Essen in Coronazeiten: So hat sich unser Essverhalten geändert

26. Februar 2021

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf unseren Arbeitsalltag hat, spüren wir tagtäglich am eigenen Leib. Die einen haben auf einmal deutlich mehr Zeit als früher, weil sie sich lange Arbeitswege sparen und fokussiert im Homeoffice arbeiten. Bei anderen hat sich die Arbeitsbelastung vervielfacht, weil neben der Erwerbstätigkeit auch noch die Betreuung von Kindern und Angehörigen dazugekommen ist. Allen gemeinsam ist dabei, dass aufgrund geschlossener Kantinen, Mensen und Gastronomie auch der Essenszubereitung eine, mitunter neue, bedeutende Rolle zukommt.

Dabei wirkt die Pandemie in vielen Bereichen wie ein Teilchenbeschleuniger: Veränderungsprozesse, die gerade erst in Gang gekommen sind, oder neue Verhaltensweisen und Trends, die normalerweise erst in einigen Jahren allgegenwärtig gewesen wären, sind praktisch über Nacht aktueller denn je. Wir haben uns einmal die wichtigsten im Ernährungsbereich angeschaut.

Trend 1: Es wird wieder mehr selbst gekocht

Und zwar meint selbst gekocht wirklich zubereitet und nicht nur die Suppe aufgewärmt oder die Pizza aufgebacken. Bei einer Befragung des Zukunftsinstituts im Auftrag von BSH gaben 62 Prozent der Befragten an, dass es ihnen wichtiger geworden ist, selbst zu kochen[1]. Nicht zuletzt, weil Mahlzeiten dabei helfen, den Alltag zu strukturieren. Auch eine repräsentative Befragung des Marktforschungsinstitutes Kantar im Auftrag der Heinz-Lohmann-Stiftung fand heraus, dass jeder vierte Deutsche in den vergangenen Monaten häufiger als in der Zeit vor Corona gekocht hat[2].

Trend 2: Sieh das Gute liegt so nah

Ein weiteres Corona-Symptom: Das Bewusstsein für ein nachhaltigeres Ess- und Einkaufsverhalten hat einen Schub bekommen. Denn wir alle sehnen uns nach Sicherheit und finden sie in Lieferdiensten, Online-Portalen und vor allem vermehrt in regionalem Bio-Gemüse, das bis vor die Haustür geliefert wird. Laut Gesellschaft für Konsumforschung stieg die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in den ersten Pandemiemonaten deutlich stärker als der restliche Lebensmittelhandel. Denn die Pandemie hat den Wunsch nach gesunder Ernährung, aber auch den Wunsch, regionale Anbieter zu unterstützen, verstärkt. Und wer einmal entdeckt hat, wie ungemein bequem es ist, regionale Lebensmittel online einzukaufen und sich die Produkte nach Hause liefern zu lassen, überlegt sich in Zukunft zweimal, ob er den Weg zum Supermarkt wirklich auf sich nehmen will.

Trend 3: Soft Health

Sich ausgewogen und vielfältig ernähren – dafür steht Soft Health. Statt strikter Verbote geht es bei diesem Trend um ein ganzheitliches Verständnis von gesunder Ernährung. Dieser Trend, der erstmals 2015 im Food-Report erwähnt wurde, hat im Zuge der Pandemie deutlich an Fahrt aufgenommen. Bestes Beispiel: der Boom von Frischobst im Lebensmitteleinzelhandel. Denn Obst gehörte nach Teigwaren und Konserven zur Produktgruppe mit dem dritthöchsten Verkaufsanstieg. Und gekocht wird laut BSH-Studie am liebsten abwechslungsreich und kreativ mit frischen Zutaten.

Trend 4: DIY-Food

Auch der Trend zu DIY-Food hat mit der Krise neuen Schwung bekommen. Fotos mit selbst zubereitetem Essen füllen die Social Media-Kanäle. Rezepttauschbörsen, Koch- und Einmachanleitungen sowie Foodblogs boomen. Brot und Kuchen werden wieder selbst gebacken, Früchte und Gemüse eingemacht. Auch der Anbau von Kräutern, Salaten und Gemüsen auf Balkonen, Fensterbänken oder in Gärten erlebt aktuell ein Revival.

Denn Selbermachen sichert nicht nur die Versorgung, sondern macht die meisten Menschen außerdem zufrieden und glücklich.

Fazit zum neuen Essverhalten in Corona-Zeiten

Ganz klar, der neue Corona-Alltag hat bei vielen auch zu einer Veränderung des Ernährungsalltags geführt. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob die neu entdeckte Kochbegeisterung oder auch das verstärkte gemeinsame Essen beibehalten wird, wenn der frühere Alltag zurückkehrt. Wir als Ernährungswissenschaftler würden uns wünschen, dass das neue Bewusstsein für eine nachhaltige und gesunde Ernährung Bestand hat.

Wenn ihr noch auf der Suche nach einem passenden Kochbuch oder Brotbackbuch seid, empfehlen wir euch, einmal hier vorbeizuschauen.


[1] Trendstudie des Zukunftsinstituts im Auftrag von Siemens Hausgeräte: Küche und Haushalt nach Corona, 2020

[2] https://www.phw-gruppe.de/site/assets/files/2068/kantar_ergebnistabellen_essen_und_kochen_in_der_corona_krise.pdf

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