The dark ice cream is rising oder der neue Aktivkohleeistrend

22.08.2018

| Lesezeit: 4 Min.

Ist das Wetter im Sommer strahlend, dann muss scheinbar zumindest das Eis schwarz sein. Auf den ersten Blick könnte das die Erklärung für den Aktivkohleeistrend sein, der uns dieses Jahr aus den USA erreichte.

Wo wird Aktivkohle eingesetzt?

Hier sollen Optik und die inneren Werte stimmen: Das Aktivkohleeis macht sich mit seiner tiefschwarzen Farbe zum einen wahnsinnig gut auf Instagram, und zum anderen soll die Aktivkohle viele positive Eigenschaften mit sich bringen. Aktivkohle, auch medizinische Kohle genannt, findet in den letzten Jahren vermehrt Anwendung in Gesichtspeelings, Masken, Mitesserpflastern und seit Neuestem auch in Produkten zur oralen Aufnahme wie zum Beispiel in Pizzen, Smoothies, Croissants und eben auch Eiscreme. Aber bekannt ist der dunkle Wunderstoff schon viel länger.

Was ist Aktivkohle?

Bei Aktivkohle handelt es sich um einen sehr feinkörnigen, porösen Kohlenstoff, dessen besondere Eigenschaft es ist, eine sehr große, innere Oberfläche zu besitzen. Durch diese große Oberfläche werden andere Stoffe adsorptiv gebunden, weswegen Aktivkohle schon lange in Wasseraufbereitung, Chemie, Medizin sowie in Lüftungs- und Klimatechnik eingesetzt wird. Seit mehr als 10.000 Jahren wird sie außerdem als Entgiftungsmittel bei Menschen eingesetzt.

Wie wirkt Aktivkohle?

Im Falle des Aktivkohleeises bedeutet das, es soll als Detox im Körper wirken und ihn von Giften und anderen schädlichen Substanzen befreien. Deswegen soll es angeblich auch bei Kater wirken. Mit dem schwarzen Eis kann man wohl außerdem Magen-Darm-Probleme und Blähungen in den Griff bekommen, da auch Gase an der großen Oberfläche der Aktivkohle absorbiert werden. Neben Giftstoffen werden zudem auch Bakterien schneller aus dem Körper transportiert. Und nicht zuletzt – womit wir wieder bei der Instagram-Tauglichkeit wären – sollen dadurch auch die Zähne aufgehellt werden. Wie es schmeckt bzw. ob es schmeckt, steht allerdings nirgends.

Leider unterscheidet die Aktivkohle nicht zwischen Gut und Böse, so adsorbiert und entfernt sie auch andere Stoffe als Giftstoffe, Bakterien usw. Unter anderem bindet sie Medikamente, weswegen bei Einnahme solcher vom Aktivkohleverzehr abgeraten wird. Das Gleiche gilt auch für die Anti-Baby-Pille. Was Enzyme, Vitamine, Spurenelemente usw. betrifft, gibt es bisher noch keine Langzeitstudien zum regelmäßigen Konsum. Zur Bekämpfung von Durchfall wird sie jedoch seit vielen Jahren schon sporadisch verabreicht.

Wo gibt es denn nun das Aktivkohleeis?

Auch in München kann man das tiefschwarze Eis seit Mitte Juli erstehen, und zwar im frogis am Stachus, allerdings „nur“ in der Geschmackssorte Vanille; juhu, ein erster Hinweis auf den Geschmack. Die Aktivkohle wird für ihr Eis aus der Kokosnussschale gewonnen. Wir haben uns für einen Selbstversuch dorthin aufgemacht. Leider gab es kaum einen Monat nach der feierlichen Ankündigung der süßen, schwarzen Versuchung dort bereits kein Aktivkohleeis mehr. Eine Begründung, warum es das Eis aktuell nicht gibt, gab es nicht – aber wir wurden mit einem kleinen Hoffnungsschimmer, es könne es in Zukunft eventuell noch mal geben, nach Hause geschickt. Neben dem Licht am Tunnel gab es für uns auch noch eine mittlere Portion Joghurteis mit ordentlich Toppings, die voraussichtlich nirgends anders als auf unseren Hüften adsorbieren.

Wer weitere aktuelle Foodtrends entdecken will, der sollte hier mal reinsehen.

 

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