Avocados: lecker und kontrovers

Ihr habt Lust auf noch mehr fruchtige Exoten? Hier geht es zu weiteren exotischen Früchten – für ein bisschen Urlaubsfeeling auf dem heimischen Teller.

17.08.2021

| Lesezeit: 9 Min.

Sie ist das Trend-Food überhaupt: die Avocado. Besonders beliebt ist sie wegen ihrer cremigen, buttrigen Konsistenz und ihres unverwechselbaren Geschmacks. Egal ob im Salat, Sandwich oder Dessert – die Avocado lässt sich vielfältig einsetzen und schmeckt einfach immer! Zwar lecker mild, zergeht aber herrlich auf der Zunge … und genau deswegen lieben wir sie. Doch sie hat natürlich noch viel mehr zu bieten, denn sie ist vollgepackt mit wertvollen Nährstoffen. Übrigens sind Avocados kein Gemüse, sondern Obst. Die birnenförmige Frucht hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt und ist das It-Piece in jeder Küche. Nach ihrem anfänglichen Hype erregte sie jedoch auch mit negativen Schlagzeilen die Aufmerksamkeit kreativer Koch-Fans. Die Avocado ist lecker, aber auch kontrovers?

Eine Frucht schreibt Geschichte

Wusstet ihr, dass es sich bei Avocados eigentlich um Beeren handelt? Diese wachsen am Avocadobaum, einem Lorbeergewächs, das bis zu 20 Meter groß werden kann. Die Geschichte der Avocado beginnt schon vor 10.000 Jahren. Ihre Heimat liegt in Südmexiko, wo bereits die Azteken die grünen Früchte anbauten. Die Avocados wurden von den spanischen Entdeckern im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht. Weltweit werden mittlerweile über 400 Sorten angebaut, unter anderem in Kalifornien, Südafrika, Chile, Peru, Australien, Israel und Südspanien. Diese können sich in Farbe, Form und Gewicht stark unterscheiden. Die Avocados, die wir kennen, wiegen zwischen 200 und 400 g. Tatsächlich gibt es aber auch welche, die bis zu 2 kg wiegen können. Auch bei der Schale gibt es Unterschiede: Von schwarz über dunkelgrün bis hin zu braunrot ist alles dabei. Bekannt ist die Avocado vor allem für ihre birnenartige Form. Allerdings sind manche Sorten auch kleiner und eher rund.

Fettreich, aber oho

Die grüne Frucht hat in Sachen Nährstoffe einiges zu bieten. Besonders ihr hoher Gehalt an ungesättigten Fettsäuren und an A- und E-Vitaminen macht sie zu dem perfekten Gesundheitsbooster für die Haut. Avocados sind außerdem eine gute pflanzliche Eiweißquelle und eignen sich hervorragend für eine Low-Carb-Ernährung, da sie nahezu keine Kohlenhydrate enthalten. Aufgrund der vielen Proteine machen sie dennoch lange satt. Sie sind gute Lieferanten für Folsäure, Kalium und Vitamin K und punkten mit Ballaststoffen und Antioxidantien. Avocados sind zudem für ihren hohen Fettgehalt bekannt. Übrigens hat keine andere Obst- oder Gemüsesorte so viel Fett wie die Avocado. Allerdings setzen sich die Fette der grünen Früchte aus vielen einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren zusammen und gelten somit als gesunde Fette. Sie können sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken, den Stoffwechsel beim Fettabbau unterstützen und dafür sorgen, dass der Körper die enthaltenen Vitamine und Nährstoffe gut aufnimmt. Fettlösliche Vitamine lassen sich nämlich so besser aufnehmen. Kombiniert also mal eure Avocado mit Obst oder Gemüse.

Das grüne Gold

Für ihr Wachstum benötigt die kleine grüne Frucht viel Sonne und bevorzugt daher feuchtwarme Gebiete, wie in ihrer mittel- und südamerikanischen Heimat. Daher stammen auch die meisten Avocados, die es im Supermarkt zu kaufen gibt, aus fernen Ländern. Um zu uns zu gelangen, müssen sich die birnenförmigen Früchte auf einen weiten Weg machen, oft in gekühlten Containerschiffen. Die CO2-Emissionen sehen aber bei Avocados aus Israel auch nicht besser aus, da diese eingeflogen werden und so die Ökobilanz sogar noch schlechter ist als bei den beispielsweise aus Mexiko verschifften Avocados. Auch wenn die Transportwege lang sind, steigen die Importzahlen stetig an. Die hohe Nachfrage beeinflusst zudem den Anbau. Wo zuvor kleine Avocado-Bauern ihre Plantagen hatten, sind nun große Konzerne mit riesigen Anbaugebieten tätig, die die dortigen Landwirte vertrieben haben. Da der Anbau des „grünen Golds“ finanziell sehr ertragreich ist, wird die Anpflanzung von den Großkonzernen weiter beschleunigt. Bei diesem Tempo können aber kleine Bauern nicht mithalten und verlieren ihre Existenzgrundlage. Ein weiteres Problem ist der hohe Wasserverbrauch der Avocado-Bäume in den vor allem trockenen Regionen. Für den Anbau von einem Kilogramm Avocados sind zwischen 1.000 bis 1.500 Liter Wasser notwendig. Das ist fast acht Mal so viel wie für die gleiche Menge Kartoffeln. Die Anbau-Regionen sind jedoch sehr trocken und besitzen kaum genug Wasserreserven, sodass für die Avocados das Trinkwasser verbraucht wird. Das führt in Ländern wie Chile nicht nur zu ökologischen Schäden, sondern auch zu Trinkwassermangel. Gleichzeitig werden für neue, großflächige Plantagen Pinien- und Tannenwälder gerodet. Aus der ursprünglichen Artenvielfalt entsteht eine Monokultur, die sich jedoch negativ auf heimische Pflanzen und Tiere auswirkt. Das grüne Gold ist jedoch so lukrativ, dass die Nachteile für Mensch und Umwelt in Kauf genommen werden.

