Zucker in der Diskussion

26. Februar 2018

Einen Teelöffel Zucker in den Kaffee am Morgen, dazu ein Schokocroissant, zwischendurch ein Glas Apfelsaftschorle, zum Mittagessen eine Bratwurst mit Ketchup, um das Nachmittagstief zu überwinden ein Stück Schokolade und am Abend eine Aufbackpizza, weil es schnell gehen muss. Häufig ist uns gar nicht bewusst, wie viel Zucker wir im Laufe eines Tages essen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)  sind es bei Frauen durchschnittlich ca. 100 Gramm und bei Männern ca. 107 Gramm Zucker pro Tag. Das ist doppelt so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt. In ihren Richtlinien liegt die Empfehlung für freien Zucker bei zehn Energieprozent pro Tag, was einer Menge von 50 Gramm (ca. zehn Teelöffel) entspricht. Dieser Wert ist der WHO eigentlich noch zu hoch, und seit 2015 fordert sie eine Reduzierung auf fünf Prozent der Gesamtenergie, was etwa 25 Gramm (fünf Teelöffel) entspricht. Unter freiem Zucker versteht man Zuckerarten wie Traubenzucker, Haushaltszucker und Malzzucker, aber auch alternative Süßungsmittel wie Honig, Sirup, Fruchtkonzentrate etc. Nicht dazu zählen natürlich vorkommende Zucker wie Frucht- und Milchzucker.
Zucker und vor allem zuckerhaltige Getränke sind mit der Entstehung von Übergewicht und einem erhöhten Risiko für Diabetes Typ 2 verbunden. Die Reduktion soll helfen, eine ungesunde Gewichtszunahme und Zahnkaries besser zu kontrollieren bzw. Folgeerkrankungen wie beispielsweise Diabetes vorzubeugen.

Ampel, Zuckersteuer oder Ernährungsbildung?

Verbraucherschützer fordern schon seit Langem eine Ampel, die mit Signalfarben anzeigt, ob ein Lebensmittel beispielsweise zu viel Zucker enthält, oder eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Auch die Lebensmittelindustrie wird aufgefordert, den Gehalt an Zucker sowie Fett und Salz in Lebensmitteln zu reduzieren. Diskutiert werden Maßnahmen in der Ernährungsbildung sowie neue Deklarationsvorschriften für Nährwertangaben. Aber ist daneben nicht auch jeder Einzelne für die eigene Gesundheit verantwortlich? Sind Erwachsene nicht mündig genug, um selbst entscheiden zu können bzw. zu wissen, wie viel Zucker ihnen guttut? Ist es nicht eigentlich so, dass jedem bewusst ist, dass es gesünder ist, Mineralwasser statt Limonade zu trinken oder einen Apfel statt eines Schokoriegels zu essen? Liegt es nicht in meiner eigenen Verantwortung, wenn ich mich dafür entscheide, lieber eine Tiefkühlpizza zu essen, statt mir frisches Gemüse mit Reis zu kochen? Traue ich als Ernährungsexpertin dem „Laien“ zu viel zu? Ich bin jedenfalls der Meinung, dass es nicht alleine in der Verantwortung der Lebensmittelindustrie liegt. Viel mehr glaube ich an einen Mix aus verschiedenen Maßnahmen. Zum Beispiel eine Förderung der Ernährungsbildung, Verhaltensprävention, Nudging in der Gemeinschaftsverpflegung usw. Zudem darf man aus meiner Sicht nicht nur einen einzelnen Faktor, in diesem Fall den Zucker, allein verantwortlich für Übergewicht und seine Folgen machen. Es ist die Kombination von zu vielen Kalorien und zu wenig Bewegung.
Dass das Thema Zuckerreduktion auch für die Lebensmittelindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigen die folgenden Maßnahmen:

