Modernes Arbeiten: Wie Beruf und Privatleben immer weiter verschwimmen

25.02.2020

| Lesezeit: 4 Min.

Coworking-Space und Feelgood Manager: Die Trends im Bereich der neuen Arbeitsformen kommen ohne Anglizismen nicht aus. Verstaubte Strukturen, wo Mitarbeiter von Montag bis Freitag der klassischen nine to five Arbeitszeit an ihrem ewig gleichen Schreibtisch nachgehen, soll es an den Kragen gehen. Doch wissen wir heute noch, wo unser Privatleben beginnt und wo der Job endet?

Digitalisiert, vernetzt und flexibel

Arbeiten im Café an der Ecke oder auf einer Bank draußen im Park, weil das Wetter gerade schön ist? „Wo WLAN ist, kann gearbeitet werden“ könnte da die Devise lauten, denn in unserer digitalisierten Zeit benötigen viele nur noch einen Laptop zum Arbeiten. Für manche Personaler gilt eine feste Arbeitsplatzzuordnung im digitalen Zeitalter als überholt. Flexible Arbeitsplätze sollen dem Wunsch der Mitarbeiter nach Freiheit und Autonomie gerecht werden. Passend dazu boomen besonders in Großstädten Coworking-Spaces, also große Büroräume, in denen einzelne Arbeitsplätze für einen bestimmten Zeitraum gemietet werden können. Auch Homeoffice wird von immer mehr Arbeitgebern begrüßt. Doch wer seine Arbeit auf dem Laptop und Smartphone immer dabei hat, läuft Gefahr, dass die klare Trennlinie zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verblasst. Noch mal kurz die E-Mails checken, schadet schließlich nicht, oder? Flexibles Arbeiten gilt als modern, kann aber auch Nachteile haben.

Weniger Stress, mehr Happiness

Um für eine gute Stimmung im Unternehmen und in Teams zu sorgen, werden sogar neue Berufsbezeichnungen geschaffen: Feelgood Manager, auch Chief Happiness Officers genannt, sollen im Büro für eine Wohlfühlatmosphäre sorgen. Hierbei geht es darum, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen und sie ein bisschen glücklicher im Arbeitsalltag zu machen. Übergeordnetes Ziel dieser Position ist die langfristige Mitarbeiterbindung. Egal, ob Yoga am Morgen, der Lauftreff in der Mittagspause oder das Bier zum Feierabend mit Kollegen – bei diesen Aktivitäten verschwimmen Beruf und Freizeit, was auch als Work–Life-Integration bezeichnet wird.

Auch die Vierbeiner freut‘s

Immer häufiger werden Hunde im Büro akzeptiert, was ich als Hundemensch als sehr positiv empfinde. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell mein Stresslevel allein durch den Anblick eines Vierbeiners sinkt. Auch Studien zeigen, dass bereits die bloße Anwesenheit eines Vierbeiners für eine entspanntere Stimmung sorgt. Ob allerdings ein kleiner Bewegungsradius mit einem Spaziergang in der Mittagspause dem Wohl des Tieres dient, sei dahingestellt.

Alles hat seine Grenzen

Vorsicht ist geboten: Nicht für jedes Unternehmen eignen sich moderne Arbeitsweisen. Passen neue Konzepte zum Unternehmen, zur Abteilung und zum Mitarbeiter? Bei Unternehmen mit einer langen Tradition ist es vergleichsweise schwierig, bestehende Strukturen umzuwerfen. Denn Neues kann Mitarbeiter auch abschrecken. Gerade die ältere Generation zeigt sich hierbei häufiger skeptisch. Unabhängig vom Alter gibt es zudem auch Mitarbeiter, die gerne einer geregelten Arbeitszeit von 9 bis 17 Uhr nachgehen und jeden Tag am gleichen Platz sitzen möchten – so altmodisch das klingen mag. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier. Daher finde ich es am wichtigsten, vorab die Wünsche der Mitarbeiter zu kennen, mit ihnen zu kommunizieren und sie in den Prozess der Modernisierung einzubinden.

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