k.pur testet: A plant based diet

8. April 2021

In unserer Kategorie „k.pur testet“ nehmen wir regelmäßig für euch verschiedene Dinge unter die Lupe, probieren Produkte und Dienstleistungen aus, überprüfen spezielle Ernährungsweisen sowie neue Lifestyles im Selbstversuch und berichten von unseren Erfahrungen. Heute im Test: A plant based diet

Den Begriff plant based hört man immer häufiger. Wie so oft schafft es hier ein englischer Ausdruck, etwas kurz und knackig auf den Punkt zu bringen, was im Deutschen schon deutlich umständlicher klingt: pflanzenbasiert oder pflanzenbetont. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Zugegebenermaßen: Es ist eine schwammige Vokabel, die in unterschiedlichen Zusammenhängen und mit unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht wird und daher verwirrend sein kann. Entstanden ist sie irgendwann an dem Punkt, an dem klar wurde, dass „vegan“ ein neues Image braucht, um noch Menschen erreichen zu können, hatte doch die vegane Welle zwischenzeitlich so hochgeschlagen, dass sich viele schon aus Prinzip genervt von ihr abwandten. Zudem schien dem Veganismus etwas sehr Kompromissloses anzuhaften: Entweder man war Veganer auf ganzer Linie oder eben nicht. Vegan mit Ausnahmen – und seien es nur Schuhe aus Leder – stieß paradoxerweise bei Fleischessern nicht selten auf noch mehr Empörung als bei eingefleischten Veganern. Fehlende Konsequenz beim Veganismus – für genervte Omnivore ein gefundenes Fressen. Dabei bewegten sich schon von einer anderen Seite her positiv konnotierte Begriffe wie teilzeitvegetarisch und flexitarisch auf den weniger dogmatischen Veganismus zu, um schließlich mit plant based, pflanzenbasiert und pflanzenbetont zu einem unscharfen Spektrum zu verschmelzen, in dem sich quasi alle wiederfinden können, die nicht jeden Tag Fleisch essen. Die erste Frage, die ich mir also beim Projekt k.pur testet: A plant based diet stellen muss, ist: Was ändert sich jetzt eigentlich für mich?

Auch wenn plant based kein fest definierter Begriff ist, ist man sich doch überwiegend einig, dass es um eine Ernährungsweise geht, bei der pflanzliche Lebensmittel im Fokus stehen und tierische Produkte allenfalls ergänzen. Sozusagen der Gegenentwurf zum deutschen meat based Mittagessen, bei dem ein großes Stück Fleisch den halben Teller füllt und kaum Platz für Beilagen lässt. Schaut man sich die Empfehlungen unterschiedlicher Ernährungsinstitutionen an, sollte der pflanzliche Anteil der verzehrten Lebensmittel etwa bei rund 75 Prozent liegen. Eine Ernährung „nach Vorschrift“ wäre also schon eine ziemlich pflanzenlastige Ernährung. Und meinem Gefühl nach ernähre ich mich eh schon so. Fleisch und Wurst esse ich kaum, dafür habe ich frisches Gemüse und Obst eigentlich immer im Haus. Beim Gefühl will ich es aber nicht belassen und mache eine kleine Bestandsaufnahme. Und siehe da: Ja, es findet sich Obst und Gemüse in der Küche, aber eben auch Milch, Eier, Käse, Sahne, Butter, Joghurt, Quark, Honig und allerhand nicht-vegane Süßigkeiten. Man ernährt sich halt nicht automatisch pflanzenbasiert, nur weil man wenig Fleisch ist. Tierische Produkte umfassen mehr als Schnitzel und Steak. Wobei mir einfällt, dass ich am Wochenende essen war und Schnitzel bestellt habe. Danach gab es Schokoladeneis. Meine erste Erkenntnis bei k.pur testet: A plant based diet: Das Gefühl täuscht. Wenn man mal genauer hinschaut, isst man doch mehr tierische Produkte, als man denkt. Meine zweite Erkenntnis: Es ist inzwischen deutlich einfacher geworden, tierische Produkte durch leckere pflanzliche Alternativen zu ersetzen als dies noch vor zehn Jahren war, als ich mal ein paar Wochen vegan gelebt habe. Obwohl es auch damals schon deutlich einfacher war als noch mal zehn Jahre früher. Der Markt für pflanzliche Alternativen wächst rasant und bereichert alle Ernährungsformen von vegan über plant based bis flexitarisch mit unterschiedlichsten Produkten.

Weil ich für meinen pflanzenbasierten Selbsttest keine Lust habe, jede Mahlzeit auf ihren Pflanzengehalt zu überprüfen und am Ende noch einzelne Komponenten abzuwiegen und auszurechnen, ob ich schon bei 75 Prozent bin, überlege ich mir ein anderes Konzept. Ich lege eine bestimmte Menge an tierischen Produkten fest, die dann für einen Monat reichen soll: 1 Liter Milch, 6 Eier, 200 g Käse, 50 g Butter. Wenn der komplette Rest pflanzlich ist, wären das mehr als 75 Prozent, aber so lasse ich noch Spielraum für Ausnahmen und ehrlich gesagt liegt meine persönliche Benchmark für eine pflanzenbasierte Ernährung auch etwas höher. Ich definiere das für mich lieber als „vegan mit Ausnahmen“, es soll ja auch eine Herausforderung sein. Dass ich den Puffer für Ausnahmen recht schnell brauche, merke ich, als klar wird, dass ich Süßigkeiten nicht mitbedacht habe. Schokolade, Eis, Kuchen, süße Teilchen – es bewahrheitet sich mal wieder: Der Teufel steckt im Detail bzw. das tierische Produkt in mehr Dingen, als man denkt. Mir gefällt das Experiment. Es hilft mir, bewusst zu konsumieren und über das, was ich kaufe und esse, nachzudenken. Ich greife öfter auf alternative Produkte zurück und mische sie manchmal sogar mit den herkömmlichen. Warum nicht? Einmal gibt es Spaghetti Carbonara mit Räuchertofu statt Speck und einer pflanzlichen Cuisine statt Sahne, aber trotzdem mit Ei und Käse. Köstlich. Der genervte Fleischesser würde in Anbetracht dieser Absurdität wohl den Kopf schütteln. Der teilzeitvegane Flexitarier würde vielleicht nach dem Rezept fragen.

Fazit: Mein Test wird zum Langzeitprojekt. Ich möchte nicht mehr nur das Gefühl haben, dass ich mich überwiegend pflanzlich ernähre, sondern es auch wissen. Tierische Produkte – und auch Produkte, die tierische Zutaten enthalten – kaufe ich nur noch bewusst und in begrenzten Mengen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich bin davon überzeugt, dass in puncto nachhaltiger Ernährung mehr gewonnen ist, wenn viele Menschen ein bisschen was besser machen, als wenn wenige alles richtig machen. Die Zukunft liegt weder im kompromisslosen Veganismus, noch im ignoranten Weiterso. Bewusster Konsum, hinschauen, nachdenken, Neues ausprobieren. Nicht verzichten, sondern Vielfalt genießen. Ob man das dann pflanzenbetont oder flexitarisch nennt, ist ja eigentlich egal.

Noch mehr zum Thema bewusster Konsum erfahrt ihr auch in unserem Beitrag Beim Einkauf die Umwelt schützen: Was sind klimaneutrale Lebensmittel?

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