Neuer Studiengang: Ernährungswissenschaft und Prävention

3. September 2020

Im September 2020 wird der neue Studiengang „Ernährungswissenschaft und Prävention“ an der SRH Fernhochschule – The Mobile University aus der Taufe gehoben, der für uns als Food-PR-Agentur sehr spannend ist, da er den Zeitgeist bedient. Prof. Dr. Bianca Müller ist der konzeptionelle Kopf hinter der Entwicklung des Studiengangs. Sie wird als verantwortliche Studiengangsleiterin den Studiengang betreuen und verrät uns im Interview, welche Beweggründe bei der Konzeption eine Rolle gespielt haben, welche Zielgruppe die Hochschule ansprechen möchte und wie sich der Studiengang im bestehenden Marktumfeld der bereits seit vielen Jahren etablierten Studiengänge rund um die Thematik Ernährungswissenschaft positioniert.

Neuer Studiengang von Prof. Müller
© SRH Fernhochschule – The Mobile University

Sie sind Oecotrophologin und haben nach dem erfolgreichen Studienabschluss an der Technischen Universität in Freising-Weihenstephan eine Promotion draufgesattelt. Welche beruflichen Stationen folgten danach?

Prof. Dr. Bianca Müller: Nach Beendigung meines Studiums habe ich zunächst eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen und mich im Rahmen meiner Promotion intensiv dem Thema ‚Untersuchungen zum Einsatz von Schnellmethoden zur Qualitätssicherung in der Gemeinschaftsverpflegung‘ gewidmet. Während dieser Zeit war ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung (ZIEL) in der Abteilung Bioanalytik Weihenstephan an der Technischen Universität München in Freising tätig. Nach einer weiteren Station als Leiterin der Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung bei der QSE GmbH, bin ich nun seit 2015 Professorin für Lebensmittelmanagement und -technologie an der SRH Fernhochschule – The Mobile University.

Und in dieser Funktion haben Sie nun den neuen Studiengang‚ Ernährungswissenschaft und Prävention‘ konzipiert, der im September starten wird. Wie lange muss man sich den Zeitraum vorstellen, von der ersten Idee für einen neuen Studiengang bis zum Moment, an dem man Studierende in der ersten Vorlesung begrüßen darf?

Prof. Dr. Bianca Müller: Den Wunsch, einen Studiengang im Bereich Ernährung bei uns an der SRH Fernhochschule zu etablieren, hatte ich tatsächlich schon, seit ich 2015 hier angefangen habe. Der Gedanke ist über die Jahre ausgereift. Ich habe die ausgearbeitete Produktidee vor gut einem Jahr an die Hochschulleitung weitergegeben. Unsere Hochschule ist sehr entwicklungsfreudig, immer Ideen gegenüber aufgeschlossen, und daher war ich mir sicher, dass auch mein neues Baby auf Gehör stoßen würde. Ein unfassbarer Vorteil ist es, dass die Prozesse hier sehr schlank sind und wir zeitnah Rückmeldung erhalten, ob ein neuer Studiengang auch wirklich Chancen hat, in Zukunft im Programm aufgenommen zu werden. Und da habe ich schnell grünes Licht erhalten. Da wir aber keinen Zeitdruck hatten, war mir die interne Diskussion mit den Kollegen sehr wichtig und hat mir auch viele positive Impulse gegeben, mit denen ich das Konzept noch mal justieren konnte. Aber zurück zur Frage, ein Jahr Entwicklungsarbeit muss schon veranschlagt werden.

Welche Meilensteine müssen übersprungen werden, bis ein solcher Studiengang implementiert und genehmigt ist?

