Supermarkt-Psychologie: Wieso kaufen wir, was wir kaufen?

19. Januar 2022

Der Plan, nur mal kurz in den Supermarkt zu gehen und ein paar Kleinigkeiten zu kaufen, endet häufig mit einem vollen Einkaufswagen. Doch warum fällt es uns so schwer, nur das Nötigste zu kaufen? Die Antwort ist einfach: Die psychologischen Tricks der Supermärkte haben funktioniert. Im Folgenden zeigen wir euch, welche psychologischen Fallen beim Einkaufen lauern und wie ihr diese umgehen könnt.

Supermarkt-Psychologie Nr. 1: Einkaufswagen

Schon bevor wir den Supermarkt betreten, lauert die erste psychologische Falle: der Einkaufswagen. Hier sind gleich mehrere Tricks in einem Gegenstand vereint. Der Einkaufswagen ist zum einen sehr groß, sodass er selbst mit mehreren Packungen Nudeln und Co. noch relativ leer aussieht und uns suggeriert, dass noch ausreichend Platz für mehr ist. Zum andern sind die Gitterböden meist leicht geneigt. Dies hat den Effekt, dass Waren in Richtung des Kaufenden rollen, also aus dessen Blickfeld. Der Wagen sieht dadurch ebenfalls vergleichsweise leer aus. Viele Einkaufswägen sind zudem mit leichten Rollen ausgestattet, was das Schieben selbst in vollem Zustand angenehm macht und dem Unterbewusstsein signalisiert, dass wir noch nicht viel aus dem Regal genommen haben.

Supermarkt-Psychologie Nr. 2: Rechts rein in den Laden

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Eingang von Supermärkten in der Regel an der rechten Seite des Gebäudes liegt? Im Laden selbst geht es dann linksherum, bis man wieder bei der Kasse landet. Das hat einen einfachen Grund: Menschen sind kauffreudiger, wenn ein Supermarkt diesem Aufbau folgt. Tests haben gezeigt, dass solche „linksdrehenden“ Supermärkte höhere Umsätze erzielen. Da rund zwei Drittel der Kaufentscheidungen aus der Emotion heraus getroffen werden, wollen Supermarktbetreibende eine Atmosphäre schaffen, die zum Kauf verleitet.

Supermarkt-Psychologie Nr. 3: Temperatur und Musik

Häufig ist der erste Gedanke beim Eintreten: Angenehm kühl hier! Auch das ist kein Zufall. Die Temperatur in Supermärkten ist in der Regel auf 19 °C eingestellt. Wäre es kälter, würden die Kundinnen und Kunden frieren und den Laden schnell wieder verlassen wollen. Wäre es wärmer, würden sie dagegen träge werden und schlechter Entscheidungen treffen. Neben einer optimalen Temperatur soll angenehme Hintergrundmusik zum Verweilen und Einkaufen anregen und für gute Laune sorgen.

Supermarkt-Psychologie Nr. 4: Obst, Gemüse und Blumen am Eingang

Schöne Blumen sowie buntes Obst und Gemüse am Eingang sollen uns eine ansprechende Atmosphäre vermitteln und ebenfalls die Stimmung steigern. Zudem soll der Appetit für den nachfolgenden Einkauf beim Anblick der frischen Waren gesteigert werden. Das Besprühen des Obsts und Gemüses suggeriert zusätzliche Frische und führt dazu, dass mehr Obst und Gemüse im Einkaufskorb landen.

Psychologie im Supermarkt: Frische, bunte Ware soll Appetit machen
© Canva

Supermarkt-Psychologie Nr. 5: Lange Wege

Produkte, die wir häufig kaufen, wie beispielsweise Eier oder Milchprodukte, befinden sich oftmals genau am anderen Ende des Supermarktes. Die Einkaufenden können also nicht schnell rein und wieder raus, sondern sind gezwungen die langen Gänge zu passieren. Das erhöht die Chance, dass noch weitere Produkte in den Einkaufswagen gelegt werden, deutlich.

