Nutri-Score – Was ist der aktuelle Stand?

03.05.2022

| Lesezeit: 3 Min.

Seit 1,5 Jahren kann der Nutri-Score in Deutschland rechtssicher eingesetzt werden. Doch was ist seitdem passiert? Wie viele Unternehmen nutzen diese Kennzeichnung und wie soll es weitergehen?

Was ist der Nutri Score?

Der Nutri-Score ist ein freiwilliges Kennzeichnungssystem, das auf einen Blick die Beurteilung der Nährstoffzusammensetzung eines Lebensmittels für Verbraucherinnen und Verbraucher erleichtern soll. Das Logo besteht aus einer fünfstufigen Farbskala mit den Buchstaben A bis E. Das grüne „A“ steht für die günstigste Nährwertbilanz, das rote „E“ für die ungünstigste. Der Nutri-Score berechnet sich aus negativ sowie positiv bewerteten Inhaltsstoffen. Als negativ angesehen werden gesättigte Fettsäuren, Salz, Zucker und der Energiegehalt, positiv wirken sich dagegen Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse aus. Mehr dazu findet ihr auf unserem Beitrag zum Thema Nutri-Score.

© Getty Images

Wie viele Unternehmen haben sich in Deutschland für den Nutri-Score registriert?

Aktuell haben sich 282 aus Deutschland stammende Unternehmen für eine Verwendung des Nutri-Scores registriert (Stand 04.04.2022, die aktuellsten Zahlen findet ihr hier). Die Nutzung des Nutri-Scores ist für die Lebensmittelunternehmen kostenfrei. Nach der Anmeldung sind sie dazu verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren das komplette Sortiment mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen.

Welche Vorteile bringt der Nutri-Score?

Mit 57 Prozent hat sich der Nutri-Score bei einer repräsentativen Verbraucherumfrage gegen drei andere Modelle durchgesetzt, dennoch ist die Kennzeichnung nicht unumstritten. Ein Kritikpunkt ist, dass der Score nicht alle Inhaltsstoffe mit einbezieht. So hat weder die Verwendung von Süß-, Farb- und Konservierungsstoffen oder Palmöl noch das Vorkommen positiver Inhaltsstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe und Probiotika einen Einfluss auf die Bewertung. Zudem werden weder der Verarbeitungsgrad des Lebensmittels noch Merkmale wie Bio-Qualität oder gentechnikfrei berücksichtigt. Da die Kennzeichnung nichts darüber aussagt, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht, eignet sie sich nur für einen Vergleich innerhalb derselben Lebensmittelkategorie. Als weiterer großer Nachteil gilt die Freiwilligkeit. Jedes Unternehmen kann selbst entscheiden, ob es den Nutri-Score auf seinen Produkten abbildet oder nicht. Das macht den Vergleich von Lebensmitteln unterschiedlicher Hersteller teilweise nicht möglich.

Wie geht es weiter?

Serge Hercberg, Ernährungswissenschaftler und einer der Entwickler des Nutri-Scores, schlägt vor den Nutri-Score um den schwarzen Buchstaben F zu erweitern und alle alkoholischen Getränke damit zu kennzeichnen. Bisher sind Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 1,2 % von der Regelung ausgenommen.

Allgemein kann der Nutri-Score als Orientierungshilfe für Verbraucherinnen und Verbraucher dienen, dennoch lohnt sich zusätzlich einen Blick auf die Nährwertangaben, um ein Lebensmittel umfassend bewerten zu können.

BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

proHops wurde 2018 als digitaler Marktplatz gegründet.
Die Hopfenbranche ist traditionsreich und tradiert, also seit sehr langer Zeit von sehr fest eingefahrenen Strukturen geprägt. Genau dort setzte Dipl.-Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie Andreas Wagner mit proHops an. 2018 gründete er einen digitalen Marktplatz, der Erzeugerinnen und Erzeuger mit Brauereien direkter verbinden sollte. mehr
Insekten in Snackschale
Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel? Was hierzulande noch eher ungewöhnlich klingt, ist global betrachtet keineswegs neu. In verschiedenen Regionen der Welt gehören Insekten als Lebensmittel seit Langem zu lokalen Ernährungstraditionen und werden je nach Region, Art und Zubereitung ganz unterschiedlich gegessen. mehr
Hygge, Lagom und Co.: Was wir von Skandinavien lernen können
Was haben Gemütlichkeit, bewusste Pausen, das richtige Maß und Zeit in der Natur gemeinsam? In Skandinavien gibt es dafür gleich mehrere Begriffe: Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv. Sie beschreiben unterschiedliche Facetten einer Lebensart, die weltweit fasziniert, und zeigen, dass manchmal schon kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen können. Was wir uns davon abschauen können, zeigen wir in diesem Beitrag. mehr
Sandra Ganzenmüller und Candy Sierks
Die Kommunikationswelt verändert sich: Kanäle werden vielfältiger, Prozesse schneller und Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Agenturalltag. Gleichzeitig bleiben fachliche Kompetenz, Vertrauen und persönliche Beziehungen unverzichtbar. Agenturgründerin Sandra Ganzenmüller und Nachfolgerin Candy Sierks sprechen darüber, was gute Food-Kommunikation heute ausmacht und was sie morgen leisten muss. mehr
Nach oben scrollen