Food Report 2022: Foodtrends

3. September 2021

Im Food Report 2022 widmet sich Hanni Rützler wie immer jährlich den aktuellen Foodtrends. In der Foodtrend-Map bündelt sie zahlreiche Trends und schafft einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, mit denen sich Hersteller, Handel und Gastronomie verstärkt auseinandersetzen sollten.

Was sind Foodtrends?

Foodtrends sind komplexe Gebilde, die in Verbindung zu Veränderungen stehen. Sie müssen Lösungen und/oder sinnvolle Alternativen auf aktuelle Probleme in Zusammenhang mit der Ernährung oder der Nahrungsmittelproduktion liefern. Zudem spiegeln sie Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse wider und geben Orientierung bei täglichen Essentscheidungen. Foodtrends sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und wachsen nur, wenn eine kritische Masse an Personen ihnen folgt. Um sich durchzusetzen, ist ein flexibler Markt, der neue Produkte und Services bereitstellt, unabdingbar. So wächst die Zielgruppe, die sich von dem neuen Trend angesprochen fühlt, und wird selbst zu aktiven Trägerinnen und Trägern dieses Trends.

Drei Trends hat die Trendforscherin Hanni Rützler im Food Report 2022 ausgewählt und näher beleuchtet.

Foodtrend 1: Zero Waste

Lebensmittelverschwendung ist ökologisch, wirtschaftlich und sozial problematisch. Die Corona-Pandemie verschärft das Bewusstsein der Konsumierenden gegenüber Food Waste. Food Waste umschreibt diejenigen Lebensmittel, die für den Konsum hergestellt werden und auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren gehen oder weggeworfen werden. Dies geschieht auf den verschiedensten Ebenen: aussortiertes Gemüse in der Landwirtschaft, ungenutzte Nebenprodukte bei der Verarbeitung, Lagerungsverluste im Großhandel, zu üppige Portionen in der Gastronomie, abgelaufene Produkte im Einzelhandel und Essensreste im Haushalt. Die Pandemie hat den Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise vorangetrieben und dem Zero-Waste-Trend neue Dynamik verliehen. Konsumierende legen vermehrt Wert auf Produkte und Unternehmen, die glaubwürdig verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen umgehen und ihnen in den Zero-Waste-Bestrebungen entgegenkommen. So sind Unverpackt-Läden dem Nischendasein entkommen. Auch verschiedene Apps wie Too Good to Go oder Karma setzen sich aktiv gegen die Lebensmittelverschwendung ein. Bei der Gegenbewegung zur Kultur des Wegwerfens, dem Upcycling, wird Müll als Material für neue Produkte verwendet. So entsteht aus verdorbener Milch ein neues T-Shirt, aus Orangen Strom und aus anfallenden Abfällen bei der Apfelsaftherstellung werden Trinkhalme. Neben privaten Haushalten, in denen immerhin 52 Prozent des Food Wastes entstehen, hat auch die Gastronomie großes Potenzial, ihre Lebensmittelabfälle zu minimieren.

Foodtrend: Zero Waste
© Canva

Foodtrend 2: Local Exotics

Die Bedeutung lokal produzierter Lebensmittel hat sich während der Pandemie weiter verstärkt. Zeitgleich führte der Lockdown und die damit eingehende Verlagerung des Lebens ins Häusliche, ohne Fernreisen und Gastronomiebesuche, zu einer Sehnsucht nach Speisen aus fernen Ländern. Was auf den ersten Blick als Gegensatz aussieht, wird unter dem Begriff Local Exotic zusammengeführt. Bereits vor der Pandemie haben lokale Lebensmittelerzeuger ihre Produktauswahl häufig um exotische Lebensmittel ausgebaut. Neue Technologien sowie der zunehmende Klimawandel lässt Erzeugerinnen und Erzeuger das eigene Produktportfolio erweitern. Regional erzeugte „Exoten“ punkten nicht nur beim Thema Nachhaltigkeit, auch der Geschmack und das Tragen von Bio-Zertifikaten machen sie besonders attraktiv. Quinoa aus Köln, Meeresfrüchte aus Bayern, Mozzarella von in Österreich heimischen Wasserbüffeln, exotische Produkte aus lokalem Anbau sind heute keine Seltenheit mehr.

Foodtrend: Local Exotics
© Getty Images

Foodtrend 3: Real Omnivore

Der Trend Real Omnivore beschreibt die immer größer werdende Rolle klimarelevanter Überlegungen bei der Wahl des Essens. Der neue Esstyp „Real Omnivore“ zeichnet sich durch den Wunsch nach einer ausgewogenen und nachhaltigen Ernährungsweise aus, die auf problematisch wahrgenommene Lebensmittel verzichtet und den ernährungsphysiologischen Bedarf zukünftig durch den Verzehr von Algen, Insekten und Mykoproteinen deckt. Der Speiseplan der Real Omnivoren beinhaltet überwiegend pflanzliche Lebensmittel, beim Konsum von Fleisch wählen sie nicht nur die „edlen“ Stücke. Sie verbinden Genuss mit Verantwortung und stehen neuen technologischen Entwicklungen im Food-Bereich aufgeschlossen gegenüber. Sie können auch als die „echten Allesesser“ bezeichnet werden, denn auf ihren Teller kommen pflanzliche Lebensmittel und Pilze, Fleisch und tierische Produkte (überwiegend in Bio-Qualität), Algen, Fische und Meeresfrüchte, aber auch alle neuen Lebensmittel, wie pflanzliche Alternativen, Farmfree Food (Nahrungsmittel aus Mikroorganismen), Schnecken, Insekten und In-vitro-Fleisch, -Fisch und -Meeresfrüchte. Diese Gruppe sind die Esserinnen und Esser der Zukunft.

Foodtrend: Real Omnivore
© Getty Images

Im aktuellen Food Report 2022 geht Hanni Rützler nicht nur auf Foodtrends ein, sondern beschreibt mit „The New Normal“ den Wertewandel, welchen die Corona-Pandemie herbeigeführt hat.

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