Supermarkt-Psychologie Nr. 6: Markenprodukte auf Augenhöhe

Teure Markenprodukte befinden sich in den Regalen in der unmittelbaren Sichtzone, das heißt ungefähr 1,40–1,80 Meter über dem Boden. Nach billigen Konkurrenzprodukten muss sich dagegen gebückt oder gestreckt werden. Markenprodukte für Männer werden oft etwas höher platziert als teure Produkte speziell für Frauen. Häufig wird neben einem preiswerten und einem teuren Produkt noch ein sehr hochpreisiges platziert. Durch diesen Trick erscheint das teure Produkt plötzlich als gar nicht mehr so kostspielig.

Supermarkt-Psychologie Nr. 7: Passende Beleuchtung

Vor allem frische Waren erhalten häufig eine spezielle Beleuchtung. Die eigene Farbe des Produkts soll dadurch verstärkt werden, denn farbintensive Produkte vermitteln Frische. Dementsprechend wird die Fleischtheke mit rötlichem Licht angestrahlt, die Fischtheke erhält eine Beleuchtung mit mehr bläulichem Anteil und die Käsetheke entsprechend mehr gelbliche Beleuchtung.

Psychologie im Supermarkt: Durch passende Beleuchtung soll die Farbe des Produkts verstärkt werden.
© Getty Images

Supermarkt-Psychologie Nr. 8: Quengelware im Kassenbereich

Habt ihr euch dann endlich durch den Supermarkt gekämpft und steht mit eurem vollen Einkaufswagen am Kassenband, findet ihr euch direkt in der „Quengelzone“ wieder. Das ist genau der Bereich an der Kasse, an dem nochmals Süßigkeiten für Kinder platziert sind. Genervte Eltern geben hier allzu oft dem quengelnden Nachwuchs nach und legen um des Friedens willen den lautstark geforderten Schokoriegel aufs Band. Doch nicht nur Kinder werden an der Kasse noch einmal in Versuchung geführt. Was für Kinder die Süßigkeiten sind, ist für Erwachsene der Zeitungs- und Magazinbereich. Diese eignen sich gut, um während des Wartens an der Kasse die neuesten Schlagzeilen zu lesen und ein bisschen zu blättern. Geht es dann weiter in der Schlange, werden die Zeitschriften gerne kurzerhand auf das Band gelegt.

Die Tricks umgehen

Ihr möchtet nicht mehr kaufen, als ihr wirklich benötigt? Hier ein paar Tipps, wie ihr euch vor den psychologischen Tricks im Supermarkt schützen könnt.

  1. Einkaufszettel schreiben und strikt danach einkaufen.
  2. Zum Einkaufskorb greifen, da dieser dabei hilft, sich auf den Kauf des Wesentlichen zu beschränken.
  3. Sich auch mal strecken und bücken. No-Name-Produkte oder Hausmarken sind von der Qualität her oft vergleichbar und dazu noch günstiger. Hierfür lohnt es sich, häufiger nach unten oder oben zu sehen und Preise zu vergleichen.
  4. Bar zu bezahlen hat den Vorteil, dass nicht mehr Geld ausgegeben werden kann, als sich im Geldbeutel befindet.
  5. Selbstbedienungskassen nutzen. So hat man keine Hand für unnötige Zeitschriften oder Schokolade frei.

Wir sollten uns bewusst machen, dass wir uns nicht allen psychologischen Tricks der Supermärkte entziehen können. Die Tricks zu kennen und auf einige Dinge zu achten, bewahrt uns jedoch davor, unnötig viel zu kaufen. Das spart nicht nur Geld, sondern vermeidet auch unnötige Lebensmittelabfälle. Gerade Letzteres rückt zunehmend in das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten und verleiht der Zero-Waste-Bewegung neue Dynamik. Mehr zum Zero-Waste-Trend könnt ihr in unserem Beitrag über die Foodtrends 2022 lesen.

Falls euch das Thema „psychologische Mechanismen“ interessiert, empfehle ich unseren Beitrag zum Thema Hamstern. In diesem erfahrt ihr, welche Mechanismen genau hinter dem Phänomen der Hamsterkäufe stecken.

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