Brotkrümel: „Müsli ist gesünder als Brot“

13.02.2020

| Lesezeit: 3 Min.

Als Oecotrophologin und Brot-Sommelière nehme ich in unserer Kolumne Brotkrümel Ernährungsmythen über Brot unter die Lupe.

Das Brot hat es schwer. Trends wie Low Carb und glutenfrei haben ihre Spuren hinterlassen. Statt zur Scheibe Brot greifen viele nun zur Müslipackung. Ist ja auch gesünder. Oder?

Müsli ist der Innbegriff des gesunden Lebensmittels. Und das ist schon so, seit der Schweizer Arzt Maximilian Oskar Bircher-Benner es um 1900 rum erfunden hat. Damals nannte sich das Ganze noch Apfeldiätspeise oder einfach kurz „d Spys“. Mit dem, was heute so im Regal mit den farbenfrohen Müslipackungen steht, hatte sie freilich nicht allzu viel gemein. Zumal man sie ursprünglich zum Abendessen löffelte und nicht zum Frühstück. Beim original Bircher-Müsli handelte es sich um in Wasser eingeweichte Haferflocken mit einem Schuss Kondensmilch, einem Spritzer Zitronensaft und einem geraspelten Apfel. Geriebene Nüsse drüber, fertig war die Spys. Nun war Herr Bircher-Benner Arzt und nicht gerade ein findiger Geschäftsmann, jedenfalls hat er sich sein Müsli nie patentieren oder als Markennamen schützen lassen. Was uns zu bereits erwähnter heutiger Vielfalt im Supermarkt führt. Dort wimmelt es von Müslimischungen unterschiedlichster Couleur, häufig mit einem überproportional hohen Anteil an Rosinen – denn die sind süß und billig, das Phänomen kennt man ja auch vom Studentenfutter. Und weil das Originalmüsli und alles, was sich nah daran anlehnt, eben doch sehr … naja, eben „gesund“ schmeckt, haben findigere Geschäftsmänner, als Herr Bircher es war, das Knuspermüsli erfunden. Das ist im Geschmack dem Gaumen der breiten Masse deutlich zuträglicher, da es eine Extraportion Zucker enthält und in der Regel in Fett ausgebacken wird. Da stehen natürlich besonders die Kinder drauf, und die Eltern sind erleichtert, dass sie ihren Sprösslingen ein schnelles und „gesundes“ Frühstück servieren können. Generell erfreuen sich allerlei schokoladige und süße Bestandteile in Müslimischungen großer Beliebtheit und sorgen zum Teil für so hohe Fett- und Zuckeranteile, dass es angebrachter wäre, von einer Süßigkeit zu sprechen als von einer ausgewogenen, gesunden Mahlzeit. Und ohne das Müsli im Sinne des Erfinders verunglimpfen zu wollen: dann doch lieber eine Scheibe Brot. Hinsichtlich der Nähr- und Ballaststoffe hat ein Vollkornbrot ohnehin genauso viel zu bieten wie Haferflocken.

Wer noch weitere Fragen rund um ernährungswissenschaftliche Aspekte im Hinblick auf Brot hat, die in der Kolumne mal besprochen werden sollten, kann diese gern an branchentreff@kommunikationpur.com schicken.

Dieser Beitrag erschien erstmalig im BÄKO-magazin.

Ist glutenfreies Brot eigentlich gesünder? Die Antwort findet ihr hier.

 

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