Prof. Dr. Bianca Müller: Nach Einreichung der Produktidee wird natürlich erst einmal intern diskutiert, ob der Studiengang grundsätzlich ins Produktportfolio der Hochschule passt. Und natürlich abgeklopft, welches Marktpotenzial er hat. Dazu habe ich mir die Meinung von Kollegen, möglichen zukünftigen Arbeitgebern und potenziellen Studierenden eingeholt. Sobald die Produktidee vom Rektorat genehmigt ist, geht es an die Vorbereitung der zur Konzeptakkreditierung notwendigen Unterlagen. Erstellt werden müssen beispielsweise das Modulhandbuch mit einer genauen Beschreibung aller Module, die Studien- und Prüfungsordnung und die Vorstudie, in der beispielsweise Kompetenzziele genauer erläutert werden. Zeitgleich müssen die Studienbriefe und sonstige Lehr- und Lernmaterialien aufbereitet werden. Das ist die arbeitsintensivste Prozessphase. Bei der Konzeptakkreditierung wird der Studiengang von einer Gruppe externer Gutachter auf Herz und Nieren geprüft. Das Prüfgremium setzt sich aus einem Gutachter aus der Praxis, einem Fachgutachter von einer anderen Hochschule sowie einem studentischen Gutachter zusammen. Sie alle sichten die Unterlagen und haben die Möglichkeit, derzukünftigen Studiengangsleiteung in einem gemeinsamen Termin Fragen zu stellen sowie Anmerkungen, Empfehlungen und Auflagen auszusprechen. Für den Studiengang Ernährungswissenschaft und Prävention fand dieser Termin Mitte Juni statt. Er ist sehr gut gelaufen und es waren im Nachgang praktisch keine Änderungen notwendig. Die nun noch ausstehende finale Genehmigung durch die Akkreditierungskommission auf Basis des Gutachtens ist daher nur noch eine Formsache und wird im August 2020 erfolgen.

Von welchen Stellen muss ein solcher Studiengang genehmigt werden?

Prof. Dr. Bianca Müller: Als ersten Schritt gilt es, die Hochschulleitung von den Marktchancen und dem Konzept zu überzeugen. Die finale Instanz stellt dann die Akkreditierungsstelle dar. Die SRH Fernhochschule ist systemakkreditiert, wobei sich die Akkreditierungskommission aus Vertretern verschiedener SRH Hochschulen zusammensetzt. Die Experten der Hochschule, die einen neuen Studiengang akkreditieren möchte, sind bei der Begutachtung dann natürlich nicht involviert.

Welche Kernfächer prägen den Studiengang?

Prof. Dr. Bianca Müller: In diesem interdisziplinär angelegten Studiengang beschäftigen sich die Studierenden intensiv mit dem Thema Ernährung, mit den Grundlagen der Anatomie und Physiologie, Biochemie, Ernährungslehre, Ernährungsmedizin und Diätetik sowie Ernährungspsychologie. Zusätzlich werden im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise aber auch andere gesundheitsrelevante Themen wie beispielsweise Bewegung und Entspannung gelehrt. Auch die Gesundheitskommunikation wird thematisiert, wodurch die Absolvent*innen optimal auf eine spätere Tätigkeit in der Ernährungsberatung vorbereitet werden. Selbstverständlich sind daneben naturwissenschaftliche Grundlagen ein Muss: Chemie, Biologie, Mikrobiologie sowie Lebensmittelchemie. Da wir das Feld, in dem die Absolvent*innen später eine Anstellung finden werden, breit aufgezogen haben, sind im Studiengang auch Grundlagen aus dem Bereich Lebensmitteltechnologie enthalten: Lebensmittelwarenkunde, Grundlagen der Verarbeitung, Lebensmittelrecht, Sensorik sowie Qualitäts- und Risikomanagement. Abgerundet wird die Wissensvermittlung durch relevante wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen.   

In welchen Punkten unterscheidet sich der Studiengang von den bereits existierenden Bachelor- und Masterstudiengängen der Ernährungswissenschaft und verwandten Abschlüssen?

Prof. Dr. Bianca Müller: Wir haben natürlich versucht, ein sehr ausgewogenes, umfassendes Curriculum zusammenzustellen, mit Modulen aus den Bereichen Ernährung, Lebensmittelverarbeitung und Wirtschaftswissenschaften sowie Wahlmöglichkeiten in den Themenfeldern Unternehmensgründung, Gesundheitswesen, Medien und Kommunikation. Hauptsächlich unterscheiden wir uns durch die ganzheitliche Betrachtungsweise, mit der wir an die Konzeption herangegangen sind. Durch Module wie Gesundheitspsychologie und angewandte Prävention im Bereich Entspannung und Bewegung wird über den Tellerrand hinausgeschaut und eine breit aufgestellte, solide Ausbildung angestrebt, bei der die ganzheitliche Sichtweise geschult werden soll. Das macht auch der Studiengangstitel deutlich: Ernährungswissenschaft und Prävention.

Wie haben die Branche, die Verbände und die Kollegen aus dem wissenschaftlichen Umfeld auf die neue Möglichkeit für Studierende reagiert?

