Genussmanager: Brot – Vom geliebten Lebensmittel Nr. 1 zum widersprüchlichen Genussmittel

26. Mai 2020

Als Ernährungsexperten und bekennende Foodies liegt uns Genuss besonders am Herzen. Als Jahresmotto haben wir uns 2020 „Genussmanager“ auf die Fahnen geschrieben. In unserer monatlichen Branchentreff-Kolumne beleuchten wir verschiedene Aspekte rund um dieses Thema für euch. Heute: Brot – Vom geliebten Lebensmittel Nr. 1 zum widersprüchlichen Genussmittel

Brot war noch bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts das Lebensmittel Nr. 1 hierzulande und eines, für das Deutschland als Brotnation mit der anerkannt größten Vielfalt auf der ganzen Welt bekannt ist. Im Mittelalter galt es als der Sattmacher schlechthin und war selbst noch einige Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg elementarer Bestandteil des Frühstücks und Abendessens der Deutschen. Wie wichtig Brot in unserer Esskultur ist oder besser gesagt war, spiegelt sich in Zitaten und Sprichwörtern wider. Bernd Kütscher alias der Brotexperte hat sie auf seinem Blog zusammengetragen und präsentiert eine ansehnliche Sammlung an Aussagen und Redewendungen rund um das Lebensmittel Nr. 1.

In den vergangenen Jahren ist das Ansehen des Brotes jedoch rasant gesunken. Das liegt nicht daran, dass wir nicht genug Auswahl an vielfältigen und handwerklich sehr gut gemachten Broten haben, sondern zu einem Großteil an den stetig wandelnden Konsum- und Ernährungsgewohnheiten der Deutschen. Die sich verändernde Arbeitswelt, die geprägt ist von flexiblen Arbeitszeiten, unterschiedlichen Einsatzorten und langen Anreisewegen, führt dazu, dass wir weniger feste Essenszeiten und -rituale zusammen mit der Familie pflegen (können), dass wir dort essen, wo wir gerade hungrig sind, und dass Brot sehr viel Konkurrenz auf dem Teller bekommen hat. Snacks & Co, neue Ernährungstrends und aufkommende Produktneuheiten, die uns neugierig machen, haben das vermeintlich langweilige, untrendige, belegte Brot vom Abendbrottisch verdrängt. Weiterhin verunsichern den Verbraucher viele Bücher und Artikel, in denen die Frage aufgeworfen wird, ob beispielsweise Weizenbrot ungesund ist, dick macht und zu allerlei Unpässlichkeiten führt. Oder ob Kohlenhydrate in der Ernährung ungesund sind und Brot damit vom Speiseplan gestrichen gehört.

Brot-Sommeliers: Botschafter im Auftrag des Brotes

Seit ein paar Jahren aber hat es sich eine stetig wachsende Gemeinschaft von Brotliebhabern zum Ziel gesetzt, Brot wieder die Wertigkeit und den Stellenwert im Speiseplan der Deutschen zu verschaffen, die es verdient hat. An der Akademie des deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim werden seit über fünf Jahren Brot-Sommeliers ausgebildet, die die Sprache des Brotes sprechen und Verbrauchern in Brotverkostungen und Genussseminaren die Geschmacksvielfalt der deutschen Brotkultur schmackhaft machen. Mit Erfolg: Brot ist wieder in aller Munde und erlebt ein Revival. Vielleicht (noch) nicht mengenmäßig, aber doch medial und in den Köpfen der Verbraucher. Es gab noch nie so viele Backkurse, wieder zum Leben erweckte Backhäuser und Brotbackbücher wie momentan. Jeder, der zu Hause selbst einmal Hand angelegt und sich am heimischen Backofen als Bäcker versucht hat, weiß, welch anstrengendes, aber zufriedenstellendes Handwerk die Bäckerkunst ist. Und wie glücklich einen eine Scheibe frisch gebackenen Brotes mit Butter machen kann, wie wunderbar es sich anhört, wenn sich das Messer durch die knusprige Kruste arbeitet und wie viele Aromen einem in die Nase steigen, wenn man an einem frischen Brot riecht. Ein einfaches Erlebnis, das viele Glückshormone freisetzt.

Feiertag des (Brot)Genusses: Tag des Deutschen Brotes

Auch der Bundesverband der deutschen Bäcker hat es sich zur Aufgabe gemacht, wieder auf die deutsche Brotkultur aufmerksam zu machen und daher vor sieben Jahren einen nationalen Brot-Feiertag ins Leben gerufen. Der Tag des Deutschen Brotes findet nun traditionell im Mai statt und soll die Deutschen an eines der wichtigsten Lebensmittel erinnern und eine Plattform für deutsche Bäcker bieten, über die Brotkultur, Brotvielfalt und das Handwerk sprechen zu können. Eine gute Sache finden wir. Der genaue Termin des Feiertages wird in jedem Jahr vom Verband neu festgelegt. Auch wenn es in diesem Jahr aufgrund der aktuellen Lage kein mediales Feuerwerk geben wird, keine Veranstaltungen beim Bäcker vor Ort möglich sind, können wir uns dennoch im Stillen zu Hause der deutschen Brotkultur widmen und dem traditionellen, klassischen Abendbrot mit der Familie zu neuem Glanz verhelfen.

Als Brotliebhaberin und Brot-Sommelière möchte ich gern mit einem altdeutschen Sprichwort meinen Appell an alle pro Brot beenden: Altes Brot ist nicht hart. Kein Brot: Das ist hart! In diesem Sinne: Schaut mal wieder bei eurem Bäcker vorbei und holt euch ein frisch gebackenes Brot.

Ihr seid auch solche Genießertypen wie wir? Dann lest hier noch mehr über unser Jahresmotto Genussmanager, zum Beispiel den Beitrag über Foodpairing – Speisen und Getränke clever kombiniert.

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