Personalisierte Ernährung: Essen auf das Individuum abgestimmt

Wer noch nicht genug von den diesjährigen Trends hat, für den haben wir die Food Trends 2022 entdeckt.

22.03.2022

| Lesezeit: 5 Min.

Es gibt unzählige Ernährungstrends. Manche davon sind schneller vergessen, als sie aufgetaucht sind. Andere von ihnen sind hartnäckiger und entwickeln sich stetig weiter. Dazu zählt auch die personalisierte Ernährung. Mithilfe einer Befragung von 107 Ernährungsexperten und Ernährungsexpertinnen hat Nutrition Hub im Januar die zehn TOP Ernährungstrends 2022 veröffentlicht. Wie auch im Jahr zuvor hat es das Thema „personalisierte Ernährung“ in die Hitliste geschafft. Es wird also höchste Zeit, dieses Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir geben hier allerdings keine Ernährungsempfehlungen und der Besuch bei einer Ernährungsfachkraft ist immer sinnvoll.

Was ist personalisierte Ernährung?

Personalisierte Ernährung ist Essen, das unseren Genen schmeckt. Aber woher können wir wissen, welche Art von Ernährung unsere Gene wollen? Eine DNA-Analyse, die verschiedene Anbieter bewerben, reicht aus, um in der Theorie zu erfahren, was unser Körper benötigt. Auch das Mikrobiom spielt dabei eine große Rolle. Unter dem Begriff Mikrobiom werden alle auf und in einem Organismus beheimateten Bakterien bezeichnet. Ein Großteil dieser Bakterien, die unseren Stoffwechsel beeinflussen, sind in der Darmflora zu finden. Mit den Ergebnissen der Analysen von DNA und Darmflora können anschließend individuelle Ernährungspläne erstellt werden, die auf den jeweiligen Stoffwechsel zugeschnitten sind.

Von der DNA-Analyse zur individuellen Ernährung

Mithilfe unserer Gene können also Ernährungsempfehlungen ausgesprochen werden. Das hört sich sehr abstrakt an? Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung: Beim Cholesterin- und Fettstoffwechsel spielt das Eiweiß Apolipoprotein E (ApoE) eine Rolle. Dieses Protein kann in drei Varianten vorliegen: ApoE2, -E3 oder -E4. ApoE4 kann zu hohen Cholesterinspiegeln im Blut führen, was ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Für Menschen, die Träger von ApoE4 sind, ist es daher besonders wichtig, Lebensmittel auszuwählen, die cholesterinarm und reich an ungesättigten Fettsäuren sind. Noch mehr als für andere würde die Empfehlung daher lauten: weg von Burgern und Würstchen mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren, hin zu gesünderen Fetten aus magerem Fleisch und Fisch.

Personalisierte Ernährung ohne Gentest

Einfacher als die Genanalyse ist eine Variante, bei der Blutzuckerspiegel nach verschiedenen Mahlzeiten gemessen und miteinander verglichen werden. Hierzu müssen Teilnehmer und Teilnehmerinnen über einen Zeitraum von 14 Tagen alle verzehrten Mahlzeiten notieren und abwiegen, dazu zählen auch vordefinierte Testmahlzeiten. Durch die regelmäßige Messung des Blutzuckers – ähnlich wie bei Diabetes-Patientinnen und -Patienten – werden die Reaktionen auf die Lebensmittel aufgezeichnet. Wer dabei wie stark auf ein Lebensmittel reagiert, ist sehr individuell. Am Ende des Zeitraums bekommen die Teilnehmenden eine Auswertung, in der beispielsweise die folgenden Fragen beantwortet werden: Wie bleibt mein Blutzuckerspiegel stabil? Sind Kohlenhydrate morgens oder abends besser für mich? Wie sieht das optimale Frühstück für meinen Körper aus? Wie viel Fett und Eiweiß brauche ich? Lebensmittel wirken auf jeden Menschen unterschiedlich. So konnte gezeigt werden, dass manche Personen selbst nach dem Verzehr von Vollkornprodukten oder Tomaten mit unüblich hohen Blutzuckerwerten antworten. Anhand dieser Untersuchungen konnten Forscherinnen und Forscher dennoch verschiedene Ernährungstypen definieren, durch die vorhergesagt werden soll, wie einzelne Personen auf Lebensmittel reagieren werden.

