Bloggende Ökotrophologinnen im Interview: Bettina Halbach

11. Oktober 2018

Ökotrophologin und Bloggerin Bettina HalbachAls spezialisierte Food-PR-Agentur mit einem Team aus Ernährungsexperten haben wir uns auf die Suche nach bloggenden Ökotrophologinnen gemacht, um mit ihnen über das Bloggen als Fachkraft, Hürden und Ängste und natürlich über ihren Blog selbst zu sprechen. Den Anfang macht Bettina Halbach mit ihrem Blog Urgesunde Ernährung und Naturmedizin. Bettina Halbach ist studierte Diplom-Ökotrophologin aus Bonn. Ihre Leidenschaft ist es, Gesundheitsthemen so zu vermitteln, dass jeder versteht, was gemeint ist. Sie ist daher als freie Journalistin, als Ernährungsexpertin für ARD, WDR und ZDF und als Referentin im Gesundheitswesen tätig. Und nun auch als Bloggerin.

Warum hast du dich entschieden, einen Blog zu machen?

Bettina Halbach: Ich bin fasziniert von der Digitalisierung und möchte mit von der Partie sein. Hinzu kommt, dass mir Social Media liegt. Eine statische Webseite wäre für mein Thema Vitamin B12 vernünftiger gewesen, aber mir persönlich viel zu langweilig. Ich suche bewusst die einzigartige Lebendigkeit von Social Media. Wobei ich von Anfang an keinen Blog im ursprünglichen Sinne führen wollte, also ein online geführtes und öffentlich zugängiges Tagebuch, sondern einen Blog mit laienverständlich aufbereiteten, ernährungswissenschaftlichen Themen.

Wie lange hat es von der ersten Idee bis zum tatsächlichen Online-Gang gedauert?

Bettina Halbach: Das ging innerhalb von vier Wochen: Mein Blog ging Ende April diesen Jahres online, mich dazu entschieden habe ich im März. Ursprünglich wollte ich noch schneller online sein, WordPress ist ja kein Hexenwerk. Für einen Blog kann ich mich heute entscheiden und morgen steht er. Doch das Thema Datenschutz für Blogger stellte sich dann komplexer als erwartet und zunächst als Hemmschuh heraus.

Worum geht es in deinem Blog, wen willst du damit erreichen, und was sind deine Ziele?

Bettina Halbach: Der Blog enthält ausschließlich informational content. Im Moment dreht sich alles um Vitamin B12: Für was braucht man Vitamin B12, wo ist Vitamin B12 enthalten, was ist Vitamin-B12-Mangel usw. Dabei ist das Blog-Thema urgesunde Ernährung und Naturmedizin bewusst weit gefasst. Neben Vitamin B12 plane ich einen Schritt-für-Schritt-Ausbau auf weitere Mikronährstoffe.

Mit „urgesund“ bringe ich zum Ausdruck, dass ich mich auf Ernährung mit Lebensmitteln aus unserem Lebensraum konzentriere: Auf Lebensmittel, die seit mehreren Jahrhunderten in Mitteleuropa auf den Tisch kommen und die uns vertraut sind.

Das Thema Vitamin B12 ist upcoming, und ich denke, dass die Nachfrage nach Informationen noch steigen wird. Immer mehr Menschen ernähren sich pflanzenbetont und verzichten damit ganz oder teilweise auf wichtige Vitamin-B12-Quellen aus der Nahrung: auf Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte sowie Eier. Sie laufen Gefahr, einen Vitamin-B12-Mangel zu entwickeln. Eine Rolle spielt auch der demografische Wandel: Wir werden immer älter, die Zahl der Best- und Silver-Ager wächst – und gerade die können aufgrund von Medikamenteneinnahme, nachlassender Resorptionskapazität Probleme mit ihrer Vitamin-B12-Versorgung bekommen und wollen wissen, wie sie sich dann helfen können.

Meine Zielgruppe sind Veganer, Vegetarier und Mischköstler, die sich aktiv um ihre Gesundheit kümmern. Personen, die unabhängige Informationen aus Expertenhand suchen. Die nach jemandem suchen, dem sie vertrauen können, und denen es um ihr Wohlbefinden im Alltag ebenso geht wie darum, Geld für Vitamin-B12-Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll auszugeben.

Zu den Lesern meines Blogs gehört der Hobbykoch, der bislang weder die Namen der Vitamin-B12-Formen kannte, noch wusste, dass die Qualität der Böden, auf denen unsere Haustiere weiden und von denen wir unser Getreide ernten, wichtig ist für unsere Nährstoffversorgung. Aber auch die Vegetarierin, die sich bereits gut mit Vitamin B12 auskennt und in meinem Blog dennoch weitergehende Informationen findet.

Hältst du es für wichtig, dass sich mehr Fachkräfte trauen, einen Blog zu schreiben, und wenn ja, warum?

Bettina Halbach: Alleine im September 2017 wurden weltweit 82 Millionen Blogposts veröffentlicht. Zunächst ist man als Blogger also einer von vielen. Man braucht einen langen Atem, wenn man eines Tages wahrgenommen werden möchte.

