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Vor(aus)denker: Fünf Frauen, die ihrer Zeit voraus waren

Als leidenschaftliche Kommunikationsexperten für food, beverages und lifestyle denken wir stets einen Schritt weiter. Wir beobachten, kommunizieren, blicken in die Zukunft und schöpfen aus unserem langjährigen Erfahrungsschatz. Unser Jahresmotto für 2022 lautet daher „Vor(aus)denker“. In unserer monatlichen Branchentreff-Kolumne beleuchten wir verschiedene Aspekte rund um dieses Thema für euch. Heute: Ihrer Zeit voraus – Frauen in der Wissenschaft.

Ob aus Not, Neugier oder Experimentierfreude – Vor(aus)denker nutzen jede Situation, um ihren Einfallsreichtum sinnvoll umzusetzen. Sie erkennen aktuelle Probleme, mögliche Entwicklungen oder künftige Trends und sind immer einen Schritt voraus. Manchmal vielleicht sogar ein paar Schritte zu viel, wenn sie ihrer Zeit zu weit voraus sind. Vorausdenken heißt, den Grundstein zu legen für weitere Erfindungen, wenn dann schließlich die Zeit reif dafür ist. Auch wenn es heißt, dafür keinen Erfolg zu ernten. Viele unserer alltäglichsten Dinge haben einen langen Werdegang hinter sich, mit Höhen und Tiefen. Und oft wissen wir nicht mal, wem wir diesen praktischen Alltagsgegenstand zu verdanken haben. Daher stellen wir euch ein paar Vor(aus)denkerINNEN vor. Frauen, die durch ihre Kreativität und ihr vorausschauendes Denken viele Bereiche unseres Lebens revolutioniert haben.

Mary Anderson (1866-1953): Erfinderin des Scheibenwischers

Könntet ihr euch Autofahren ohne Scheibenwischer vorstellen? Bei Regen oder Schnee die reinste Horrorvorstellung! Tatsächlich war das aber Anfang des 20. Jahrhunderts völlig normal. Wer weiß, wie es heute noch wäre, wenn Mary Anderson damals nicht den ersten funktionierenden Scheibenwischer erfunden hätte. Zu Beginn der 1900er-Jahre besuchte sie im Winter New York. Dort fiel ihr ein Straßenbahnfahrer auf, der mit seinen Händen Schnee und Eis von der Windschutzscheibe entfernte, damit er wieder was sehen konnte. Angetrieben davon, diese Situation zu verbessern, skizzierte sie ein handbetriebenes Gerät, das bei Bedarf betätigt werden konnte. Genauer gesagt war es ein gefederter Schwingarm mit Gummiblatt, der auf der Windschutzscheibe befestigt war. In Lenkradnähe gab es dafür einen Hebel. Dieser Schwingarm kehrte nach Betätigung wieder in seine Ausgangsposition zurück. Von diesem Entwurf ließ sie ein Modell bauen, das funktionierte. Tatsächlich gab es auch schon andere, aber es war der erste Scheibenwischer, der wirklich funktionierte. 1903 bekam sie dafür ein Patent. Leider war sie ihrer Zeit zu weit voraus, denn niemand wollte das Gerät aufgrund mangelnden Handelswertes produzieren. Und sie versuchte es nicht weiter. 1920 lief ihr Patent aus, Autos wurden keine Seltenheit mehr und schon bald gehörte der Scheibenwischer zur Serienausstattung. Ihr Prinzip des Schwingarms nutzen wir heute noch.

Käthe Paulus (1868-1935): Erfinderin des Paketfallschirms

Seid ihr schon mal mit einem Fallschirm gesprungen? Falls ja, hattet ihr es bestimmt mit einem Paketfallschirm zu tun. Im 19. Jahrhundert waren aber noch Wickelfallschirme üblich. Die waren nicht allzu zuverlässig. Und so geschah es, dass Käthe Paulus erleben musste, wie ihr Verlobter in den Tod stürzte. Sein Fallschirm hatte sich nicht richtig entfaltet. Aber der Reihe nach. Alles fing an, als sie 1889 den Fallschirmspringer Hermann Lattermann kennen und lieben lernte. Er brachte ihr das Ballonfahren und Fallschirmspringen bei. Ein paar Jahre später sprang sie sogar selbst aus 1200 m Höhe und war damit die erste deutsche Fallschirmspringerin. Kurz darauf kam es zu dem tragischen Unfall. Um das nicht noch mal erleben zu müssen, erfand sie den zusammenlegbaren Paketfallschirm. Davon produzierte sie 7.000 Stück für das Preußische Kriegsministerium und rettete das Leben vieler Ballonaufklärer. Mit ihrer Erfindung legte sie den Grundstein für die heute noch gebräuchlichen Paketfallschirme. Bekannt ist sie übrigens ebenfalls als die Luftakrobatin Miss Polly – ihr zweites Standbein nach dem Tod ihres Verlobten.

