Milch per Mausklick – Lebensmittel online bestellen

18.01.2019

| Lesezeit: 6 Min.

Ganze Wocheneinkäufe von der Couch aus per Mausklick erledigen – das ist schon längst keine Zukunftsmusik mehr, Lieferdienste diverser Supermarktketten und Onlinehändler wie Amazon machen‘s möglich. Aber … will man das auch? Nicht mehr durch die Regalreihen schlendern und sich inspirieren lassen? Nicht mehr anfassen, was man sich in den Einkaufswagen legt? Nicht mehr bei den Tomaten die besonders roten heraussuchen und die Avocados mit Fingerdruck auf Reife testen? Aber eben auch nicht mehr ewig die Gänge auf- und abstreifen und verzweifelt eine spezielle Zutat suchen. Und nicht mehr hinter Großfamilien mit quengelnden Kindern an überfüllten Kassen Schlange stehen. Und überhaupt erst gar nicht mehr aus dem Haus müssen.

Ein schleppender Start

Noch tragen wir unsere Einkäufe lieber selbst nach Hause. Laut des Marktforschungsinstituts GFK kommt der Online-Lebensmittelhandel nicht so richtig in Gang. Er liegt nach wie vor unter zwei Prozent. Obwohl so viele Händler inzwischen darauf setzen, hohe Summen investieren und ihren Bestell- und Lieferservice immer weiter optimieren. Und obwohl so viele Konsumenten über den zeitraubenden Lebensmitteleinkauf klagen, während sie Klamotten und Elektrogeräte längst fröhlich online shoppen. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass Stadtplaner schon leergefegte Fußgängerzonen fürchten. Eine Erklärung für dieses Paradox vermutet die GFK darin, dass Menschen mit der höchsten Internet-Affinität in Städten wohnen. Und dort gibt es überall so viele Supermärkte, dass es nicht wirklich eine Zeitersparnis darstellt, Lebensmittel online zu bestellen. Die Bewohner ländlicher Gegenden wiederum könnten einen Bringdienst besser brauchen, stehen dem Internetshopping jedoch skeptisch gegenüber und liegen oft ohnehin nicht mehr im Liefergebiet der Zusteller.

Und ob Städter oder Dorfbewohner: Gerade frische Zutaten wollen die meisten tatsächlich erst selbst in Augenschein nehmen, bevor sie dafür bezahlen. Bei der Bestellung am Bildschirm schrecken zudem noch Lieferkosten, Mindestbestellwerte und Zustellzeiten ab. War es das dann also mit Eiern, Butter und Milch per Mausklick? Werden wir weiterhin samstäglich in die Supermärkte schwärmen, um dort unseren Wocheneinkauf zu erledigen? Auf lange Sicht: unwahrscheinlich.

Lebensmittel online bestellen

Mögen täten wir schon wollen …

Experten sind sich einig, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir immer mehr Lebensmittel online beziehen. Einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC zufolge planen 40 Prozent der befragten deutschen Konsumenten, in den nächsten zwölf Monaten Lebensmittel online einzukaufen. Wir tun es also noch nicht, aber immerhin haben wir es schon vor. Laut PWC steht der Online-Lebensmittelhandel damit kurz vor dem Durchbruch.

Die Bequemlichkeit des Menschen sei nicht zu unterschätzen, gibt auch der IT-Forscher Antonio Krüger in der Zeit zu bedenken und prognostiziert, dass wir in rund 30 Jahren 80 Prozent unserer Lebensmittel online bestellen werden.

Im Ausland sieht es tatsächlich bereits etwas anders aus. In den Niederlanden ist der Anteil des Online-Lebensmittelhandels mit vier Prozent zwar auch noch relativ klein, verzeichnet aber stetige Zuwächse. In Großbritannien sind es immerhin schon sieben Prozent Marktanteil.

Und schaut man allein auf die Initiativen von Amazon, verschwinden die letzten Zweifel, wo wir zukünftig unser Essen kaufen werden.

