Brotkrümel: Sind Ballaststoffe Ballast?

11.12.2019

| Lesezeit: 3 Min.

Als Oecotrophologin und Brot-Sommelière nehme ich in unserer Kolumne Brotkrümel Ernährungsmythen über Brot unter die Lupe.

Ballaststoffe. Appetitlich klingt das ja nicht gerade. Ballast möchte ich jedenfalls nicht so gerne essen. Den will ich eigentlich loswerden. Es klingt auch nicht gesund, geschweige denn nach etwas, das schlank macht. Aber überall ist zu lesen, wir sollen mehr Ballaststoffe essen – für die Gesundheit, für die Schönheit. Und das steht nicht nur in irgendwelchen Frauenzeitschriften, auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag. Handelt es sich hier also gar nicht um Ballast, sondern um etwas Brauchbares? Ballaststoffe sind – grob gesagt – die unverdaulichen Bestandteile unserer Nahrung. Sie verlassen den Körper mehr oder weniger im gleichen Zustand, in dem sie ihn betreten haben. Sehr grob gesagt. Das scheint tatsächlich ziemlich unnütz und hat ihnen auch ihren Namen beschert. Essen, das man nicht verdauen kann – wozu soll das gut sein? Unnötiger Ballast, dachte man. Heute weiß man es besser. Denn Ballaststoffe mögen unverdaulich sein, können dafür aber eine andere Sache ganz hervorragend: quellen. Einmal zerkaut und im Verdauungstrakt angekommen, vergrößern sie ihr Volumen und machen nicht nur satt, sie bringen auch den Darm in Schwung. Peristaltik nennet sich die Bewegung, die der Darm vollführt, um den Speisebrei langsam aber sicher Richtung Ausgang zu schieben. Und je mehr zum Schieben da ist, desto motivierter ist der Darm bei dieser Tätigkeit. Da kann man sich schon vorstellen, warum Ballaststoffe bei Verstopfung helfen. Aber nicht nur das: Sie können sich positiv auf den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel auswirken und das Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und koronare Herzkrankheiten senken. Ballaststoffe sind vor allem in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthalten. Bei Letzteren scheint der präventive Effekt auf die genannten Krankheiten besonders hoch zu sein. Und Ballaststoffe haben noch einen ganz entscheidenden Vorteil: Alle sind sich einig. Im Dickicht unterschiedlicher Ernährungsempfehlungen ist es oft nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Aber Ballstoffe finden inzwischen alle gut. Ich auch. Heute Abend gibt es bei mir eine extra dicke Scheibe Vollkornbrot.

Wer noch weitere Fragen rund um ernährungswissenschaftliche Aspekte im Hinblick auf Brot hat, die in der Kolumne mal besprochen werden sollten, kann diese gern an branchentreff@kommunikationpur.com schicken.

Dieser Beitrag erschien erstmalig im BÄKO-magazin.

Spannend? Dann haben wir noch mehr Brotmythen, die wir nach und nach aufdecken. In diesem Beitrag werden die angeblich leeren Kalorien in Backwaren aus hellem Mehl hinterfragt.

 

BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

proHops wurde 2018 als digitaler Marktplatz gegründet.
Die Hopfenbranche ist traditionsreich und tradiert, also seit sehr langer Zeit von sehr fest eingefahrenen Strukturen geprägt. Genau dort setzte Dipl.-Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie Andreas Wagner mit proHops an. 2018 gründete er einen digitalen Marktplatz, der Erzeugerinnen und Erzeuger mit Brauereien direkter verbinden sollte. mehr
Insekten in Snackschale
Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel? Was hierzulande noch eher ungewöhnlich klingt, ist global betrachtet keineswegs neu. In verschiedenen Regionen der Welt gehören Insekten als Lebensmittel seit Langem zu lokalen Ernährungstraditionen und werden je nach Region, Art und Zubereitung ganz unterschiedlich gegessen. mehr
Hygge, Lagom und Co.: Was wir von Skandinavien lernen können
Was haben Gemütlichkeit, bewusste Pausen, das richtige Maß und Zeit in der Natur gemeinsam? In Skandinavien gibt es dafür gleich mehrere Begriffe: Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv. Sie beschreiben unterschiedliche Facetten einer Lebensart, die weltweit fasziniert, und zeigen, dass manchmal schon kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen können. Was wir uns davon abschauen können, zeigen wir in diesem Beitrag. mehr
Sandra Ganzenmüller und Candy Sierks
Die Kommunikationswelt verändert sich: Kanäle werden vielfältiger, Prozesse schneller und Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Agenturalltag. Gleichzeitig bleiben fachliche Kompetenz, Vertrauen und persönliche Beziehungen unverzichtbar. Agenturgründerin Sandra Ganzenmüller und Nachfolgerin Candy Sierks sprechen darüber, was gute Food-Kommunikation heute ausmacht und was sie morgen leisten muss. mehr
Nach oben scrollen