Vor(aus)denker: Über Astrologie und den Einfluss von Horoskopen

19. August 2022

Als leidenschaftliche Kommunikationsexperten für food, beverages und lifestyle denken wir stets einen Schritt weiter. Wir beobachten, kommunizieren, blicken in die Zukunft und schöpfen aus unserem langjährigen Erfahrungsschatz. Unser Jahresmotto für 2022 lautet daher „Vor(aus)denker“. In unserer monatlichen Branchentreff-Kolumne beleuchten wir verschiedene Aspekte rund um dieses Thema für euch. Heute: Über Astrologie und den Einfluss von Horoskopen.

Keiner will sie gelesen haben

Wenn man sich beim Arzt oder Friseur zur Horoskop-Seite in den bunten Magazinen durchgearbeitet hat und sich in das eigene vertieft, erntet man oft einen verwunderten Blick. In Sachen Horoskope gibt es eigentlich nur zwei Einstellungen. Es gibt die glühend Begeisterten, also diejenigen, die keine Gelegenheit auslassen, ihre Tages-, Wochen- oder Jahreshoroskope zu lesen und so vorauszudenken. Und natürlich gibt es die Gegenpartei, für die das alles blanker Unfug ist. Statista ist der Frage nachgegangen, wie hoch die Glaubwürdigkeit von Horoskopen bei der Bevölkerung ist, und hat Ende 2021 zusammen mit YouGov online nachgefragt. Die Hälfte der Befragten ab 55 Jahren glaubt nicht an Vorhersagen aus Horoskopen. Erstaunlicherweise zeigt sich bei der Jugend ein anderes Bild. Gut 61 Prozent der 18- bis 24-Jährigen vertrauen Horoskopen und glauben an den Blick in die nahe Zukunft. Wenn es nun so viele gibt, die nicht in Horoskope vertrauen, warum veröffentlichen so viele Medien diese dann? Online kann sehr gut nachvollzogen werden, dass sie zu den meistgelesenen Artikeln gehören. So veröffentlicht beispielsweise die WELT in ihrem Lifestyle- und Modemagazin ICONIST jeweils zu Wochenbeginn und vor dem Wochenende ein Horoskop und bestätigt, dass es regelmäßig zu den meistgelesenen Artikeln an diesen Tagen gehört. Also haben sie doch eine gewisse Anziehung und in uns steckt der Wunsch, ein wenig in die Zukunft vorauszudenken. Vielleicht ist ja ein Aspekt drin, der passen könnte, der einen weiter- oder zum Nachdenken bringt. Auch wer nicht daran glaubt, kann sich dem Nervenkitzel nicht entziehen, obwohl sie oder er sich nach dem Lesen erneut bestätigt fühlt, dass es eigentlich vertane Zeit war.

Horoskope: Hype oder Nischen-Phänomen?

Ganz eindeutige Antwort: Aktuell ist ein deutlicher Hype zu erkennen. Neben den gedruckten Voraussagen im medialen Blätterwald zeigt sich die Begeisterung vor allem durch Apps wie beispielsweise „The Pattern“. Nicht weiter verwunderlich, wenn man noch im Hinterkopf hat, dass sich gerade die jüngere Generation begeistert in die Welt der Voraussagen und Sternbilder stürzt. Der Hype zieht sogar noch größere Kreise; so gibt es Dating-Apps, die passende Paare aufgrund von Sternzeichen verkuppeln, Astrologie-Podcasts und Aktienempfehlungen, die auf Sternzeichen gründen. Sicherlich Extreme, denn der normale Durchschnittsnutzer von Horoskopen beschränkt sich auf den reinen Konsum von allgemeingültigen Horoskopen oder lässt sich vielleicht auch einmal ein Geburtshoroskop von einem gelernten Astrologen erstellen und erklären.

Vulgärhoroskope treffen irgendwie immer ins Schwarze

Was keiner so richtig weiß, ist, dass die in der Presse erscheinenden Horoskope offiziell als Vulgärhoroskope tituliert werden. Um diese zu schreiben, kann man sogar einen Schreibkurs belegen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es sich bei diesen Horoskopen nicht um auf astrologischen Grundlagen basierende Horoskope handelt, denn „(…) sie beschränken sich nur auf das Sonnenzeichen, also das Sternzeichen. Seriöse Astrologie bezieht auch die Geburtszeit und den Geburtsort der Person mit ein. Presse-Horoskope sehen nur nach der Tendenz, die ein Sonnenzeichen aufweist“, erklärt Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin Katja Furthmann gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Aber genau das macht auch ihren Reiz aus, denn sie sind so geschrieben, dass sie irgendwie doch immer einen Stich beim Lesenden landen. Die geschilderten Veränderungen, die zu erwartenden Ereignisse sind meist so vielfältig geschrieben, dass man mit ein wenig Interpretation stets eine Parallele zum eigenen Leben ziehen kann. Auch stellen sich Geschehnisse wie das Treffen der ganz großen Liebe bald ein, aber was bedeutet schon bald? Das ist ein dehnbarer Begriff, von dem man kein Gegenteil beweisen kann, das kann morgen, in einer Woche oder in drei Jahren passieren. Eine weitere Auffälligkeit findet der genaue Betrachter in der häufigen Verwendung von Gegensätzen. Hier wird ein so großer Bogen aufgespannt, dass man sich irgendwie und irgendwo als Leser darunter einfinden und die Aussage als auf sich zutreffend bewerten kann.

Also nüchtern betrachtet, sind die überall zu lesenden Horoskope nicht als bierernste Sache zu bewerten, aber ehrlich gesagt, schadet es, sie zu lesen? Nein, denn unterhaltsam ist es allemal und aufgrund der doch meist positiven und aufmunternden Formulierung versetzt es einen für kurze Zeit in ein wohliges Gefühl. Und auch ehrlich gesagt, man hat es wenige Minuten nach Beenden der Lektüre bereits wieder vergessen. Oder kann noch jemand zitieren, was in seinem letztgelesenen Horoskop vorausgedacht wurde?

Ihr denkt auch stets einen Schritt weiter? Dann lest hier noch mehr über unser Jahresmotto Vor(aus)denker, zum Beispiel, was sich hinter dem Begriff TED Talks verbirgt.

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