Polnische Küche, raffiniert interpretiert

Quetschgurken mit Räuchertofu-Walnuss-Creme, Knusperschalotten und Chili | Ziegenkäsepiroggen mit Honig und Majoran | Herbstlicher Sauerkraut-Bigos mit Butternusskürbis, Steinpilzen und Trauben | Schlesische Knödel mit Blumenkohl-Orangen-Creme, Sauerkraut und Buchweizen | Fleischlose Klopse mit krossem Rosenkohl, eingelegten Pfifferlingen und Tahinisauce | Gewürzkuchen mit Tomaten und Pflaumenmus | Gesalzener Apfelkuchen mit schnellem Braune-Butter-Eis …

17.10.2024

| Lesezeit: 6 Min.

Traditionelle Länderküche ist immer ein schöner Weg, etwas über ein Land und seine (Ess-)Kultur zu erfahren. Aber: Tradition schränkt auch ein, häufig bedeutet sie eine Reduktion auf heimische Zutaten und althergebrachte Zubereitungsmethoden. In unserer heutigen, globalisierten Welt wird aber in wenigen Ländern noch (ausschließlich) so gekocht. Längst sind Einflüsse aus aller Welt in unseren Kochtöpfen gelandet. Auch in denen von Blogger und Kochbuchautor Michał Korkosz. In seinem ersten Buch „Polen vegetarisch“ hat er sich noch an der traditionellen polnischen Küche orientiert. In seinem zweiten Buch „Frisch aus Polen“ lässt er sich von anderen Ländern und Aromen inspirieren und blieb seiner Heimatküche doch treu. Herausgekommen ist ein absolut lesens- und nachkochenswertes Werk und ein Must-have für weltoffene und neugierige Foodies.   

Polnische Küche als Basis – Aromen aus aller Welt als spannende Ergänzung

Michał Korkoszs Liebe zum Kochen, seine Leidenschaft und Kreativität sprühen aus jeder Seite seines neuen Buches. Beim Studieren der Rezepttitel kommt man aus dem Staunen nicht heraus. So hat man die polnische Küche noch nicht erlebt. Gleichzeitig erscheint alles stimmig und rund. Hinter dem Buch steht ein durchdachtes Konzept – und jede Menge Arbeit, Experimentieren und Probieren. „Frisch aus Polen“ ist in jederlei Hinsicht ein besonderes Kochbuch, das merkt man auch schon an der Kapiteleinteilung. Hier geht es nicht von der Vorspeise bis zum Dessert, sondern nach der Zubereitungsart.

Knödel sind typisch für die polnische Küche.
© Michał Korkosz

Zerquetscht, fermentiert und sogar verkohlt!

„Frisch aus Polen“ ist keine einfache Rezeptsammlung, auch wenn das völlig in Ordnung wäre. Dem Autor geht es aber um mehr, als dass seine Leserinnen und Leser seine Rezepte eins zu eins nachkochen. Er möchte ein tieferes Verständnis fürs Kochen und die zugrunde liegenden Zubereitungsarten schaffen. In zwölf Kapiteln erklärt er folgende Methoden und bietet dazu passende Rezepte:

Roh | Gekocht | Gedämpft | Püriert & Zerdrückt | Confiert | Gebacken & Geröstet | Angebrannt, Gegrillt & Angebraten | Gebraten & Sautiert | Frittiert | Aromatisiert & Gebräunt | Fermentiert & Eingemacht | Süßes

Wer aufmerksam liest, stolpert vermutlich über zwei Dinge. Erstens: Angebrannt?! Ja, tatsächlich, Zutaten bewusst etwas zu verkohlen kann – gewusst wie – tolle Raucharomen in ein Gericht bringen. Und zweitens: Süßes?! Zugegeben, das ist keine Zubereitungsmethode und fällt etwas aus der Reihe. Die Rezepte in dem Kapitel lassen aber schnell gnädig darüber hinwegsehen.

Polnische Küche individuell gestalten

Michał Korkoszs kleine Kochschule bietet noch ein weiteres Schmankerl, das es Experimentierfreudigen denkbar einfach macht: zwei Baukastensysteme, eins für Gulasch, eins für Pfannengerichte. Entlang vorgegebener Leitplanken trifft der Kochende selbst die Entscheidungen: Olivenöl oder Butter? Mit Knoblauch oder ohne? Mit diesen drei Gewürzkomponenten eher in die mediterrane Richtung oder mit jenen drei in die orientalische? Die Gemüsebasis aus Bohnen, Kichererbsen und Spinat oder doch lieber aus Austernpilzen und Weißkohl? Hier kann jeder nach Vorratsschrank und persönlicher Vorliebe wählen und gestalten.

Fleischlos glücklich

Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass „Frisch aus Polen“ genau wie Michał Korkoszs erstes Buch ausschließlich vegetarische Rezepte beinhaltet. Tatsächlich erscheint das aber völlig nebensächlich. An den Rezepten dürften auch hartgesottene Fleischliebhaber ihre Freude haben und rein gar nichts vermissen. 

k.pur empfiehlt – Polnische Küche at its Best

Von uns gibt es eine klare Empfehlung für das Buch, das uns sogar noch besser gefallen hat als der ebenfalls gelungene Vorgängertitel. Es ist zwar nicht unbedingt geeignet für absolute Kochanfänger, aber Foodies, die etwas Neues entdecken und spannende Zubereitungsmethoden und Geschmackskombinationen ausprobieren möchten, sind hier genau richtig. Etwas Zeit und Muße sollte man mitbringen. Denn hier geht es auch darum, das Kochen an sich zu zelebrieren.

Polnische Küche neu interpretiert: Gesalzener Szarlotka (Apfelkuchen)
© Michał Korkosz

Frisch aus Polen – Rote Bete und Harissa: Vegetarische polnische Küche mit überraschenden Zutaten. 248 Seiten, 19 x 25 cm, Hardcover. Stiebner Verlag, Oktober 2024. ISBN 978-3-8307-1080-6


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