Aber: Wer kann besser über Ernährung informieren und zu Gesundheit und Wohlbefinden vieler beitragen, wer hat mehr Gefühl für seine Leser als jemand, der sich bereits in der Ausbildung und im Studium intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt hat und der eventuell noch dazu in der praktischen Ernährungsberatung tätig ist?

Ein Tag hat 24 Stunden. Ja, Fachkräfte sollten bloggen, sofern sie eine Affinität dazu haben und die benötigte Zeit. Ich finde es schade, viel zu wissen und damit hinter dem Berg zu halten, statt andere partizipieren und profitieren zu lassen. Halbherzigkeit bringt meines Erachtens im großen Online-Zirkus wenig. Letztendlich ist man dort ein kleines Rädchen. Aber, wenn man es geschickt anstellt, bedeutet bloggen, sich eine nette Community aufzubauen. Die Chance, mit weniger Arbeit und mit Spaß mehr zu erreichen.

Es gibt mittlerweile so viele Informationsquellen zu Ernährungsthemen im Internet. Glaubst du, es ist schwierig, sich gegen die junge Foodbloggerwelle durchzusetzen?

Bettina Halbach: Die jungen Foodblogger sind digital sehr fit, sie können blumig schreiben, Inhalte bunt und ansprechend präsentieren und geben sich sehr viel Mühe. Das schätze ich sehr. Ich meine, Wettbewerb belebt das Geschäft. Würde es die jungen Foodblogger nicht geben, was wäre unser Antrieb? Von ihnen können wir (noch) behäbigeren Experten lernen, was wir besser anders oder genauso machen wollen. Und umgekehrt, die Foodblogger können von uns viel über gesunde Ernährung lernen. Ich würde auch nicht unbedingt von „durchsetzen gegen“ sprechen. Mir würde es eher um ein Miteinander gehen. Ich denke, wer als Experte seine Nische findet und sich gut vermarktet, der hat dieselbe Chance, bekannt zu werden. Es ist lediglich die Frage vom Invest.

Mit welchen Argumenten würdest du jemandem erklären, dass es besser ist, den Blog einer Fachkraft zu lesen, als irgendeinen anderen?

Bettina Halbach: Grundsätzlich kommt das aufs Thema an. Ist es ein medizinisches Thema oder wird nach einem netten Dessert-Rezept gesucht? Das Dessert-Rezept muss ja nicht unbedingt von einem Dr. Oecotroph. stammen. Anders bei medizinischen Informationen. Ich denke, eine Fachkraft geht mit einer ganz anderen Verantwortung ans Texten – wer weiß, was es körperlich bedeutet, wenn das Essen schmeckt, aber die Haut von jetzt auf gleich rot wird, der schreibt ganz anders, als jemand, der damit noch nie konfrontiert wurde und auch nicht weiß, wie man in der Ernährungsberatung didaktisch vorgeht, um Klienten in so einem Fall bei der Ernährungsumstellung so zu helfen, dass sie gesund bleiben …
Außerdem kennt eine Fachkraft die Zusammenhänge und Hintergründe viel besser. Meine Blog-Beiträge werden von anderen Bloggern zum Beispiel kommentiert, indem sie schreiben: „Bisher kannte ich nur Acetylcholin und Adrenalin. Jetzt weiß ich, was davor kommt …“

Was glaubst du, wie sich das Verbraucherverhalten bezüglich der Kommunikation rund um Ernährungsthemen in den nächsten Jahren verändern wird?

Bettina Halbach: Mein Gefühl sagt, dass es mehr wird, und wenn die Verbraucher einmal merken, da informiert mich jemand, der wirklich Ahnung hat und ein Experte auf seinem Gebiet ist, dann informieren sie sich eher dort. Der Faktor Vertrauen wird immer wichtiger. Die Verbraucher öffnen sich, sie hinterfragen, diskutieren in Social Media, organisieren sich dort in Gruppen und der Online-Austausch nimmt zu.

Gibt es einen Beitrag auf deinem Blog, der dir besonders wichtig ist, wenn ja, welcher ist es und warum?

Bettina Halbach: Der Beitrag „So optimierst du deine Vitamin-B12-Aufnahme systematisch“.

In meinen Augen greifen Verbraucher noch viel zu oft unbedarft nach Nahrungsergänzung, weil sie denken: „Ich habe Symptom x, laut Werbung bewirkt Vitamin z, dass Symptom x verschwindet. Also nehme ich Vitamin z und meine Probleme lösen sich in Luft auf.“ Sie vergessen dabei aber, ihre eigene Ernährung anzuschauen, und wissen auch nicht, wie sie ansetzen können, ihre Lebensmittel in Bezug auf den Nährstoff, den sie gerade im Fokus haben, geschickter auswählen zu können. Der Beitrag gibt die Anleitung dazu und sagt auch ganz klar: „Lass dir von einem qualifizierten Ernährungsexperten helfen, wenn dir das Rechnen zu komplex ist. Dafür sind wir da!“

Auch Dr. Alexa Iwan ist eine bloggende Ökotrophologin, mit der wir ein Interview zum Thema zuckerfrei geführt haben.

 

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