Einfach natürlich backen – Ein Plädoyer für mehr Vielfalt in der Rührschüssel

25.10.2018

| Lesezeit: 4 Min.

Schon das Cover macht Lust aufs Nachbacken Ich habe das, was man einen „süßen Gaumen“ nennt. Einen sehr süßen Gaumen. Schokolade kann ich nicht widerstehen, bei Kuchen und anderem Gebäck ist es erst recht um mich geschehen. Dennoch stellen sich selbst mir bei manchem Backrezept die Nackenhaare auf. Nicht selten stand ich in der Küche, das Rührgerät in der einen Hand, die Zuckerpackung in der anderen, und beobachtete staunend wie das weiße Kristall kontinuierlich aus der Tüte in die Schüssel rieselte und die Waage immer noch nicht die im Rezept verlangte Menge anzeigte. Ja, muss denn das so viel sein?! Und muss es ausgerechnet der langweilige weiße Haushaltszucker im langweiligen weißen Mehl sein?!

Einfach backen geht natürlich auch anders

Nein, muss es nicht. Backen geht auch anders. Und genau das zeigt Carolin Strohte gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian Keitel in dem Buch „Einfach natürlich backen“. Auf ihrem prämierten Foodblog widmet sich Carolin alias Frau Herzblut schon länger dem kreativen Backen mit saisonalen, regionalen und naturbelassenen Zutaten. Jetzt hat sie dieses Thema zum Schwerpunkt ihres neuen Buches gemacht. Allein vom Blättern in dem farbenfrohen Werk läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Was sofort ins Auge sticht: Obst. Viel buntes und unterschiedliches Obst sowie Blüten und Nüsse und ab und an sogar Gemüse. Die Autoren haben sich von Frühling bis Winter einmal quer durch den Garten gebacken. Das merkt man schon, bevor man im Inhaltsverzeichnis die Kapiteleinteilung in die vier Jahreszeiten sieht.

Eine Backwelt jenseits von 405 und Saccharose

Was auf den zweiten Blick auffällt: Die üblicherweise in jedem Backbuch zuhauf vorkommenden zwei Zutaten Weizenmehl und Haushaltszucker sucht man hier vergebens. Stattdessen trifft man auf Dinkel-, Emmer-, Teff- und Kichererbsenmehl sowie auf Ahornsirup, Akazienhonig und Vollrohrzucker. Und auch sonst sorgen abwechslungsreiche Zutatenlisten und ausgefallene Kombinationen für spannende Rezepte. Habt ihr schon mal Brownies mit Kidneybohnen probiert oder Blondies mit Kichererbsen? Oder Gugelhupf mit Rote Bete? Ganz oben auf meiner „To-Bake-Liste“ stehen auch der Joghurtkuchen mit Einkorn, Stachelbeeren und Johannisbeeren und die Teff-Waffeln mit Holunderblüten und Vanille.

Wichtigste Zutat: Offenheit für Neues

Was für mache vielleicht umständlich klingt, weil man nicht jede Zutat beim nächsten Aldi um die Ecke bekommt, macht für mich genau den Reiz des Buches aus. Ich liebe es, neue Zutaten kennenzulernen und neue Geschmackserfahrungen zu machen. Wer auf quietschbunte Zuckerbomben aus Lebensmittelfarbe, Fett und Auszugsmehl steht, ist hier falsch. Wer sich von der farbenprächtigen Vielfalt dessen, was unsere Natur zu bieten hat, verzaubern und inspirieren lassen möchte und bereit ist, über den Tellerrand – und das Aldi-Sortiment – hinauszuschauen, ist bei Carolin und Sebastian genau richtig.

Hat man sich einmal entschlossen, dieses schöne Buch in seine Küchenbibliothek aufzunehmen, wird man nicht nur mit vielen besonderen und besonders leckeren Rezepten belohnt, sondern auch noch mit Extras wie Symbolen für glutenfreie, vegane, laktosefreie, nussfreie und eifreie Zubereitungen, einer kleinen Blütenkunde, Baukastensystemen für Muffins, Rührteig und Bananenbrot, einem Saisonkalender, einer Warenkunde und vielen nützlichen Tipps und Tricks rund ums Backen.
„Mein Lieblingsbackbuch des Jahres“, sage nicht nur ich, sondern auch Starkoch Jamie Oliver. Und was sagt ihr?

Hier gibt es das Backbuch von Carolin Strothe und Sebastian Keitel

Carolin Strothe, Sebastian Keitel: Einfach natürlich backen; 208 Seiten; Dorling Kindersley Verlag GmbH; ISBN 978-3-8310-3437-6; 19,95 Euro

Wer sich für das Thema Backen interessiert, dem sei auch wärmstens das Buch „Die Sprache des Brotes“ von Michael Kleinert und Bernd Kütscher empfohlen.

 

BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

Tag des Sauerteigs: Warum Sauerteig einen eigenen Aktionstag verdient
Er blubbert, riecht säuerlich und erfordert manchmal etwas Geduld: Sauerteig ist eines der wenigen Lebensmittel, die man gleichzeitig backen, füttern und beim Wachsen beobachten kann. Kein Wunder also, dass er inzwischen sogar einen eigenen Aktionstag hat. Am 19. Oktober wird der Tag des Sauerteigs gefeiert. mehr
proHops wurde 2018 als digitaler Marktplatz gegründet.
Die Hopfenbranche ist traditionsreich und tradiert, also seit sehr langer Zeit von sehr fest eingefahrenen Strukturen geprägt. Genau dort setzte Dipl.-Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie Andreas Wagner mit proHops an. 2018 gründete er einen digitalen Marktplatz, der Erzeugerinnen und Erzeuger mit Brauereien direkter verbinden sollte. mehr
Insekten in Snackschale
Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel? Was hierzulande noch eher ungewöhnlich klingt, ist global betrachtet keineswegs neu. In verschiedenen Regionen der Welt gehören Insekten als Lebensmittel seit Langem zu lokalen Ernährungstraditionen und werden je nach Region, Art und Zubereitung ganz unterschiedlich gegessen. mehr
Hygge, Lagom und Co.: Was wir von Skandinavien lernen können
Was haben Gemütlichkeit, bewusste Pausen, das richtige Maß und Zeit in der Natur gemeinsam? In Skandinavien gibt es dafür gleich mehrere Begriffe: Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv. Sie beschreiben unterschiedliche Facetten einer Lebensart, die weltweit fasziniert, und zeigen, dass manchmal schon kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen können. Was wir uns davon abschauen können, zeigen wir in diesem Beitrag. mehr
Nach oben scrollen