Küchenhelfer: Welche braucht man wirklich, welche sind nice-to-have?

15. Februar 2022

Super Thema, dachte ich spontan. Ich gehe einfach mit wachem Blick durch meine Küche, notiere mir ein paar Stichworte und berichte von meiner Erfahrung, welche modernen und auch traditionellen Küchenhelfer man wirklich in einer gut ausgestatteten Küche braucht. Dann nahm das umfangreiche Projekt seinen Lauf und führte zu einer Bestandsaufnahme, die schon fast an die jährliche Inventur eines Fachgeschäftes grenzte, und natürlich dazu, dass jeder vermeintlich praktische Küchenhelfer auf seine Nützlich- und Sinnhaftigkeit in meiner Küche hinterfragt wurde. Ich habe mich nach Fertigstellung des Artikels auch von dem einen oder anderen sicher nützlichen Küchenhelfer getrennt, der aber bei mir nach einem Spontankauf doch nie zum Einsatz gekommen ist und nun in einer anderen Küche glänzt.

Küchenhelfer in drei Kategorien

Rührbesen für Massen aus Metall
© pixabay

Meiner Ansicht nach gibt es drei Kategorien von Küchenhelfern. Da sind zunächst die, die einen an die Jugend erinnern, die man geschenkt bekommen hat oder mit anderen schönen Erinnerungen verknüpft. Nennen wir sie mal Küchenutensilien mit Nostalgie-Faktor. Von denen sollte man sich nicht trennen, auch wenn sie fragwürdig nützlich sind im Alltag. Aber sie bringen gute Stimmung, indem man in Erinnerungen schwelgen kann. Und das ist ihr absoluter Pluspunkt, der jede kühl betrachtenden Bewertung aus dem Rennen kickt. Dann die absoluten Basics wie beispielsweise eine Schöpfkelle oder unterschiedlichste Kochlöffel. Auf diese Kategorie gehe ich nicht ein. Und natürlich die fancy Neuheiten unter den Küchenhelfern, die bei jedem neuen Koch- und Backtrend auftauchen und die man dann unbedingt braucht, um Mini-Muffins oder andere Trend-Gerichte herstellen zu können. Meist fragt man sich geraume Zeit später, wenn der Trend abgeflacht ist, warum man sich zum Kauf hat hinreißen lassen. Da sind mir ein paar in die Hände gefallen, über die ich gerne schreiben möchte.

Brett, Presse und Hobel: So gelingen die besten Spätzle

Als gebürtige Schwäbin dürfen in meiner Küche nicht fehlen: Werkzeuge, mit denen man selbst gemachte Spätzle und Knöpfle machen kann. Warum gleich der Plural, also Werkzeuge? Wer sich schon mal intensiver mit der Thematik beschäftigt hat, weiß, dass man Spätzle vom speziell dafür abgeflachten Brett schaben, durch eine Spätzlepresse drücken oder mit einem Spätzlehobel herstellen kann. Selbstverständlich habe ich alle drei Versionen, um kurze und lange Spätzle sowie knubbelige Knöpfle herstellen zu können in den Varianten Natur, Spinat, Kräuter und Tomaten. Braucht man das? Ja und nein. Ich brauche sie.

Pilze bürsten, nicht waschen!

Aus meiner Besteckschublade habe ich eine kleine Bürste herausgekramt, mit der man Pilze, vornehmlich Kultur-Champignons, vorsichtig von Erdresten befreien kann, denn sie dürfen auf keinen Fall mit Wasser gewaschen oder, noch schlimmer, eingeweicht werden. Ich könnte mich eigentlich täglich nur von weißen Champignons, braunen Egerlingen, Austernpilzen und Kräuterseitlingen ernähren. Woher kommt’s? Ich habe meine Diplomarbeit für einen Champignonzucht-Betrieb geschrieben. Da ist was hängen geblieben, und zwar die Begeisterung für frische Pilze aus Bayern. Braucht man das? Die Entscheidung steht in direkter Relation zur verbrauchten Menge an Champignons in der jeweiligen Küche und kann nicht generell getroffen werden. Ich brauche sie.

Typisch deutsches Wort: Präzisionszeigerthermometer

Weiter geht es mit dem Präzisionszeigerthermometer; ein tolles akkurat beschreibendes deutsches Wort. Es erinnert mich zum einen an einige Kochkurse, die ich besucht und dabei auch das Thermometer erstanden habe. Denn nach den Kursen war klar, dass man ohne dieses Küchenutensil nicht leben kann, wenn man den perfekten bayerischen Schweinebraten zaubern will. Diese Phase habe ich hinter mir gelassen, brauche es aber nun jede Woche, wenn ich meinen Sauerteig ansetzen und die Wassertemperatur finden muss, bei der er sich wohlfühlt. Zum anderen ist es ein nützlicher Küchenhelfer, um die Schokolade für Pralinen exakt zu temperieren. Also ein klares Ja.