Avocado à la minute

Aufgrund des langen Transportweges und der Empfindlichkeit der grünen Früchte, werden sie früh geerntet. So sind sie für die Reise noch fest und robust. Wenn sie allerdings bei uns ankommen, sind sie noch nicht essbar. Daher werden sie in klimatisierte Lagerhallen gebracht, um sie dort in einem Schnellverfahren nachreifen zu lassen. So landen die Avocados anschließend verzehrfertig im Supermarkt. Die konstante Klimatisierung und das aufwendige, künstliche Reifeverfahren verbrauchen viel Energie und verursachen weitere hohe CO2-Emissionen. Die Nachreifung hat jedoch ein weiteres Problem, das sich erst im Supermarkt zeigt. Die reife Frucht ist sehr anfällig und muss innerhalb weniger Tage verkauft werden. Daher kommt es oft vor, dass nicht gekaufte Früchte verderben und weggeworfen werden müssen.

Wenn Avocado …

… dann mit Siegel. Bio-Siegel weisen auf einen ökologischen Anbau hin, Fair Trade Siegel auf gerechte Arbeitsbedingungen. So können kleinere Betriebe unterstützt und ein fairer Handel ermöglicht werden. Regionalität wird bei den grünen Früchten schwierig. Daher ist es wichtig, keine Avocados aus sehr trockenen Ländern zu kaufen. Am besten sind Avocados aus Spanien, da sie den kürzesten Transportweg haben. Aufschriften wie „verzehrbereit“ klingen sehr verlockend, sind aber absolute Energiefresser. Unreife Früchte halten im Supermarkt nicht nur länger, sie können auch problemlos zu Hause nachreifen. Dadurch fällt der Zwischenschritt in den klimatisierten Lagerhallen weg. Alles, was man dafür tun muss, ist die Avocado ein paar Tage bei Zimmertemperatur liegen lassen. Und wenn es mal schneller gehen soll, kann ein warmer, sonniger Ort nachhelfen. Übrigens ist der Kern der Avocadofrucht essbar und sogar besonders nährstoffreich. Dafür einfach den Kern schälen und ins Müsli, Porridge oder in den Smoothie reiben. Ihr habt einen grünen Daumen und könnt von Pflanzen nicht genug bekommen? Dann versucht doch mal, aus dem Kern eine Avocado-Pflanze zu ziehen. Den Kern mit Zahnstochern aufspießen (nur leicht, nicht ganz durch), mit der Spitze nach oben in ein Glas Wasser hängen (maximal zu zwei Dritteln im Wasser) und regelmäßig das Wasser wechseln. An einem warmen Ort könnt ihr dann eurer Pflanze beim Wachsen zuschauen. Aber ihr müsst geduldig sein. Denn es kann bis zu drei Monate dauern, bis sich Wurzeln und anschließend ein kleiner Trieb bilden. So erhält jedoch die Avocado ein neues Leben.

Ihr habt Lust auf noch mehr fruchtige Exoten? Hier geht es zu weiteren exotischen Früchten – für ein bisschen Urlaubsfeeling auf dem heimischen Teller.

BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

Insekten in Snackschale
Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel? Was hierzulande noch eher ungewöhnlich klingt, ist global betrachtet keineswegs neu. In verschiedenen Regionen der Welt gehören Insekten als Lebensmittel seit Langem zu lokalen Ernährungstraditionen und werden je nach Region, Art und Zubereitung ganz unterschiedlich gegessen. mehr
Hygge, Lagom und Co.: Was wir von Skandinavien lernen können
Was haben Gemütlichkeit, bewusste Pausen, das richtige Maß und Zeit in der Natur gemeinsam? In Skandinavien gibt es dafür gleich mehrere Begriffe: Hygge, Mysig, Lagom, Fika und Friluftsliv. Sie beschreiben unterschiedliche Facetten einer Lebensart, die weltweit fasziniert, und zeigen, dass manchmal schon kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen können. Was wir uns davon abschauen können, zeigen wir in diesem Beitrag. mehr
Sandra Ganzenmüller und Candy Sierks
Die Kommunikationswelt verändert sich: Kanäle werden vielfältiger, Prozesse schneller und Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Agenturalltag. Gleichzeitig bleiben fachliche Kompetenz, Vertrauen und persönliche Beziehungen unverzichtbar. Agenturgründerin Sandra Ganzenmüller und Nachfolgerin Candy Sierks sprechen darüber, was gute Food-Kommunikation heute ausmacht und was sie morgen leisten muss. mehr
Kiosk-Konzepte neu gedacht.
Zeitung, Zigaretten, Gummibärchen und fertig ist der Kiosk? Von wegen. Was jahrzehntelang als Basisversorger mit überschaubarem Sortiment galt, wird gerade neu definiert. Zwischen Coffee-to-go-Kultur, Digitalisierung und Kiez-Romantik entstehen Konzepte, die zeigen: Der Kiosk ist der heimliche Trendsetter des kleinflächigen Einzelhandels. Auch mir ist dieser Wandel zuletzt immer wieder aufgefallen. Wenn man durch die verschiedenen Stadtviertel in München schlendert, ist an vielen Ecken ein neuer Kiosk aufgepoppt und beim genaueren Hinsehen wird schnell klar, dass sich dahinter weit mehr verbirgt als der klassische Zeitschriften- und Zigarettenladen von früher. mehr
Nach oben scrollen