Total intolerant? Lebensmittelunverträglichkeiten im Überblick

12. Mai 2022

Gerade noch saß man beim gemütlichen Essen und hatte so richtig geschlemmt, da rumort es kurze Zeit später schon im Magen, der Bauch schmerzt. Der Grund dafür könnte eine Lebensmittelunverträglichkeit sein. Immer häufiger hört man mittlerweile den Satz „Nein danke, das kann ich nicht essen. Ich bin laktoseintolerant/vertrage kein Gluten/vertrage keine Fruktose.“

Laut Expertinnen und Experten liegen die Ursachen hierfür in unserer heutigen Ernährungsweise. Dazu zählen der gestiegene Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel, schädliche Umwelteinflüsse und ein hohes Maß an Stress. Wir wollen uns das Ganze einmal genauer anschauen …

Allergie oder Lebensmittelunverträglichkeit?

Zuerst einmal müssen wir jedoch unterscheiden, ob es sich um eine Allergie oder eine Lebensmittelunverträglichkeit handelt. Denn obwohl diese beiden Begriffe oft in einen Topf geworfen werden, sind sie doch grundverschieden.

Allergien werden durch Fremdstoffe ausgelöst. Wenn unser Körper mit einem dieser im Grunde ungefährlichen Fremdstoffe in Kontakt kommt, reagiert unser Immunsystem (immunologische Reaktion). Die Folgen reichen von einem leichten Brennen oder Jucken im Mundraum, über Schwellungen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.

Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit fehlen den Betroffenen bestimmte Enzyme, die im Normalfall Bestandteile unserer Nahrung abbauen oder in den Körper aufnehmen (z. B. Laktose, Fruktose oder Histamin). Unser Immunsystem ist hierbei also nicht involviert. Die Reaktionen unseres Körpers darauf reichen von Bauchschmerzen über Blähungen und Durchfall bis hin zu Kopfschmerzen und Rötungen der Haut.

Lebensmittelunverträglichkeit im Überblick

Fruktoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit)

Fruchtzucker ist in vielen verschiedenen Lebensmitteln zu finden, vor allem in Obst (insbesondere Trockenobst), Marmelade, Säften und Fertigprodukten, und steckt, gebunden an Glukose, auch in handelsüblichem Haushaltszucker. Über den Dünndarm nimmt der Körper Fruktose auf und schleust diese so in die Blutbahn. Ist diese Verbindung gestört, gelangt die Fruktose also nur unzureichend ins Blut, wird sie in den Dickdarm geleitet. Die dort natürlich vorkommenden Bakterien spalten den Zucker als Energielieferanten auf, wodurch Gase und Fettsäuren entstehen und für die typischen Symptome wie Blähungen und Durchfall sorgen.

>> Besteht der Verdacht auf eine Fruktoseintoleranz, sollte über einen längeren Zeitraum auf Fruchtzucker verzichtet bzw. er auf ein absolutes Minimum begrenzt werden. Lassen die Beschwerden nach, können nach und nach fruktosearme Lebensmittel wieder in den Speiseplan integriert und deren Menge anschließend langsam gesteigert werden. Gänzlich vermieden werden sollten fruktosehaltige Lebensmittel nicht, da sonst der Körper die Produktion der fruchtzuckertransportierenden Proteine vollständig einstellen würde. Ratsam ist generell das Hinzuziehen eines Arztes, einer Ärztin oder einer Ernährungsfachkraft.

Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Der Milchzucker Laktose ist ein sogenannter Zweifachzucker. Er besteht aus jeweils einem Galaktose- und einem Glukosebaustein und kommt, wie der Name schon sagt, vor allem in Milchprodukten, aber auch in Fertiggerichten und Soßen vor. Die Verbindung der Galaktose- und Glukosebausteine wird normalerweise durch das Enzym Laktase gespalten, woraufhin die einzelnen Zuckerbausteine vom Dünndarm aufgenommen werden können. Bei einer Laktoseintoleranz jedoch, ist die Produktion des Enzyms Laktase unzureichend oder gar nicht mehr vorhanden. Ist dies der Fall, gelangt die Laktose ungehindert in den Dickdarm, wo sie von Bakterien abgebaut wird. Die durch diesen Prozess entstehenden Gase können zu Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen oder Durchfall führen.

