Klimakrise auf dem Teller – Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelsicherheit

21. Juli 2020

Die Tatsache, dass Teile der Lebensmittelproduktion, insbesondere die Viehzucht, massiven Einfluss auf den Klimawandel nehmen, ist hinlänglich bekannt. Doch welche negativen Auswirkungen wiederum haben die klimatischen Veränderungen auf unsere Lebensmittelsicherheit? Welche Teile der Welt sind von Nahrungsmittelkrisen am meisten betroffen? Und welche heute alltäglichen Lebensmittel sind bald vielleicht nur noch als teure Luxusgüter erhältlich?

Wetterextreme – die neue Normalität

Das Jahr 2019 war das drittwärmste in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und es war ungewöhnlich trocken und sonnig. Die Getreideernte fiel, nach dem Dürresommer von 2018, erneut unterdurchschnittlich aus. Besonders für den Anbau von Raps sowie Obst und Gemüse war es ein schwieriges Jahr. Tierbetriebe stellte vor allem das geringe Grundfutteraufkommen vor massive Probleme. Zunächst noch als große Profiteure des Klimawandels gesehen, müssen deutsche Bauern zunehmend erhebliche Ernteausfälle hinnehmen. Trockene Sommer, schwere Stürme, Hitzewellen – diese Wetterextreme werden zukünftig Normalität sein, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Nahrungsmittelunsicherheit – Klimawandel als Konfliktreiber

Die eintretenden Wetterextreme werden für alle Menschen spürbar sein, am deutlichsten unter den Folgen zu leiden haben jedoch die Ärmsten der Welt. Als negativer Hotspot der Klimaveränderungen in Bezug auf Ernteausfälle und Lebensmittelsicherheit gilt Westafrika. Der Temperaturanstieg wird in der Subsahara Afrika vermutlich höher ausfallen als im Mittel auf globaler Ebene.

Veränderungen im Klima haben zahlreiche folgenschwere Auswirkungen auf die Landwirtschaft. So trocknen Dürren und steigende Temperaturen Böden aus. Die daraus folgende zunehmende Erosion der Böden, Wüstenbildung und das Schwinden von Wasservorräten machen den Anbau von Nahrungsmitteln so gut wie unmöglich und führen zu Lebensmittelknappheit. Zahlreiche Pflanzen können nicht mehr an ihren bisherigen Standorten wachsen und Schädlinge weiten sich auf neue Gebiete aus. Auch bei der Viehzucht werden in Zukunft vor allem die Tierarten eingesetzt werden müssen, die sich besser an die Hitze anpassen können.

Veränderungen der Niederschlagsmengen und -muster beeinträchtigen die Produktion von Lebensmitteln massiv. Regnet es beim Regenfeldanbau nur wenige Wochen zu spät oder nicht regelmäßig, sinkt der Ernteertrag erheblich. Ein weiteres Problem stellt der steigende Meeresspiegel dar. Er droht, vielerorts fruchtbare Küstenregionen zu überfluten oder den Boden sowie Süßwasserquellen zu versalzen, sodass sich die Anbauflächen für Lebensmittel deutlich verringern. Zusätzlich zerstören klimabedingte Katastrophen wichtige Infrastrukturen, wie Bewässerungsanlagen, Straßen und Märkte. Lebensmittel können nicht mehr angebaut, transportiert und verkauft werden. Nach der Klimakatastrophe droht daher das nächste Unheil: der Hunger. Denn Nahrungsmittelknappheit führt zu steigenden Preisen. Lebensmittel müssen von weit her importiert werden, sind daher teuer und können von vielen Menschen nicht bezahlt werden. Missernten erhöhen somit das Konfliktrisiko in Ländern, deren Lebensgrundlage die Landwirtschaft darstellt. Zunehmende Krisen zwingen die einheimische Bevölkerung, ihre Heimat zu verlassen.

Luxusgut: Kaffee, Fisch und Obst?

Neben Missernten aufgrund von Dürre, versalzten Böden oder schweren Stürmen, beeinflusst auch die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingsbefall die Lebensmittelsicherheit negativ und kann zukünftig zu höheren Preisen bestimmter Lebensmittel führen.

So sorgen steigende Temperaturen, einhergehend mit einer fehlenden nächtlichen Abkühlung, für nachlassende Ernteerträge in kaffeeanbauenden Regionen weltweit. Auch Meeresfrüchte und Speisefische könnten bald zu Luxusgütern werden. Der hohe CO2-Gehalt in der Atmosphäre sorgt für eine Abnahme des pH-Werts im Meer, was gravierende Folgen für viele Meeresorganismen und marine Ökosysteme hat.

Der globale Temperaturanstieg sorgt zudem dafür, dass sich unter anderem die Orangenkrankheit „Gelber Drache“ von heißen Regionen Asiens über die Welt ausbreitet. Ausgelöst durch ein von Insekten übertragenes Bakterium führt sie in den USA zu dramatischen Ernteausfällen und verminderter Fruchtqualität. Die Krankheit bedroht neben Orangen weitere Zitruspflanzen wie Zitronen, Limetten und Grapefruits. Auch die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege fühlt sich in den zunehmend warmen Gefilden Europas heimisch und befällt Wein- und Obstanbaugebiete in ganz Europa.

Der Klimawandel wird zu einem immer drängenderen globalen Problem und ein rasches Handeln ist unabdingbar.
© Unsplash

Schnelles Handeln geboten

Die Klimakrise betrifft potenziell alle Aspekte der Ernährungssicherung, vom Zugang zu Lebensmitteln über die Nahrungsverwertung bis hin zur Preisstabilität. Fakt ist: Die Klimakrise wird zu einem immer drängenderen globalen Problem und ein rasches Handeln ist unabdingbar, denn schon heute bekommen mancherorts Landwirte und Fischer die verheerenden Folgen der klimatischen Veränderungen tagtäglich zu spüren. Eine weitere Zunahme der Erderwärmung hätte für große Teile der Menschheit katastrophale Folgen, unter denen ganze sozio-ökonomische Systeme zusammenbrechen könnten.

Dass wir für Kaffee, Fisch und Obst zukünftig viel Geld ausgeben müssen, ist derzeit noch unvorstellbar. Andere Lebensmittel sind jetzt schon wahre essbare Schätze. Ihr wollt wissen welche das sind? Dann schaut gleich bei unserem Beitrag über die exklusivsten Lebensmittel der Welt vorbei.

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