Mária Telkes (1900-1995): Die Sonnenkönigin

Als der Klimawandel und die Energiewende noch lange kein Thema waren, forschte die Biophysikerin Mária Telkes bereits zur Sonnenenergie und war ihrer Zeit deutlich voraus. Geboren wurde sie in Budapest, wo sie später physikalische Chemie studierte und 1924 promovierte. Anschließend wanderte sie in die USA aus und fing bei der Cleveland Clinic Foundation als Biophysikerin an. Die Faszination für die Sonnenenergie begleitete sie auch dann, als sie 1945 Dozentin am MIT wurde. Dort entwickelte sie wenig später ihre berühmteste Erfindung: das Dover Sun House. Es war das erste durch Solarenergie beheizte Haus. Das Dover Sun House kam zwar ohne Solarzellen (die gab es damals noch nicht) aus, aber aufgrund der speziellen Bauweise benötigte man keine Heizung. Das passive Solarenergiekonzept war einzigartig. Mit Natriumsulfat sollte die Wärme des Sonnenlichts gespeichert und nach und nach abgegeben werden. Die Sonnenheizung hielt leider nur ein paar Jahre, aber trotzdem hatte Mária Telkes schon damals vorausgedacht und gezeigt, dass man durchaus Sonnenenergie verwenden kann. Heute ist das keine Seltenheit mehr und noch dazu ein topaktuelles Thema.

Estée Lauder (1906-2004): Mit Cremes zur Selfmade-Milliardärin

Diese Vor(aus)denkerin führt uns in die Wissenschaft der Kosmetik. Josephine Ester Mentzer, wie sie eigentlich hieß, wurde in eher ärmlichen Verhältnissen in New York geboren. Ihr Onkel war Apotheker und Chemiker und entwickelte eigene Salben. Das weckte ihr Interesse und sie begann, ihrem Onkel im Labor zu assistieren und eigene Cremes, Öle und Düfte zu entwickeln. Kurze Zeit später heiratete sie ihren künftigen Geschäftspartner Joseph Lauter. Um ihre Produkte an die Frau zu bringen, verteilte sie auf öffentlichen Plätzen kostenlose Produktproben – eine neue Marketingidee war geboren. 1944 eröffnete sie ihr eigenes Geschäft und führte ihren Marketing-Trick dort fort: Jede Kundin bekam eine Gratis-Probe zum Einkauf dazu. Damals neu, heute weit verbreitet. 1946 gründete sie schließlich die Marke „Estée Lauder“, die schnell weltweit bekannt wurde. In den 70er-Jahren gab es ihre Produkte bereits in über 70 Ländern, in den 80ern machte sie zwei Milliarden Dollar Umsatz. Mit 10.000 Angestellten führte sie eines der größten Kosmetikunternehmen in den USA. Als einzige Frau schaffte sie es auf die TIME Magazin-Liste der einflussreichsten Unternehmer des 20. Jahrhunderts.

Marion Donovan (1917-1998): Die Windel-Revolutionärin

Es sind schon meist die eigenen Probleme, die uns zum Vor(aus)denken bringen. So war es auch bei Marion Donovan. Als sie Mutter wurde und mit auslaufenden Windeln zu kämpfen hatte, beschloss sie, das Wickeln neu zu erfinden. Und so entstand die erste Wegwerfwindel. 1946 nähte sie aus einem Duschvorhang eine Windelhose, die über die eigentliche Stoffwindel gestülpt wurde. Wenig später wechselte sie zu Fallschirm-Nylon; die Windelhose ließ sich mit Druckknöpfen verschließen. 1949 feierte sie ihre ersten Verkaufserfolge in New York und ließ ihre Erfindung patentieren. Doch sie arbeitete bereits an einer neuen Variante: einer Wegwerfwindel aus Papier. Dafür suchte sie nach einer stark saugfähigen Papiersorte, die so Windelausschlag verhindern konnte. Ihre neue Windel stellte sie mehreren Papierfabriken in den USA vor, die allerdings den Sinn hinter solch einer Papierwindel nicht sahen. Übrigens kam zehn Jahre später doch noch eine Papierwindel auf den Markt, aber nicht von Marion Donovan, sondern von Victor Mills. Und diese ist bis heute bekannt: die Pampers.


Ihr denkt auch stets einen Schritt weiter? Dann lest hier noch mehr über unser Jahresmotto Vor(aus)denker, zum Beispiel „Gut geplant, ist halb gekocht“.


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Datum: 22.04.2022



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