Prof. Dr. Bianca Müller: Ich habe tatsächlich bisher nur positives Feedback bekommen – von Fachkollegen aus dem Hochschulbereich, aus der Praxis und von potenziellen Studierenden. Wir haben auch schon begonnen, die Werbetrommel zu rühren, und bekommen regelmäßig Anfragen.

Welche Anforderungen/Voraussetzungen müssen Studierende mitbringen, um zum Studiengang zugelassen zu werden?

Prof. Dr. Bianca Müller: Sie müssen die Zulassungsvoraussetzung nach dem Landeshochschulgesetz Baden-Württemberg erfüllen. Das bedeutet, entweder eine allgemeine Hochschulreife, eine fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife vorzuweisen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, das Studium ohne Abitur mittels einer sogenannten Aufstiegsfortbildung wahrzunehmen. Konkret heißt das, dass Meister oder Fachwirte einschlägiger Ausbildungen, wie beispielsweise Bäcker, Konditoren oder Metzger, mit einem verpflichtenden Beratungsgespräch mit mir genauso zugelassen werden können. Eine weitere Möglichkeit ist das Studieren ohne Abitur mittels Eignungsprüfung. Dahinter verbergen sich eine erfolgreich absolvierte zweijährige Ausbildung plus drei Jahre Berufserfahrung im entsprechenden Bereich sowie eine bestandene Eignungsprüfung und das bereits erwähnte Beratungsgespräch mit mir als Studiengangsleiterin.

Das Angebot richtet sich an Berufstätige, die bereits in der Lebensmittelbranche oder im Gesundheits- beziehungsweise Sozialwesen arbeiten und sich speziell im Bereich Ernährung und Prävention akademisch weiterbilden möchten. Wir sehen jedoch auch Quereinsteiger, die in anderen Bereichen tätig sind und sich im Ernährungsumfeld etablieren wollen.

Es handelt sich um einen berufsbegleitenden Studiengang, der mit einem Mix aus Online-Vorlesungen und Präsenz-Veranstaltungen konzipiert ist. Ist das Studium mit einem Vollzeitjob machbar?

Prof. Dr. Bianca Müller: Ja, das haben unsere Studierenden in vielen anderen Studiengängen bewiesen. Natürlich ist ein hohes Maß an Selbstverantwortung, Disziplin und Einsatzbereitschaft notwendig. Wir von unserer Seite haben die Studiengänge sehr flexibel konzipiert und die Prozesse so optimiert, dass sie berufsbegleitend machbar sind. Das heißt, dass man orts- und zeitunabhängig lernen kann. Bis auf zwei Laborwochenenden sind alle Begleitveranstaltungen freiwillig. Online-Vorlesungen und -Sprechstunden finden in den Kernzeiten zwischen 19 und 21 Uhr statt und sind dadurch mit dem Beruf gut vereinbar. Live-Veranstaltungen werden in der Regel am Wochenende angeboten. Die Theorie ist zudem in Videos aufbereitet, auf die man, genauso wie auf alle schriftlichen Unterlagen, jederzeit Zugriff hat. Außerdem gibt es noch eine Reihe digitaler Lernmaterialien, die wir zur Verfügung stellen, beispielsweise Podcasts und Quizfragen.

In welchen Positionen sehen Sie Ihre Absolventen arbeiten? Werden sie eher für produzierende Unternehmen, also eine Anstellung in der Lebensmittelindustrie, für die Beratung oder die Wissenschaft ausgebildet?

Prof. Dr. Bianca Müller: Absolvent*innen können in allen genannten Bereichen Fuß fassen, wobei wir möglichst praxisorientiert arbeiten und vor allem die ersten beiden Bereiche ins Auge gefasst haben: Ernährungsberatung und Lebensmittelindustrie mit möglichen Positionen in der Produktentwicklung, Qualitätsmanagement, -sicherung sowie dem Marketing.

Neben diesem neuen Studiengang betreuen Sie als Studiengangsleiterin auch noch den Studiengang „Lebensmittelmanagement und -technologie“. Das bedeutet eine Menge Arbeit. Ist es personell zu stemmen und eine umfassende Betreuung der Studierenden beider Fächer gewährleistet?

