Fünf Begriffe, eine gemeinsame Haltung
Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv setzen jeweils andere Schwerpunkte – von Gemütlichkeit und bewusstem Genuss bis hin zu Balance, Pausen und Zeit in der Natur. Ein kurzer Blick auf ihre Bedeutung zeigt, was genau hinter den Begriffen steckt.
| Begriff | Herkunft | Was steckt dahinter? |
| Hygge | Dänemark | Hygge steht für Gemütlichkeit, Wärme und das bewusste Genießen schöner Momente. Ob beim gemeinsamen Essen, bei einem Gespräch mit Freunden oder bei einem entspannten Abend zu Hause: Im Mittelpunkt steht das gute Gefühl des Zusammenseins. Ein ähnliches Konzept gibt es auch in Norwegen: Koselig, das eine eigene norwegische Prägung hat. |
| Mysig | Schweden | Mysig beschreibt etwas Angenehmes, Gemütliches und Wohltuendes. Es geht um die kleinen Situationen, in denen man sich einfach wohlfühlt – ganz ohne großen Aufwand. |
| Lagom | Schweden | Lagom lässt sich sinngemäß mit „genau richtig“ übersetzen, also weder zu viel noch zu wenig. Der Begriff steht für Ausgewogenheit, Maßhalten und die Idee, dass mehr nicht automatisch besser ist. |
| Fika | Schweden | Fika bezeichnet eine bewusste Pause, die meist mit Kaffee und einer Kleinigkeit zu essen verbracht wird – häufig gemeinsam mit anderen. Dabei steht nicht das Getränk im Mittelpunkt, sondern die bewusste Unterbrechung und der Austausch. |
| Friluftsliv | Norwegen | Der Begriff Friluftsliv bedeutet wörtlich „Freiluftleben“ und beschreibt die bewusste Zeit in der Natur. Es muss dabei weder sportlich noch besonders spektakulär sein: Ein Spaziergang, eine Wanderung oder einfach Zeit draußen gehören genauso dazu. |
Was wir von Skandinavien mitnehmen können
Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv sind mehr als nur schöne Begriffe für gemütliche Abende, Kaffeepausen oder Zeit in der Natur. Sie geben uns Denkanstöße, wie wir bewusster mit unserer Zeit, unseren Bedürfnissen und miteinander umgehen können. Das lässt sich sowohl ins Privat- als auch ins Berufsleben übertragen.
Im Privatleben bedeutet das: bewusster genießen, das richtige Maß finden und rausgehen.
Hygge und Mysig erinnern uns daran, kleine Momente bewusst wahrzunehmen. Ein gemeinsames Essen, ein Kaffee mit Freunden, ein gemütlicher Abend zu Hause oder ein Spaziergang müssen nicht zwischen all den vermeintlich wichtigeren Aufgaben stattfinden. Sie dürfen selbst zum festen Bestandteil des Alltags werden. Dabei geht es weniger um die perfekte Wohlfühlatmosphäre als um die bewusste Entscheidung, einen Moment nicht einfach nebenbei verstreichen zu lassen.
Lagom ergänzt diesen Gedanken um eine weitere Perspektive: Es muss nicht immer mehr sein. Weniger Termine, bewusster Konsum, nicht jedem Trend hinterherlaufen und auch einmal „gut genug“ gelten lassen – all das kann helfen, den eigenen Alltag ausgewogener zu gestalten. Friluftsliv wiederum lenkt den Blick nach draußen: Zeit in der Natur zu verbringen, frische Luft zu schnappen oder sich auch bei weniger perfektem Wetter auf den Weg zu machen, kann ein einfacher Ausgleich zum oft hektischen Alltag sein. Zusammen ergeben die drei Konzepte eine Haltung, die sich vielleicht auf eine einfache Frage herunterbrechen lässt: Was tut mir gut und was brauche ich dafür wirklich?
Im Berufsleben bedeutet das: Pausen und Balance ernst nehmen!
Auch im Arbeitsalltag können wir uns einiges abschauen. Das schwedische „Fika” steht beispielhaft dafür, Pausen bewusst zu nehmen und als Teil eines guten Arbeitstages zu verstehen. Ein gemeinsamer Kaffee, ein Gespräch abseits des aktuellen Projekts oder ein kurzer Spaziergang schaffen Abstand und geben neue Energie. Gerade in kreativen Berufen, in denen Konzentration und Ideen gefragt sind, muss nicht jede Minute produktiv sein.
Auch das Konzept Lagom lässt sich auf die Arbeitswelt übertragen: Nicht jedes Projekt muss maximal schnell abgeschlossen und jede Aufgabe sofort erledigt werden. Wer langfristig gute Arbeit leisten möchte, braucht neben Engagement auch Erholung, klare Grenzen und Raum für Kreativität. Balance bedeutet dabei nicht, weniger ambitioniert zu sein, sondern die eigenen Ressourcen so einzusetzen, dass gute Arbeit auch langfristig möglich bleibt.
Ein bisschen mehr Skandinavien für den Alltag
Ein bisschen Hygge und Co. lässt sich ganz unkompliziert in den Alltag holen. Wir haben für dich eine kleine Checkliste vorbereitet. Wie viele Punkte kannst du abhaken?
| ☐ | Ich nehme mir Zeit für eine echte Pause, ohne nebenbei E-Mails zu checken oder die nächste Aufgabe zu planen. |
| ☐ | Ich genieße kleine Momente bewusst – einen Kaffee, ein gutes Essen, Musik oder einen gemütlichen Abend. |
| ☐ | Ich verbringe regelmäßig Zeit mit anderen und nehme mir die Zeit für Gespräche, gemeinsames Essen oder einfach ein gutes Zusammensein. |
| ☐ | Ich bin gerne draußen. Auch dann, wenn das Wetter nicht perfekt ist. |
| ☐ | Ich frage mich ab und zu: Was ist eigentlich genug? Bei Terminen, Konsum, Arbeit und den eigenen Ansprüchen. |
| ☐ | Ich erlaube mir, nicht alles perfekt zu machen. |
| ☐ | Ich schaffe mir bewusst Zeit ohne To-do-Liste – einfach zum Abschalten und Durchatmen. |
| ☐ | Ich achte auf meine Balance und darauf, dass Arbeit nicht dauerhaft den gesamten Alltag bestimmt. |
0–2 Häkchen: Da geht noch was!
3–5 Häkchen: Ein bisschen Skandinavien ist schon dabei.
6–8 Häkchen: Hygge, Lagom und Co. scheinen bei dir bereits angekommen zu sein.
Wie verändern neue Gewohnheiten, Social Media und Nachhaltigkeit unsere Esskultur? In unserem Beitrag „Wie sich unsere Esskultur wandelt“ werfen wir einen Blick auf aktuelle Entwicklungen und die Unterschiede zwischen den Generationen.