>> Vermutet man eine Laktoseintoleranz, sollte der Verzehr von stark milchzuckerhaltigen Lebensmitteln deutlich eingeschränkt werden. Mittlerweile gibt es auch viele pflanzliche Alternativen, die von Natur aus laktosefrei sind. Wer gar nicht auf Milchprodukte verzichten mag, greift besser auf lang gereifte Käsesorten und säuerliche Naturjoghurts zurück, da diese aufgrund ihrer bakteriellen Fermentierung sehr wenig bis keinen Milchzucker enthalten. Laktose wird zudem besser vertragen, wenn sie in kleinen Mengen über den Tag verteilt verzehrt wird. Sollte doch einmal der Verzehr größerer Mengen Laktose bevorstehen, kann vor oder zu Beginn des Essens das fehlende Enzym Laktase in Form von Tabletten oder Tropfen eingenommen werden. Auch hier sollte am besten eine beratende Fachkraft hinzugezogen werden.

Histaminunverträglichkeit

Histamin, ein sogenanntes Gewebshormon, dient im zentralen Nervensystem als Botenstoff (Neurotransmitter) und ist an vielen wichtigen Prozessen beteiligt. So steuert es den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Gedächtnis und die Lernfähigkeit und reguliert die Magensaftproduktion. Unser Körper kann Histamin selbst produzieren und wir nehmen es auch mit der Nahrung auf, z. B. durch den Verzehr von geräuchertem Fisch, Wurstwaren, Himbeeren oder Rotwein. Bei einer Histaminunverträglichkeit reagiert der Körper auf eine erhöhte Menge an Histamin, die er nicht richtig abbauen kann, mit Symptomen wie Juckreiz, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen und Hautausschlag.

>> Reagiert der Körper auf die oben genannten Lebensmittel mit Beschwerden, dann sollte zur Abklärung ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Da die Symptome, die bei einer Histaminunverträglichkeit auftreten, auch andere Ursachen (wie z.B. eine andere Nahrungsmittelunverträglichkeit) haben können, sollte man sehr genau beobachten, wann die Beschwerden auftauchen und gegebenenfalls ein Nahrungsmitteltagebuch führen. So lassen sich die möglichen Auslöser eingrenzen.

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

Die Unverträglichkeit gegenüber Gluten nimmt in unserer Liste eine Sonderstellung ein, da sie als einzige eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Umwelteinflüssen ist. Man bezeichnet sie daher auch eher als Autoimmunerkrankung. Bei Menschen, die an Zöliakie leiden, ist die Darmschleimhaut aufgrund des Klebereiweißes Gluten chronisch entzündet. Die normalerweise in vielen Falten geformte Oberfläche des Dünndarms verändert sich bei den Betroffenen, sodass sich die Falten zurückbilden. Es können aufgrund der geringeren Oberfläche des Darms nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufgenommen werden. Die Folgen können Durchfall, Bauchkrämpfe und Verstopfung sein.

>> Bei einer Zöliakie ist es unumgänglich, dass die betroffene Person eine strikte glutenfreie Ernährung einhält, da Gluten bereits in kleinsten Mengen zu schweren Schädigungen des Darms und somit zu einer Gefährdung der Gesundheit führen kann. Eine Begleitung durch eine ausgebildete Ernährungsfachkraft ist hier also unbedingt notwendig.

Sie sind auf der Suche nach Anregungen und Tipps für das Backen ohne Gluten? Dann haben wir in unserem Beitrag Glutenfrei Backen genau die richtigen Infos für Sie.

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