Prof. Dr. Bianca Müller: Natürlich ist das gerade zum Studienstart, wenn viele Prozesse noch eingespielt und Studienunterlagen konzeptionell neu aufgesetzt werden müssen, eine herausfordernde Aufgabe. Aber ich bin nicht allein, da ich die Unterstützung vieler Kollegen aus dem Team bekommen werde, die die Vorlesungen in bestimmten Themenfeldern verantworten werden. Der Vorteil überwiegt in diesem Fall. Denn da ich für beide thematisch doch ähnliche Studiengänge verantwortlich bin, kann ich die Interessierten bei der Studienwahl optimal beraten.

Mit welchen Kosten muss man vom ersten Studientag bis zum erfolgreichen Abschluss rechnen?

Prof. Dr. Bianca Müller: Als private Hochschule finanzieren wir uns vollständig über die Studiengebühren. Unseren Studierenden bieten wir zwei Zahlungsmodelle an. Der Flex-1-Tarif sieht eine monatliche Studiengebühr von 388 Euro vor, die über einen Zeitraum von 36 Monaten zu zahlen ist. In diesem Fall summiert sich die Monatsgebühr zu Gesamtkosten in Höhe von 13.968 Euro für den Studiengang auf. Beim Flex-2-Tarif ist die monatliche Gebühr mit 299 Euro niedriger, dafür ist der angesetzte Zeitraum mit 50 Monaten länger. Die Gesamtkosten betragen 14.950 Euro. Mit der Monatsgebühr bekommen die Studierenden ein, ich nenne es mal Rundum-Sorglos-Paket und eine kontinuierliche Betreuung. In den genannten Kosten ist alles enthalten, was die Studierenden zum erfolgreichen Abschluss benötigen, wie beispielsweise alle Studienmaterialien in digitaler Form. Wir erhalten immer wieder die Rückmeldung, dass es sich um einen fairen Preis für eine faire Leistung handelt. Wichtig ist es mir, in diesem Zusammenhang auch auf die umfassende Betreuung bis zur doppelten Regelstudienzeit, also insgesamt 72 Monate, hinzuweisen. Das ermöglicht eine große Flexibilität und berücksichtigt auch Phasen, wenn das Studium aufgrund hoher Inanspruchnahme im Beruf kurzfristig zurückgestellt werden muss. Es fallen keine zusätzlichen Gebühren an, wenn Prüfungen wiederholt werden müssen oder wenn Urlaubssemester eingelegt werden. Damit sich jeder Studierende auch sicher ist bei der Studienwahl, bieten wir ein vierwöchiges Teststudium an; in diesem Zeitraum kann man jederzeit vom Vertrag zurücktreten. Die Testphase bleibt dann kostenlos.

Bis September ist es nun nicht mehr lange hin. Wie ist die Resonanz? Haben sich schon Studierende angemeldet? Wie viele Studierende erwarten Sie pro Semester?

Prof. Dr. Bianca Müller: Durchweg sehr positiv. Die ersten Anmeldungen sind bereits eingegangen und ich habe einige Informationsgespräche geführt, wo ich mir sehr sicher bin, dass der Studiengang für den Interessierten genau das Richtige sein wird. Wir sind guter Dinge und wünschen uns im ersten Jahr 20 Studierende. Natürlich hoffen wir, dass sich die Qualität des Studiengangs herumspricht und wir in naher Zukunft bei 40 Immatrikulationen pro Jahr landen.

Die SRH Fernhochschule – The Mobile University ist Teil der SRH Higher Education, die ein führender, privater Träger mit sieben Hochschulen und einer Universität ist. Die SRH Higher Education bietet mit über 150 Studiengängen ein breites Spektrum für aktuell 13.940 Studierende an. An der SRH Fernhochschule selbst, die sich auf ein berufsbegleitendes Online-Studium spezialisiert hat, studieren derzeit 5.800 Studierende.

Wer sich intensiver mit der Welt der Ernährungswissenschaften beschäftigen möchte, in welchen Feldern die Ernährungsexperten tätig sind und welchen Herausforderungen sich der BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE)  täglich stellt, der findet auf unserem Agenturblog einige spannende Beiträge. In der Interviewreihe „Bloggende Ökotrophologinnen“ berichtet unter anderem Gabi Freitag-Ziegler, wie es dazu gekommen ist, dass sie einen eigenen Blog betreibt. Zudem sprachen wir mit Dr. Andrea Lambeck, Geschäftsführerin des VDOE, über ihre ersten 100 Tage im damals neuen Job.

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