Brotkrümel: Was ist an der Weizenwampe dran?

11.09.2019

| Lesezeit: 3 Min.

Als Oecotrophologin und Brot-Sommelière nehme ich in unserer Kolumne Brotkrümel Ernährungsmythen über Brot unter die Lupe.

Haben Sie auch schon von der sogenannten Weizenwampe gehört? Die hat Dr. med. William Davis erfunden und ist bitte schön nicht zu verwechseln mit herkömmlichen Wampen, die nicht auf Weizenbasis hergestellt wurden. In seinem Buch erklärt Dr. Davis Warum Weizen dick und krank macht und befeuert damit weiter die Verunglimpfung eines völlig unschuldigen Getreides. Natürlich sollten Menschen mit einer Zöliakie, also einer Glutenunverträglichkeit, Weizen tunlichst meiden, da es eben Gluten enthält. Für gesunde Menschen ist Gluten bzw. Weizen aber völlig unbedenklich und führt auch nicht zu beschworener Wampe. Jedenfalls nicht mehr als andere Lebensmittel auch. Denn so gut wie alles macht dick, wenn man zu viel davon isst. Jeder, der zu viele Kalorien aufnimmt, unabhängig davon, ob diese aus Brot, Schokolade oder Bratwurst kommen, wird an Gewicht zulegen. Es gibt keine Studie, die die positive Wirkung einer weizenarmen Diät auf den Gewichtsverlust bei gesunden Menschen nachweist. Selbstverständlich wird man mit einer kohlenhydratarmen Diät – der Low-Carb-Diät – abnehmen, aber ähnliche Resultate kann man auch mithilfe einer Low-Fat-, High-Protein- und kurzfristig vermutlich auch mit einer Kohlsuppen-Diät erreichen. Der Grund dafür ist die Ernährungsumstellung selbst und die damit einhergehende verringerte Kalorienzufuhr. Mit Weizen hat das nichts zu tun. Es gibt aber noch weitere Anklagepunkte: Weizen soll Diabetes fördern und das Herz schädigen. Sowohl ein ernährungsbedingter Diabetes Typ 2 als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Begleiterscheinungen von Übergewicht und werden nicht allein durch das Essen von Brot ausgelöst. Das Herzinfarktrisiko hat sich in den letzten 20 Jahren in Deutschland sogar halbiert; wäre das Brot schuld, hätten Herz-Kreislauf-Erkrankungen gleich bleiben oder steigen müssen. Es ist also höchste Zeit, den guten Ruf von Brot und anderen Weizenprodukten wiederherzustellen und Wampen als das zu erkennen, was sie sind: Mischwampen, die durch zu viel Essen und zu wenig Bewegung entstanden sind.

Wer noch weitere Fragen rund um ernährungswissenschaftliche Aspekte im Hinblick auf Brot hat, die in der Kolumne mal besprochen werden sollten, kann diese gern an branchentreff@kommunikationpur.com schicken.

Dieser Beitrag erschien erstmalig im BÄKO-magazin.

Mehr Expertenwissen gefällig? In diesem Beitrag werden die angeblich leeren Kalorien in Backwaren aus hellem Mehl hinterfragt.

 

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