VDD-Award Gewinnerin 2019 im Interview: Claudia Paul

21.05.2019

| Lesezeit: 7 Min.

Im Rahmen des diesjährigen Kongresses des Verbandes der Diätassistenten (VDD) in Wolfsburg wurde zum zweiten Mal der VDD-Award verliehen. Dieser Preis wird jährlich an ein Verbandsmitglied vergeben, das den Beruf bzw. den Verband in die Öffentlichkeit bringt, neue Einsatzgebiete erschließt oder ein herausragendes ehrenamtliches Engagement beweist. Den VDD-Award 2019 mit nach Hause nehmen darf die examinierte Diätassistentin Claudia Paul.

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des VDD-Awards 2019. Was bedeutet Ihnen der Award?

Zunächst war ich überrascht, dass mein berufliches Tun in den öffentlichen Fokus gerückt wurde und besondere Aufmerksamkeit erfährt. Ich freue mich sehr darüber und es macht mich auch etwas stolz. Ich sehe mich stellvertretend für die Berufskolleginnen und -kollegen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet hervorragende Arbeit leisten.

Für welches Projekt haben Sie die Nominierung erhalten? Erzählen Sie bitte etwas mehr darüber!

Ich denke, das kommt unter anderem durch meine Tätigkeit als eine der ersten Diätassistentinnen im Fachbereich Chirurgie und durch die Entwicklung von VDD-Zertifizierungskursen im Bereich parenterale Ernährung und enterale Ernährung in Zusammenarbeit mit Frau Wienken. Zudem halte ich Vorträge auf nationalen und internationalen Kongressen, für Patientenorganisationen und medizinische Heilberufe und habe einige Fachartikel und die Ratgeber „Ernährung vor und nach bariatrischen Operationen“ und „Gut essen und trinken ohne Magen“ verfasst. Darüber hinaus engagiere ich mich seit Jahren ehrenamtlich für den VDD und für diverse krankheitsbezogene Selbsthilfegruppen.

Welche Gründe führten dazu, dass Sie den Beruf der Diätassistentin erlernt haben?

Das ist eine sehr lustige Geschichte. Ich habe immer viel und gerne gelesen, unter anderem Internatsgeschichten wie „Hanni und Nanni“. Als dann unsere neue Nachbarin begeistert von ihrer Ausbildung zur Diätassistentin erzählte und dass sie dort in einem Wohnheim wohnt, war klar, dass ich das auch machen will.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit und macht Ihnen besondere Freude?

Meine Arbeit in der Ernährungstherapie umfasst ein breites Spektrum an Tätigkeiten. Die Arbeit mit dem Patienten macht mir Freude und ist sehr vielseitig. Um den Patienten gut und wissenschaftlich zeitgemäß zu versorgen, muss man sich permanent weiterbilden und die entsprechende Fachliteratur kennen. Zudem fotografiere und filme ich häufig im OP, um mir bestimmte anatomische Veränderungen besser vorstellen zu können und mit diesem Wissen den Patienten anschließend optimal beraten zu können. Dieses Wissen gebe ich bei fachlichen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen an meine Kolleginnen und Kollegen, aber auch an Ärzte weiter. Die interdisziplinäre Arbeit mit anderen Bereichen wie Therapeuten, Pflegern, Ärzten und Apothekern ist bei meiner Tätigkeit im Klinikalltag extrem wichtig und bereichert zudem den eigenen Arbeitsbereich. Des Weiteren fordert und fördert mich die Arbeit mit den Patienten. Besonders beeindruckend sind dabei der Mut, die Willenskraft und die Stärke von sehr kranken Menschen, die Arbeit mit ihnen ist für mich sehr wertvoll und lehrreich.

Welches sind die nächsten Herausforderungen, denen sich Ihrer Meinung nach Diätassistenten und damit der Verband als berufspolitisches Sprachrohr stellen müssen?

Ich glaube, wir müssen weiterhin ständig „über den Tellerrand hinaus“ schauen – die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für eine gute Patientenversorgung absolut notwendig. Die fachliche Kompetenz sollte, neben der menschlichen Qualifikation, für uns Diätassistenten an erster Stelle stehen. Diesbezüglich ist die Novellierung des Diätassistentengesetzes längst überfällig. Um die Ernährungstherapie in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken, bedarf es zudem viel mehr „Werbung“ für den Beruf des Diätassistenten als Therapieberuf. Nicht reißerisch, sondern sachlich und fachlich korrekt. Ernährungsberater darf sich hierzulande jeder nennen, ganz ohne nennenswerten Abschluss. Auch auf „Dr. Google“ ist kein Verlass und der Patient kann die Angebote im Internet, die häufig sehr allgemeingültig sind, nicht bewerten und verlässt sich auf diese Medien. Vieles schadet dabei und hat teilweise verheerende Konsequenzen für den Betroffenen. Wünschenswert wäre es zudem, wenn es auch für unsere Berufsgruppe „Bedarfszahlen“ gäbe, das heißt wie viele Diätassistenten benötigt ein Krankenhaus unter Berücksichtigung der Bettenzahl und des Grads der Versorgung. Häufig betreut ein Diätassistent zwischen 500 und 800 Patienten täglich. Von einer guten und sicheren Patientenversorgung kann hier schon lange nicht mehr gesprochen werden. Und nicht zu vergessen, eine gerechte Entlohnung der beruflichen Qualifikation entsprechend ist unabdingbar.

Was ist Ihr persönliches, berufliches Ziel für die nächsten Jahre?

Ich gehe Ende des Monats in den Ruhestand, werde jedoch weiterhin in der Klinik tätig sein. Ich habe noch so viele Ziele, die es zu erreichen gilt. So möchte ich meine Nachfolgerin unterstützen sowie das frühzeitige Screening und eine notwendige Ernährungstherapie für alle Patienten, die unter ernährungsbedingten Erkrankungen leiden, in unserem Hause etablieren. Ein weiteres Ziel ist es, die Klinikleitung davon zu überzeugen, dass mehr Diätassistenten im stationären Bereich benötigt werden. Zudem möchte ich gerne die Voraussetzungen für den neuen OPS-Code der ernährungsmedizinischen Komplexbehandlung schaffen. Weiterhin halte ich noch Vorträge, führe den Zertifikatkurs für Diätassistenten im Bereich der „Parenteralen Ernährungstherapie“ durch, möchte eventuell noch einen Ratgeber für die Ernährung des chirurgischen Patienten schreiben, und, und, und … Und natürlich möchte ich auch meine Freizeit mit Fahrradfahren und Lesen genießen.

 

Fotocredit: © VDD – Christian Augustin

 

Sie wollen mehr über Berufe aus dem Ernährungsbereich erfahren? Wir haben auch mit einer bloggenden Ökotrophologin und einem Brot-Sommelier gesprochen.

 

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