Teigschaber mit und ohne Stiel

Auch in der Besteckschublade aufbewahrt werden diverse Profi-Teigteiler oder auch bekannt als Teigspatel oder Teigschaber: Die meisten sind mit einer Werbebotschaft und Markenaufdruck versehen und nicht nur eine schöne Erinnerung an meine Jobs in der Bäckerbranche, sondern auch enorm nützlich zum Abstechen von Teigen beim Brot- oder Brötchen- sowie Weihnachtsplätzchen-Backen und zum Zusammenschieben von klein geschnippeltem Gemüse, das so ohne Kleckern in die Pfanne transportiert werden kann. Das ist ein absolutes Muss in der Küche. Genauso wie Teigschaber mit Stiel, in meiner Kindheit auch als Kinderschleck bekannt, mit denen man Massen und Cremes bis auf den letzten Rest aus der Schüssel gekratzt bekommt. Mein Lieblingsschaber von allen ist ein schmaler Silikonspatel, mit dem man in jedes noch so kleine Glas greifen und vom Joghurt bis zum Senf alles restlos aus dem Behälter entnehmen kann. Also ja, braucht man, vielleicht nicht in der Vielzahl, wie ich sie habe.

Ein Sieb zum Aussortieren

Mein Mehl- und Puderzuckersieb, mit dem ich ritsch-ratsch Puderzucker fein sieben kann, hat auch mehr Nostalgie-Charakter. Also, nein, das braucht man nicht.

Für Pizzafans: Pizzaschere und Pizzastein

Mit meinem ersten fancy Küchenhelfer sind alle Pizzafans unter euch angesprochen, denn es handelt sich um eine Pizzaschere, die man zum Reinigen auseinanderklappen kann. Sie ist so geschnitten, dass sie zwischen Teller, Brett oder Pappkarton geschoben werden und man perfekte kleine Teile von der gesamten Pizza abschneiden kann. Egal, ob es sich um eine gelieferte, eine aufgebackene TK-Pizza oder ein selbst gemachtes Werk handelt. Nein, man braucht sie nicht und kann mit einem Messer das gleiche Resultat erzielen. Aber ich finde sie gut. Und wenn wir schon bei der Pizza sind, dann sollten wir einen Blick auf den Pizzastein werfen, den es in verschiedensten Ausführungen gibt und der, auf einem Blech eingeführt, die eigene Pizza oder das selbst gebackene Brot zu einer röschen Sache werden lässt. Ich bin sehr begeistert und habe ihn oft im Einsatz. Man darf jedoch nicht zimperlich und traurig sein, wenn er schon nach der ersten Runde nicht mehr neu ausschaut.

Jeder hat ihn, keiner benutzt ihn: den Sandwich-Maker

Ein Sandwich-Maker staubte in meinem Regal schon viele Jahre vor sich her und nein, den braucht man wirklich nicht. Man kann, ähnlich wie bei einem Waffeleisen, zwei Weißbrotscheiben mit Belag zusammenpressen und erhitzen. Dadurch verläuft der Käse und man bekommt ein warmes getoastetes Sandwich. In die gleiche Kategorie fällt für mich ein Hand-Spiralschneider für Gemüsespaghetti, der immer mal wieder seine aufmerksamkeitsstarken Momente in der Szene hatte. Aber nein, ich kann kein definitives Must-have aussprechen. Anders sieht es bei den Küchenraspeln aus, mit denen man von Ingwer über Parmesan bis zu Muskat und Schokolade alles fein reiben kann. Sie funktionieren perfekt und sind ein wirklich nützliches Teil.

Noch mehr Küchenhelfer

Spritztüllen für Pralinen und Gebäck
© pixabay

Wer jetzt denkt, dass das alle Küchenhelfer sind, die sich über die Jahre in meiner Küche angesammelt haben, der irrt, schließlich bin ich vom Fach und wir haben weder über Gläser in allen Versionen noch mein umfassendes Pralinen-Küchenhelfer-Set gesprochen. Vielleicht braucht es auch einen Teil 2 dieser Reportage. Ich überlege mal und ihr könnt gespannt sein. Side-Kick: Ach ja, was ich aber unbedingt in meiner Küche als den sicher unsinnigsten Küchenhelfer brauche und nie darauf verzichten würde, ist ein Toaster vom Fußballclub St. Pauli, mit dem man den Totenkopf des Clubs auf der Toastscheibe serviert bekommt.

Wer sich für das Kochen mit besonderen Geräten in besonderen Umständen interessiert, der sollte sich auch mal unseren Beitrag über die Campingküche, also Minimalismus auf dem Gaskocher, zu Gemüte führen.

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