ist. Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Gerade jetzt ist es wichtig, zusammenzuhalten und aktiv zu kommunizieren. Der Verband kann Orientierung geben und zeigen, dass es weiterhin eine starke Gemeinschaft gibt.

Gibt es ein Erlebnis, das deine Leidenschaft für Bier besonders geprägt hat?

Nicola Buchner: Ja, eine Brauereibesichtigung kurz vor dem Abitur. Diese großen Stahltanks, die Technik, die Wissenschaft und gleichzeitig etwas so Alltägliches und Emotionales wie Bier. Diese Mischung hat mich total fasziniert. Ich finde es toll, wenn etwas, das jeder kennt und zu dem jeder eine Meinung hat, plötzlich eine tiefe wissenschaftliche Erklärung bekommt.

Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft der Bierkultur und den Verband?

Nicola Buchner: Ich wünsche mir, dass dieser Funke nicht verloren geht. Dass Menschen sich ihre Begeisterung nicht nehmen lassen – nicht durch negative Nachrichten, nicht durch Pessimismus. Und ich wünsche mir Zusammenhalt. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern miteinander. Wenn wir gemeinsam für Bier einstehen, können wir unglaublich viel bewegen.


Lust auf ein weiteres spannendes Interview? Wir haben uns mit Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI), über die Zukunft der Spirituosenbranche unterhalten.


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