Amazon – von Fresh bis Dash

Mit Büchern haben sie ganz harmlos angefangen. Jetzt gibt es bei Amazon einfach alles, seit einiger Zeit auch ein beachtliches Sortiment an Lebensmitteln, das über den Lieferservice Amazon Fresh bezogen werden kann. Wenn Amazon sich in den Kopf gesetzt hat, etwas zu verkaufen, dann verkaufen sie es auch. Haben Sie schon vom „Dash-Button“ gehört? Ein ovales Stückchen Plastik, das man sich an einen beliebigen Ort in der Wohnung hängen oder kleben kann. Jeder Button ist auf ein ganz bestimmtes Produkt spezialisiert, also zum Beispiel Color-Waschmittel von Ariel oder Kaffeepads von Senseo. Gehen diese zur Neige, muss man nur noch das Knöpfchen drücken und Amazon liefert Nachschub. Der Button kostet rund fünf Euro pro Stück und ist derzeit nur für Prime-Mitglieder erhältlich.

Lebensmittel online bestellen

Kluge Kühlschränke können auch kaufen

Von der Zukunft des Online-Lebensmittelhandels sind auch Kühlschrankhersteller überzeugt. Schaut man sich an, was der Family Hub von Samsung alles kann, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Drei Kameras sind im Innenraum des Kühlschranks installiert und übertragen quasi per Livestream auf das Handy, wie es um die aktuelle Bevorratung steht. Ist man beim Einkauf nicht mehr sicher, ob noch Milch da ist oder nicht, kann man schnell mal nachschauen. Ein großes, tabletartiges Display in der Kühlschranktür zeigt auf Wunsch außerdem die Uhrzeit, das Wetter oder auch das Fernsehprogramm – ein Wort genügt. Man kann im Internet surfen, YouTube-Videos anschauen und über eine eingebaute Box mit Bluetooth-Funktion Musik hören. Und natürlich kann man auch Lebensmittel online bestellen.

Die lange (Internet-)Leitung der Konsumenten

Kein Händler schreibt derzeit mit seinem Lebensmittel-Lieferkonzept schwarze Zahlen, auch Amazon nicht. Doch könnte es fatale Folgen haben, diesen Entwicklungsschritt jetzt nicht mitzugehen. Momentan stehen wir Verbraucher vielleicht noch auf der langen (Internet-)Leitung, aber irgendwann werden wir schon einsehen, dass wir unser Essen eigentlich online kaufen wollen.

Sie fragen sich jetzt wie die Zukunft der Ernährung aussehen wird? Und vielleicht auch, ob Insektennahrung darin eine Rolle spielen? Dann lesen Sie einfach weiter …

 

BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

Insekten in Snackschale
Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel? Was hierzulande noch eher ungewöhnlich klingt, ist global betrachtet keineswegs neu. In verschiedenen Regionen der Welt gehören Insekten als Lebensmittel seit Langem zu lokalen Ernährungstraditionen und werden je nach Region, Art und Zubereitung ganz unterschiedlich gegessen. mehr
Hygge, Lagom und Co.: Was wir von Skandinavien lernen können
Was haben Gemütlichkeit, bewusste Pausen, das richtige Maß und Zeit in der Natur gemeinsam? In Skandinavien gibt es dafür gleich mehrere Begriffe: Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv. Sie beschreiben unterschiedliche Facetten einer Lebensart, die weltweit fasziniert, und zeigen, dass manchmal schon kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen können. Was wir uns davon abschauen können, zeigen wir in diesem Beitrag. mehr
Sandra Ganzenmüller und Candy Sierks
Die Kommunikationswelt verändert sich: Kanäle werden vielfältiger, Prozesse schneller und Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Agenturalltag. Gleichzeitig bleiben fachliche Kompetenz, Vertrauen und persönliche Beziehungen unverzichtbar. Agenturgründerin Sandra Ganzenmüller und Nachfolgerin Candy Sierks sprechen darüber, was gute Food-Kommunikation heute ausmacht und was sie morgen leisten muss. mehr
Kiosk-Konzepte neu gedacht.
Zeitung, Zigaretten, Gummibärchen und fertig ist der Kiosk? Von wegen. Was jahrzehntelang als Basisversorger mit überschaubarem Sortiment galt, wird gerade neu definiert. Zwischen Coffee-to-go-Kultur, Digitalisierung und Kiez-Romantik entstehen Konzepte, die zeigen: Der Kiosk ist der heimliche Trendsetter des kleinflächigen Einzelhandels. Auch mir ist dieser Wandel zuletzt immer wieder aufgefallen. Wenn man durch die verschiedenen Stadtviertel in München schlendert, ist an vielen Ecken ein neuer Kiosk aufgepoppt und beim genaueren Hinsehen wird schnell klar, dass sich dahinter weit mehr verbirgt als der klassische Zeitschriften- und Zigarettenladen von früher. mehr
Nach oben scrollen