Tische mit aufgebautem Buffet aus verschiedenen Lebensmitteln
© Pexels

Personalisierte Ernährung & Biohacking

Einen ähnlichen Selbstoptimierungsweg, wie die personalisierte Ernährung, schlägt Biohacking ein. Aber was genau ist Biohacking? Bei Biohacking geht es um eine ganzheitliche Selbstoptimierung. Ziel ist es, Körper und Geist besser zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen, um anschließend neue Werkzeuge zu finden, die Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden beeinflussen. Ähnlich wie PC-Hacker, die in Computersysteme eindringen, wollen Biohacker in den menschlichen Organismus eingreifen. Unser biologisches System wird dazu zerlegt, verstanden und wiederaufgebaut. Hier machen wir uns die Erkenntnisse aus Biologie und Umweltwissenschaften für persönliche Zwecke zunutze. Man könnte es also auch als Do-it-yourself-Biologie bezeichnen.

Personalisierte Ernährung: Zukunft unserer Essgewohnheiten?

Dass wir in einigen Jahren ausschließlich das essen werden, was unsere Gene auf dem Speiseplan sehen möchten, bleibt unwahrscheinlich. Fakt ist jedoch, dass die personalisierte Ernährung nicht nur im Bereich des Profisports genutzt wird, denn auch für „Otto Normalverbraucher“ ist dieser Weg der Selbstoptimierung interessant. Darüber hinaus ist es spannend zu erfahren, inwieweit wir uns wissenschaftliche Erkenntnisse im Alltag zunutze machen können, um eine (etwas) bessere Version unserer selbst zu erschaffen.

Wer noch nicht genug von den diesjährigen Trends hat, für den haben wir die Food Trends 2022 entdeckt.

BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

Rituale im Arbeitsalltag
Volles Postfach, anstehende Deadlines, kurzfristige Presseanfragen, Kundentermine und Abstimmungen im Stundentakt: Im Agenturalltag ist selten Ruhe. Umso hilfreicher sind feste Rituale, die dem Tag wieder Struktur geben. Aber welche Rituale helfen uns bei kommunikation.pur ganz konkret? Wir haben im #teampur nachgefragt und überraschend vielfältige Antworten bekommen. mehr
Tag des Sauerteigs: Warum Sauerteig einen eigenen Aktionstag verdient
Er blubbert, riecht säuerlich und erfordert manchmal etwas Geduld: Sauerteig ist eines der wenigen Lebensmittel, die man gleichzeitig backen, füttern und beim Wachsen beobachten kann. Kein Wunder also, dass er inzwischen sogar einen eigenen Aktionstag hat. Am 19. Oktober wird der Tag des Sauerteigs gefeiert. mehr
proHops wurde 2018 als digitaler Marktplatz gegründet.
Die Hopfenbranche ist traditionsreich und tradiert, also seit sehr langer Zeit von sehr fest eingefahrenen Strukturen geprägt. Genau dort setzte Dipl.-Ing. für Brauwesen und Getränketechnologie Andreas Wagner mit proHops an. 2018 gründete er einen digitalen Marktplatz, der Erzeugerinnen und Erzeuger mit Brauereien direkter verbinden sollte. mehr
Insekten in Snackschale
Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel? Was hierzulande noch eher ungewöhnlich klingt, ist global betrachtet keineswegs neu. In verschiedenen Regionen der Welt gehören Insekten als Lebensmittel seit Langem zu lokalen Ernährungstraditionen und werden je nach Region, Art und Zubereitung ganz unterschiedlich gegessen. mehr
Nach oben scrollen