Brotkrümel: Warum schenkt man Brot und Salz zum Einzug?

Und wer jetzt überlegt, welche Brotsorte er denn als Geschenk mitbringen könnte, der erfährt in diesem Beitrag alles Wissenswerte über Sauerteigbrot.

11.02.2021

| Lesezeit: 4 Min.

Als Oecotrophologin und Brot-Sommelière nehme ich in unserer Kolumne Brotkrümel Ernährungsmythen über Brot unter die Lupe und heute geht es um eine Tradition, bei der Brot im Spiel ist.

Wer gerade umgezogen ist, muss meist zwei Dinge eine längere Zeit nicht mehr einkaufen: Brot und Salz. Beides wird gerne und oft zum Einzug geschenkt. Es gibt viele nutzlose Geschenke auf dieser Welt, und wenn man frisch eine neue Wohnung bezogen hat, ist die Quote fragwürdiger Staubfänger besonders hoch. Duftlampen, Deko-Schalen mit Steinen drin, das dritte Fondue-Set, Zimmerpflanzen-Ableger, von denen schon nach drei Tagen nur noch ein kahler Ast übrig ist. Aber Brot und Salz sind immer tolle Geschenke, die jeder brauchen – und vor allem verbrauchen – kann. Salz kommt in so gut wie jeder Küche regelmäßig zum Einsatz und hält sich ewig, Brot ist das Grundnahrungsmittel schlechthin, und wenn es zu viel des Guten wird, lässt es sich wunderbar einfrieren. Aber warum schenken wir eigentlich Brot und Salz zum Einzug? Natürlich entstammt dieses Geschenk nicht rein praktischen Überlegungen, sondern geht zurück auf alte Brauchtümer, die sich in biblischen Zeiten begründen. Die Symbolik von Brot und Salz ist in vielerlei Hinsicht eine besondere. Denken wir da an den Leib Christi, der beim letzten Abendmahl in Brotform verköstigt wurde, oder „Das Salz der Erde“, als das die Christen im Matthäus Evangelium bezeichnet werden. „Unser täglich Brot gib uns heute“ heißt es im Vaterunser und der Ausspruch „XY ist mein/unser täglich Brot“ verbildlicht noch heute Unverzichtbares, Lebensnotwendiges. Das Salz hat sich sprichwörtlich als etwas Kostbares in der Suppe verewigt, das schnödes Einerlei erst richtig zur Geltung bringt. Das Brot gilt als Grundlage, das Salz als die Würze des Lebens. Wer Brot und Salz zum Einzug schenkt, wünscht dem Eingezogenen damit, dass er immer genug zu essen haben möge, eine stabile Gemeinschaft, mit der er es teilen kann, und dass er in seinem Heim nun sesshaft werde. Den unsympathischen neuen Nachbarn sollte man also vielleicht lieber ein anderes Höflichkeitspräsent überreichen. Wird Brot und Salz zur Hochzeit geschenkt – ebenfalls ein weitverbreiteter Brauch – sind in der Sesshaftigkeit auch gleich Kinderwünsche mitinbegriffen. Auch das sollte man sich gut überlegen, wenn man direkt nebenan wohnt und die Wände dünn sind. Unabhängig davon, dass viele gar nicht wissen, was sie genau schenken, wenn sie Brot und Salz mitbringen, bin ich aber heilfroh um diese Tradition. In der Bibel gibt es ja durchaus noch andere bedeutungsschwere Dinge und nicht alle sind so angenehm wie Brot und Salz. In diesem Sinne: Brot und Salz, Gott erhalt’s!

Wer noch weitere Fragen rund um ernährungswissenschaftliche Aspekte im Hinblick auf Brot hat, die in der Kolumne mal besprochen werden sollten, kann diese gern an branchentreff@kommunikationpur.com schicken.

Dieser Beitrag erschien erstmalig im BÄKO-magazin.

Und wer jetzt überlegt, welche Brotsorte er denn als Geschenk mitbringen könnte, der erfährt in diesem Beitrag alles Wissenswerte über Sauerteigbrot.

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