REWE – du bist Zucker

REWE hat im Januar eine, wie ich persönlich finde, tolle Kampagne ins Leben gerufen. Der Konsument konnte den Schokopudding der Eigenmarke REWE Beste Wahl in vier verschiedenen Zuckerstufen testen: nach dem Originalrezept sowie mit 20, 30 und 40 Prozent weniger Zucker. Das Ergebnis war eindeutig: 45,02 Prozent und damit beinahe jeder Zweite der über 100.000 Teilnehmer stimmten für den Pudding mit 30 Prozent weniger Zucker. Ab Mai ist diese neue Rezeptur nun im Handel erhältlich, und auch in weiteren 100 Produkten der Eigenmarken soll der Zuckeranteil reduziert werden. Die Aktion hat den Konsumenten dazu eingeladen mitzumachen, selbst zu testen und dabei auch ein Aha-Erlebnis zu haben. Er durfte selbst entscheiden, was ihm am besten schmeckt, und wurde so vielleicht unterbewusst auch angeregt, über seinen Zuckerkonsum nachzudenken. REWE möchte so einen relevanten Beitrag dazu leisten, die Gesamtaufnahme an Zucker bei den Kunden zu reduzieren.

Alpro – gesüßt und ungesüßt

Alpro lässt seinen Kunden die Wahl. Seit mehreren Jahren bietet das Unternehmen neben den gesüßten pflanzlichen Drinks und Soja-Joghurtalternativen auch zahlreiche Produkte in der ungesüßten Version mit 0 Gramm Zucker an. Der Konsument kann so selbst entscheiden, ob er zu der Version mit oder ohne Zucker greift. Verglichen mit Milch, enthält der Sojadrink Original sowieso fast halb so viel Zucker wie die gleiche Menge Kuhmilch (Kuhmilch: 9,6 g Zucker pro 200 ml, Sojadrink Original: 5 g Zucker auf 200 ml). Neu ist auch die Soja-Joghurtalternative mehr Frucht ohne Zuckerzusatz. Die beiden Sorten Mango und Kirsche enthalten 50 Prozent weniger Zucker und 40 Prozent mehr Frucht als durchschnittliche Fruchtjoghurts am Markt und verzichten dabei gänzlich auf Zuckerzusatz und Süßstoffe.

Danone und Nestlé

Natürlich sind auch die ganz Großen dabei, wenn es um das Thema Zuckerreduktion geht. Nestlé hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 weltweit 18.000 Tonnen Zucker einzusparen, was der Menge von fünf Milliarden Stück Würfelzucker entspricht. Der Zuckergehalt in allen Produkten soll dabei um durchschnittlich fünf Prozent gesenkt werden. Und auch Danone hat sich Nährwertziele bis 2020 gesetzt. Dem Unternehmen ist wichtig, dass auch die zuckerreduzierten Produkte den Geschmack des Konsumenten treffen. Ein Beispiel ist der Fruchtzwerg. Seit seiner Markteinführung im Jahr 1981 wurde der Energiegehalt um mehr als 35 Prozent gesenkt, erreicht wurde dies durch die mehrmalige Reduktion des Fett- und Zuckergehaltes. Der Verbraucher wurde so Schritt für Schritt an den weniger süßen Geschmack des Produkts gewöhnt.

DLG-Studie zur Reduktion von Zucker

Eine aktuelle Studie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)  verdeutlicht, dass bei den Verbrauchern wenig Wissen über Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln vorhanden ist. Geschmackseinbußen durch eine radikale Reduktion von Zucker oder Salz werden von Verbrauchern nicht gut angenommen, daher wird eine moderate Reduktion empfohlen. Die DLG-Studie widerlegt leider meine These, dass Verbrauchern der Konsum zuckerhaltiger bzw. ungesunder Lebensmittel eigentlich bewusst sein müsste; dennoch zeigen auch die Beispiele der Unternehmen, dass die Lebensmittelindustrie bereits erste Maßnahmen ergreift.
Noch nicht genug vom Thema Ernährung? Dann interessiert Sie vielleicht, wie unsere Ernährung 2030 aussehen könnte. Hier lesen.

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